Oase und Weideland statt Wald und Fuchsbau
Für einige Naturschützer war das mit Bäumen überwucherte Grundstück mit Hausruine am Blumenweg ein letztes Stück Wildnis mitten in der Stadt. Ein Lebensraum für Flora und Fauna. Für viele Anwohner war es eine stinkende Mülldeponie, ein Schandfleck. Ein Hort, wo Vagabunden übernachteten, Vandalen wüteten und Diebe die letzten Wertgegenstände aus dem verlassenen Haus klauten.
«Als die Naturschützer das Waldfeststellungsverfahren eingeleitet haben, fand ich das eine Frechheit.»
Andreas Weber, Mitbesitzer Grundstück am Blumenweg
Als Vertreter einer Erbengemeinschaft ist Andreas Weber Mitbesitzer des Grundstücks. Auch Weber, der derzeit in Lugano lebt, hat wenig übrig für das, was auf seinem Boden einst passierte: «Das Haus war abbruchreif. Die Pflanzen wucherten wild durcheinander.»
Beides ist mittlerweile verschwunden. «Erst wollte ich nur einige Bäume fällen lassen», sagt Weber, «doch als die Naturschützer das Waldfeststellungsverfahren eingeleitet haben, fand ich das eine Frechheit. Ich entschied dann, gleich alle Bäume zu fällen.»
Mit diesem Feststellungsverfahren wollten die Naturschützer der Gesellschaft für Natur- und Vogelschutz Uster (GNVU) die Bäume schützen lassen (wir berichteten). Vom kantonalen Amt für Landschaft und Natur gab es jedoch einen negativen Entscheid, worauf Paul Stopper, Präsident Gesellschaft für Natur- und Vogelschutz Uster, einen Rekurs prüfte, was jetzt hinfällig geworden ist.
Umweltschützer kämpfen für Bäume auf verwildertem Grundstück
30.01.2019

Uster
Um die Bäume am Blumenweg in Uster zu retten, wollen Naturschützer das verwilderte Grundstück zum Beitrag in Merkliste speichern Dreistes Vorgehen
Auch er liebe die Natur, «doch diese Leute haben sich ohne Erlaubnis auf dem Grundstück bewegt. Sie haben vorgängig nicht mal den Kontakt zu mir gesucht. Das ist ein dreistes Vorgehen», sagt Weber.
«Ich schaue dann, was marktwirtschaftlich sinnvoll ist.»
Andreas Weber, Mitbesitzer Grundstück am Blumenweg
Ausserdem sei das Grundstück von Neophyten überwuchert gewesen. «Einige Pflanzen waren für Tiere auch giftig, wie mir Nachbarn bestätigt haben.» Er habe es mit dem Boden in Uster niemanden recht machen können: «Einige nervten sich, dass Bäume auf dem Grundstück standen, andere, dass sie verschwinden. Einigen war der Fuchs, der dort lebte ein Gräuel, anderen war das Tier ein Segen.»
«Früher war auf dem Grundstück noch eine Baumschule einer Gärtnerei. Mein Grossvater pflanzte dort noch Weihnachtsbäume an.» Diese seien in den Jahren hochgeschossen, hätten sich aber nicht genügend verwurzelt. Die Bäume seien deshalb zu instabil geworden und hätten so für Gefahr gesorgt.
Bauen nicht möglich
Fast gleichzeitig mit der Baumfällaktion wurde auch das alte Haus – manche nannten es «Geisterhaus» oder «Gammelhaus» – abgebrochen.
Die Tante war die letzte Bewohnerin des Hauses, das früher zur Gärtnerei gehörte. Als die Tante, dann vor 15 Jahren für ihre letzten Lebensjahre ins Pflegeheim kam, sei nichts mehr am Haus gemacht worden. «Die finanzielle Vormundschaft der Tante hatte die Gelder zurückbehalten. Ohne das Geld der Tante konnte sich die Erbengemeinschaft, zu der ich gehörte, nicht dazu durchringen, den Unterhalt des Grundstücks zu finanzieren», sagt Weber. Mittlerweile sei er Vertreter der Erbengemeinschaft und habe im letzten Jahr entschieden, die Unterhaltsarbeiten für das Grundstück an einen privaten und an den städtischen Forstbetrieb abzugeben.
Brachliegendes Grundstück kostet
Bautätigkeiten sind auf dem Grundstück zurzeit nicht möglich, weil bei der Stadt die Quartierplanung beim Blumenweg noch läuft. Die Stadt schreibt auf Anfrage: «Planungs- und baurechtlich sind derzeit einzelne Parzellen innerhalb des Gebietes beim Blumenweg nicht erschlossen und können daher nicht überbaut werden. Mit dem Quartierplan soll eine planungs- und baurechtliche Ordnung erstellt werden, welche die Bebauung der Grundstücke ermöglicht.» Bautätigkeiten könnten erst mit Abschluss des rechtskräftigen Quartierplans aufgenommen werden. Wann dies der Fall sein wird, kann die Stadt nicht sagen. Derzeit seien noch Rekurse hängig.
Weber will auch erst nachdem der Quartierplan der Stadt feststeht mit der Bauplanung beginnen. «Ich schaue dann, was marktwirtschaftlich sinnvoll ist. Es sollte schon rentabel sein.» Derzeit koste der Unterhalt des brachliegenden Grundstücks Geld. Wobei, ganz brach soll das Grundstück nicht mehr lange liegen. Nachbarn hätten Weber gefragt, ob sie Pflanzen auf das Grundstück einsetzen dürfen. Das habe er erlaubt. Welche Pflanzen das sein werden, überlasse er den Nachbarn. «Es soll dort vorerst eine grüne Oase und Weideland entstehen – kein Urwald.»
