Mehr Tote und mehr Schwerverletzte auf den Oberländer Strassen
Betrachtet man die neuesten Unfallzahlen, die die Kantonspolizei diese Woche publiziert hat, zeigt sich für das Zürcher Oberland ein erschreckendes Bild: Sieben Personen sind im vergangenen Jahren auf Oberländer Strassen gestorben (siehe Grafik). Auch die Zahl der Schwerverletzten nahm zu.
«Vor allem ältere Menschen sind gefährdet.»
Carmen Surber, Mediensprecherin Kantonspolizei
Carmen Surber, Mediensprecherin der Kantonspolizei, kann zur Entwicklung in der Region keine spezifischen Angaben machen, sagt aber: «Ungeschützte Verkehrsteilnehmer wie Fahrradfahrer und Fussgänger profitieren nicht von technischen Fortschritten wie Airbags oder anderem Aufprallschutz.» Auch mit Helm bleibt der Köper ungeschützt. «Vor allem ältere Menschen sind gefährdet. Wegen des schwächeren Knochenbaus im Alter erleiden sie oft schwerere Brüche.»

Mehr Unfälle in Wangen-Brüttisellen
In den meisten Gemeinden der Region nahmen die Unfälle ab. Eine starke Zunahme hatte einzig Wangen-Brüttisellen zu verzeichnen. 2017 hat man noch 147 Unfälle verzeichnet, im letzten Jahr waren es 236.
«Oft sind Fahrer am Handy oder sonst abgelenkt»
Laura Graf, stellvertretende Abteilungsleiterin Sicherheit, Gemeinde Wangen-Brüttisellen
Laura Graf, stellvertretende Abteilungsleiterin Sicherheit der Gemeinde Wangen-Brüttisellen sagt, dass die zunehmende Anzahl Baustellen bei der Autobahn wesentlichen Einfluss auf diese Entwicklung hätten. Die Baustellensignale und die Verringerung der Fahrspuren erschweren den Verkehrsfluss. «Wesentlich trägt aber die unvorsichtige Fahrweise einiger Leute zu den Unfälle bei. Oft sind Fahrer am Handy oder sonst abgelenkt», so Graf.
In Wangen-Brüttisellen wünscht man sich deswegen von der Kapo zukünftig eine Statistik, die die Unfallzahlen auf Gemeinde- und Kantonsstrassen separat ausweist. «Dort gehen wir – anders als bei den Autobahnen – von gleichbleibenden Zahlen aus. Wir haben derzeit aber kein bestätigtes Zahlenmaterial dazu», sagt Graf.
Tragisches Jahr in Illnau-Effretikon
Wenig Erfreuliches zum Unfalljahr 2018 gibt es auch aus der Gemeinde Illnau-Effretikon. Die Gemeinde hatte im letzten Jahr gleich zwei Unfalltote zu beklagen. Ein besonders tragischer Vorfall ereignete sich im vergangenen Dezember. Damals wurde ein 10-jähriger Junge auf dem Trottinett von einem Lastwagen erfasst und verstarb noch auf der Unfallstelle.
«Wichtig ist, dass die Velofahrer in der Mitte fahren, damit ihnen nicht der Weg abgeschnitten wird.»
Jörg Ganster, Abteilungsleiter Sicherheit Stadt Uster
Peter Wettstein, Stadtschreiber von Illnau-Effretikon, sagt: «Ein solch tragischer Unfall wird in der Bevölkerung stark wahrgenommen und schmälert das Sicherheitsgefühl im Strassenverkehr. Auch wenn die Unfallzahlen ansonsten zurückgegangen sind.»
Tatsächlich sind in Illnau-Effretikon die Unfallzahlen von 182 im Jahr 2017 auf 146 im vergangenen Jahr deutlich gesunken. Es gab auch weniger Personenschäden, womit sich Illnau-Effretikon von den meisten Gemeinden in der Region unterscheidet.
Unfälle mit Senioren in Wetzikon
In der Gemeinde Wetzikon fallen vor allem die Unfälle mit Senioren auf (siehe Grafik) Bei 27 Prozent der Fälle waren Senioren als Opfer oder als Verursacher involviert. Für den stellvertretenden Kommandant der Stadtpolizei Wetzikon, Mathias Meier, ist es schwierig herauszulesen, wieso diese Zahl in Wetzikon so hoch ist. Meier sieht aber eine mögliche Ursache bei den E-Bike-Fahrern. «Dass die Geschwindigkeit der E-Bikes oft unterschätzt wird, könnte bei den Unfallzahlen eine Rolle spielen.» Auch die Kreisel und Fussgängerstreifen seien für Verkehrsteilnehmer allgemein ein Risiko, weil sie sich dort aus Unwissenheit nicht richtig verhielten, so Meier.
Uster als E-Bike-Mekka
Auch in Uster sind die E-Bike-Fahrer ein grosses Thema, wie Jörg Ganster, Abteilungsleiter Sicherheit der Stadt weiss: «In Uster herrscht reger Zweiradverkehr». Auf das Risiko, falsch in den Kreiseln zu fahren, machen in der Stadt Plakate aufmerksam.
«Wichtig ist, dass die Velofahrer in der Mitte fahren, damit ihnen nicht der Weg abgeschnitten wird», sagt Ganster. «Deshalb werden schon die Kinder im Verkehrsunterricht in sicherem und korrektem Verhalten geschult. «In Uster sind die Unfälle mit Zweirädern von 40 auf 43 nur leicht gestiegen. Dagegen zeichnet die durchschnittliche Zunahme im ganzen Kanton ein düsteres Bild», so Ganster.
Verkehrsunfallstatistik
Insgesamt ereigneten sich auf dem ganzen Kantonsgebiet 16‘502 polizeilich registrierte Verkehrsunfälle. Zugenommen haben sowohl die Unfälle mit Sachschaden als auch die Unfälle mit Personenschaden. 626 Personen verletzten sich im letzten Jahr auf dem Zürcher Strassennetz schwer. 33 Personen kamen bei Verkehrsunfällen ums Leben. Zu den häufigsten Unfallursachen 2018 im Kanton zählt die Kantonspolizei Ablenkung, Fahrunfähigkeit und Geschwindigkeit.
