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Déjà-vu bei Anträgen für neue Buslinien

Gemeinderat Paul Stopper (BPU) will mit neuen Buslinien den Ustermer ÖV aufmischen. Die Chancen für seine Ideen stehen aber schlecht.

Ob die neuen Vorschläge zum Busfahrplan in Uster Chancen haben, entscheidet der Stadtrat bis Mitte April

Archivfoto

Déjà-vu bei Anträgen für neue Buslinien

Nach dem Prinzip « steter Tropfen höhlt den Stein » trägt BPU-Gemeinderat Paul Stopper immer wieder die gleichen Änderungsvorschläge für die Ustermer Buslinien an den Stadtrat. «30 Jahre lang versuche ich schon, mit mehreren Eingaben den Fahrplan zu ändern», sagt Stopper. Insgesamt neun Eingaben machte er kürzlich als Präsident der Vereinigung «Pro Oberland» zum «ZVV-Verbundfahrplan 2020 – 2021». Zwei davon sind neu (siehe Grafik).

Ein wenig untypisch für ÖV-Freund Stopper ist sein Antrag mit dem er die Fahrfrequenz der Buslinie 817 zur Schifflände am Greifensee reduzieren will. Er bezeichnet den Viertelstundentakt als «zu dicht». Stopper sagt: «Zwar befürworte ich eine gute Erschliessung zum See, ein Überangebot schadet jedoch dem Ansehen des öffentlichen Verkehrs, weil leere Fahrzeuge dem Steuerzahler nicht verständlich gemacht werden können.»

Seestrasse noch ohne Haltestelle

Der Bus 817 soll nach Stoppers Idee zudem auf einer anderen Strecke durch Uster fahren. So soll die Linie wie früher vom Bahnhof über die Post- und Seestrasse und die Haltestelle Wil bis zum See geführt werden. «Die vielen neuen Wohnhäuser verdienen es, vom Bus anständig erschlossen zu werden», sagt Stopper. Es sei nicht zu verkennen, dass die «buslose» Seestrasse in einigen Abschnitten in den letzten Jahren eine starke Entwicklung erlebt habe. Neben dem Restaurant Falken solle deshalb eine neue Haltestelle Falken entstehen, um die Erschliessung der Wohngebiete zu verbessern.

Auch bemängelt Stopper, dass die Ustermer Aussenwacht Werrikon nicht an den öffentlichen Verkehr angeschlossen ist. Er will eine neue Buslinie von Uster bis nach Greifensee «Pfisterhölzli». Auf dieser Strecke soll die Bushaltestelle Werrikon entstehen. Vom «Pfisterhölzli» aus führt die Line in die schon bestehende Buslinie 727. Nach Stoppers Idee entstünde somit eine durchgehende Buslinie vom Bahnhof Uster bis zum Bahnhof Schwerzenbach.

Unter Kübler abgeblitzt

Sein Kalkül: Mit den Eingaben will er erreichen, dass der zuständige Stadtrat seine Buslinienvorschläge bei der regionalen Verkehrskonferenz vorträgt (siehe Box). Dies sei aber in den letzten Jahren unter dem Verantwortlichen Stadtrat Thomas Kübler (FDP) nie geschehen, sagt Stopper. Ob die Chancen mit dem neuen Delegierten für die regionale Verkehrskonferenz, Stadtrat Stefan Feldmann (SP), steigen könne er nicht sagen.

Regionaler Verkehrsbund

Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) sieht mit den Regionalen Verkehrskonferenzen (RVK) eine Mitsprache der Gemeinden zu Interessen des öffentlichen Verkehrs vor, insbesondere zu Fragen der Angebotsplanung und der Fahrplangestaltung. Die 168 Gemeinden des Kantons Zürich sind in zwölf RVK organisiert. Präsident für das RVK im Zürcher Oberland ist der Wetziker Stadtrat Pascal Bassu (SP). Die RVK tagen in der Regel zweimal pro Jahr.

Stefan Feldmann kann sich zu den konkreten Eingaben noch nicht äussern. Die Beurteilung des Stadtrates zu den Eingaben soll bis Mitte April erfolgen. Allgemein sagt Feldmann: «Der Stadtrat stützt oder verwirft die Eingaben der Bürger und stellt gegebenenfalls einen Antrag an die regionale Verkehrskonferenz.»

Fehlendes Geld

Auch Joe Schmid, Leiter Angebot und Markt der Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland (VZO), weiss aus Erfahrung: «In der Regel kommen an der regionalen Verkehrskonferenz keine grösseren Vorschläge, wie neue Buslinien, aufs Tapet.»

Kleinere Anliegen wie eine Fahrzeitverlängerung um ein bis zwei Stunden, hätten eher Chancen. Grund sei, dass die VZO schon im Vorfeld mit den Gemeinden Entscheidungen träfen, die ihrer Meinung nach wichtig für den öffentlichen Verkehr auf Gemeindegebiet seien. «Für nicht bereits eingeplante, grosse Ausbauten am Fahrplan sind im laufenden Verfahren keine Mittel verfügbar und könnten erst im nächsten Fahrplanverfahren in zwei Jahren weiterverfolgt werden», so Schmid.

 

Für Paul Stopper wären die Echoräume zum «Stadtraum 2035» Gelegenheit, sich Gehör zu verschaffen. Wie er sagt, hätte er das Anliegen der beiden neuen Buslinien allerdings nur in schriftlicher Form in den Echoräumen platzieren können. «Eine Diskussion darüber wurde von den Verantwortlichen der Stadt abgewiesen.»

Dies bestätigt auch Stefan Feldmann: «Anträge von Stopper wurden keine besprochen. In den Echoräumen wurde aber über Potentiale für neue Buslinien diskutiert und neue Linien im Grundsatz angedacht.»

 

Rekurse gegen Buslinie

Die Sportanlagen Buchholz werden ab Dezember mit der neuen Buslinie 818 ab dem Bahnhof Uster zu den Sportanlagen Buchholz in Betrieb genommen werden. So hatte es der Gemeinderat 2017 in einer Leistungsmotion beschlossen. Gleichzeitig wird die Buslinie 812 zum Quartier Hegetsberg ebenfalls ab Dezember verkürzt geführt. Die Haltestellen Weidli und Himmelriich an der Wermatswilerstrasse werden zukünftig von der neuen Linie 818 bedient.
Doch gegen die Pläne sind zwei Stimmrechtsrekurse eingegangen, wie die Stadt in einer Mitteilung schreibt. Somit sei « gegenwärtig unklar», ob die Änderungen am Busliniennetz tatsächlich bereits ab Dezember umgesetzt werden könnten. Falls bis Ende März kein Urteil zum Rekurs gefällt werde, könne die neue Linie 818 erst auf den Fahrplanwechsel im Dezember 2021 realisiert werden. In diesem Falle würde ab Dezember 2019 die alternative Variante in Kraft treten. Diese sieht vor, die Linie 812 werktags morgens und abends zu verkürzen und neu über die Rehbühlstrasse zu führen. Die Haltestelle Himmelriich würde damit während der Hauptverkehrszeiten nicht mehr bedient.

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