«Ich könnte richtig reich werden damit»
Wie kamen Sie darauf, ein biografisches Buch über einen Gartenbau-Unternehmer aus Maur zu schreiben? Bruno Fuchs: Ich habe Reto Appenzeller wegen eines Artikels kennengelernt, den ich für den «Zürcher Oberländer» geschrieben habe. Seine Biografie hat mich angesprochen. Als Legastheniker hatte er eine schwere Schulzeit, bis er seine Freude an der Gartenarbeit entdeckte – und dass man damit Geld verdienen kann. Er hatte bereits während der Schulzeit eine eigene Firma und kaufte im Alter von 23 Jahren den Betrieb seines früheren Lehrmeisters mitsamt dazugehörigem Einfamilienhaus. Als Lehrer habe ich auch immer wieder Kinder in der Klasse, deren Zukunft nicht sehr rosig aussieht, und die dann doch ihren Weg machen. Wessen Idee war es letztlich, diese Biografie in ein Buch zu packen? Reto Appenzeller ist auf mich zugekommen. Er hat unglaublich viel erlebt und wollte mit 30 Jahren einen Stopp einlegen und sein Leben Revue passieren lassen. Das einzige Buch, das er in seinem Leben gelesen hatte, war «Mein Weg nach ganz oben» von Werner H. Spross, dem Gärtner der Nation. Das wollte er auch. Und so hat er den Auftrag an mich vergeben. Ein Buch schreibt man nicht mal eben in zwei Wochen. Konnten Sie den tatsächlichen Aufwand verrechnen? Insgesamt habe ich über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren daran geschrieben, aber natürlich nicht ununterbrochen. Am Ende war es eine Mischrechnung, die für beide stimmte.
«Gewisse Korrekturen waren nötig.»
Wer zahlt, befiehlt. Wie frei waren Sie bei Ihrer Arbeit? Reto Appenzeller hat mich machen lassen. Beim Gegenlesen hat er ab und zu eine Ergänzung eingebracht, die ihm wichtig erschien, das war alles. Gewisse Korrekturen waren nötig, weil sich aus den Schilderungen meiner verschiedenen Interviewpartner Widersprüche ergaben. Aber das ist bei einem so ereignisreichen Leben völlig normal. Es wird immer schwieriger, mit einem Buch bei einem richtigen Verlag unterzukommen, der sowohl Druckkosten, Lektorat als auch Werbung übernimmt. Wie haben Sie das geschafft? Das war erstaunlicherweise ganz einfach. Der erste Verlag, dem ich ein Exposé sowie das erste Kapitel geschickt habe, war gleich interessiert. Das Buch umfasst 128 Seiten und kostet 30 Franken, das ist ganz schön teuer. Der Grund ist die Qualität und die aufwändige Aufmachung. Es enthält relativ viele Bilder, die über das ganze Buch verteilt sind, deshalb wurde über alle Seiten hochwertiges Papier verwendet.
«Die Leute sind bestimmt neugierig, was für ein Leben er führt.»
«Der harte Weg zum Erfolg» erscheint in einer Auflage von 1000 Exemplaren. Wer soll es lesen? Alle, die sich für interessante Menschen mit einer spannenden Biografie begeistern können. Viele Leute in der Region kennen Reto Appenzeller seit der Zeit, als er noch mit seinem Mofa und drei vollgepackten Anhängern durch die Gegend fuhr. Die sind bestimmt neugierig, was für ein Leben er führt. Auch die Kunden sind potenzielle Leser. Haben Sie schon ein weiteres Buchprojekt? Ja, in Zusammenarbeit mit der Zürcher Careum-Stiftung. Es geht um ein Forschungsprojekt, das aufgezeigt hat, dass in der Schweiz 7,9 Prozent der Kinder im Alter von 10 bis 15 Jahre eine umfassende Betreuungsverantwortung in ihrer Familie haben. Das Thema greife ich mit verschiedenen Porträts auf. Ihr erstes Buch «Erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit in der Schule» erschien vor zehn Jahren. Haben Sie gewusst, dass es derzeit auf Amazon für 126 Euro angeboten wird? Nein, das wusste ich nicht. Das Buch hatte eine Auflage von 1000 Exemplaren und ist mittlerweile vergriffen. Ich habe aber noch einige Exemplare zu Hause. Hin und wieder kommt eine Bestellung rein, dann verschicke ich eines – und das schön brav zum Listenpreis von 30 Franken. Dabei könnte ich richtig reich werden damit (lacht).
Die Buchtaufe mit Bruno Fuchs und Reto Appenzeller findet am Freitag, 22. März, um 17 Uhr im Restaurant Schifflände in Maur statt. «Der harte Weg zum Erfolg – Der Lehrling, der seinen Chef anstellte», Verlag Elfundzehn, 128 Seiten.
Zur Person
Bruno Fuchs, 1957, lebt mit seiner Frau in Wangen. 2003 schloss er den Diplomlehrgang in Publizistik (SAL) ab und wurde Journalist. Einige Jahre leitete er eine Lokalredaktion und arbeitete 2006 beim «Zürcher Oberländer». 2009 schrieb er das Buch «Erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit in der Schule», das im Verlag Orell Füssli erschien. Er war über einige Jahre Dozent an Schulleiterausbildungen zum Thema Öffentlichkeitsarbeit. Heute arbeitet er als freier Journalist (unter anderem für die Zürcher Oberland Medien), als Lehrer sowie Buchautor. (zo)
