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Der Regierungsratskandidat mit dem eigenen Weg

Sein Gesicht prangt auf hunderten von Wahlplakaten. Am 24. März will Thomas Vogel für die FDP in den Zürcher Regierungsrat gewählt werden. Wer ist der Privatmensch hinter dem erfahrenen Politiker aus Illnau-Effretikon.

Schloss Kyburg ist für Thomas Vogel ein Ort zum Abschalten in Zeiten der Hektik.

Seraina Boner

Der Regierungsratskandidat mit dem eigenen Weg

«Hier oben ist es einfach herrlich.» Thomas Vogel nimmt die Sonnenbrille ab und blickt in die Ferne. Dann zupft er sich sein schwarzes Jackett zurecht, das er mit weissem Hemd und beiger Hose kombiniert hat. Der Vollbart ist getrimmt, die Haare nach hinten gegelt. Andächtig schaut Vogel an den kolossalen Mauern von Schloss Kyburg hoch. Vogel ist historisch interessiert. Ein Interesse, das auch in seiner Mitgliedschaft in der Zunft zur Weggen zum Ausdruck kommt. Seit mehreren Jahren ist Vogel Zünfter der geschichtsträchtigen Zürcher Handwerksvereinigung der Bäcker und Müller.

Auch zur Kyburg hat der 47-Jährige einen speziellen Bezug. «Hier habe ich den schönsten Tag meines Lebens verbracht», sagt er. Denn im Schloss haben sich Thomas Vogel und seine Frau das Ja-Wort gegeben. Er kann sich noch gut erinnern: «Es war Hochsommer, saukalt und es hat ununterbrochen geregnet.» Zudem habe der Bus mit der Hochzeitsgesellschaft den falschen Weg genommen und sei zu spät zum Apéro vorgefahren.

Das war im August 2012. Mittlerweile sind die Vogels seit sieben Jahren verheiratet. Privat also alles im Lot. Politisch beziehungsweise beruflich bahnt sich hingegen eine markante Veränderung an: Am 24. März will Vogel den Sitz von FDP-Regierungsrat Thomas Heiniger verteidigen und in die Kantonalregierung einziehen.
 

«Ich habe es nicht geschafft, meine Frau restlos von den Schönheiten Effretikons zu überzeugen.»

Thomas Vogel

Ein Paar, zwei Domizile

Verankert ist Vogel, der seit 16 Jahren im Kantonsrat sitzt und dort seit elf Jahren die FDP-Fraktion präsidiert, nach wie vor in seiner Heimatgemeinde. Zusammen mit seiner Ehefrau ist er aber trotzdem nicht in nur in Illnau-Effretikon sesshaft geworden. Das Paar verfügt über zwei Domizile. Mal wohnen die Vogels in Effretikon, mal in Thalwil.

Ehefrau Caroline Boesch-Vogel stammt aus der Kilchberger Bootsbauerfamilie Boesch und ist am linken Zürichseeufer aufgewachsen. «Sie identifiziert sich stark mit dem See. Ich habe es nicht geschafft, sie restlos von den Schönheiten Effretikons zu überzeugen», sagt Vogel, der nach dem Jura-Studium an der Universität Zürich als Auditor auf dem Bezirksgericht Zürich arbeitete und dort seit 2001 Mitglied der Geschäftsleitung ist. Das etwas speziell anmutende Wohnmodell – mal da, mal dort, je nach Programm – habe sich so ergeben, sagt Vogel. Es sei zwar nicht unbedingt das günstigste, funktioniere aber gut.

Als seine politische Heimat erachte er aber nach wie vor den Ort, an dem er aufgewachsen ist. «In Illnau-Effretikon habe ich meine Homebase.» Dort gründete Vogel im Jahr 1991 mit seinem Jugendkumpel Peter Stiefel die Jungliberalen – auch als Reaktion darauf, dass es damals schwierig war, sich so jung der örtlichen FDP Gehör zu verschaffen. Das Politisieren unter Gleichaltrigen hat Vogel jedoch nie bereut.

Ein Wegschild als Gag

Rein namenstechnisch müsste Vogel eigentlich am Thomas-Vogel-Weg in Effretikon residieren. Seit über zehn Jahren trägt ein Kiesweg den Namen des Politikers. Er befindet sich im Quartier Rappenhalde unweit des Sportzentrums Eselriet, wo Vogel aufgewachsen ist.

«Dort bin ich als Kind im Winter immer den Hang hinuntergeschlittelt.» Das Schild dazu hatte er als Abschiedsgeschenk zum Ende seiner Amtszeit im Grossen Gemeinderat im Jahr 2008 erhalten. «Die Tafel war natürlich ein Gag», sagt Vogel. Mittlerweile ist der Thomas-Vogel-Weg als offizielle Wegbezeichnung anerkannt. «Meine Mutter fiel aus allen Wolken, als sie auf ihrem Hundespaziergang das Schild entdeckte», sagt Vogel schmunzelnd.

«Ich bin gerne in den Restaurants in der Umgebung unterwegs, wie man mir ja auch ansieht.»

Thomas Vogel

In Effretikon ist Vogel gerne in der Natur unterwegs. Den Örmis bezeichnet er als einer seiner Lieblingsorte. Er geniesse es aber genauso sehr, einfach mal in seiner Wohnung zu sein. «Und ja, ich bin gerne in den Restaurants in der Umgebung unterwegs, wie man mir ja auch ansieht», sagt Vogel und lacht. Zu einem Abendessen geniesse er gerne ein Glas schweren Rotwein. Am liebsten einen Rioja oder Amarone zusammen mit seiner Frau, Familie und Freunden. Vogel ist vierfacher Götti und engagiert sich seit Jahren im Stiftungsrat der Eleonorenstiftung, der Trägerin des Kinderspitals Zürich.

Jazz-Liebhaber, Formel-1-Fan

Wenn Thomas Vogel nicht gerade politisiert, pflegt er verschiedene Passionen. Er ist Jazz-Liebhaber. Am liebsten hört er den verstorbenen kanadischen Pianisten Oscar Peterson oder den Jamaikaner Monty Alexander. Er hat in der Jugend an der Musikschule Effretikon Klavierstunden besucht und sitzt heute gelegentlich am E-Piano, um vor allem Jazz-Standards zu spielen. 

Eine andere Leidenschaft ist die Formel 1. Ihn fasziniere das Tempo, die Beschleunigung, die Bremswirkung. Noch heute steht Vogel – seines Zeichens Hybrid-Fahrer und Vorstandsmitglied des Automobilclubs Schweiz – auch mal frühmorgens auf, um den Grossen Preis von Australien live mitzuverfolgen.

Könnte man auf die Neubesetzung des Regierungsrats wetten, stünde Vogels Quote gut. Prognosen bescheinigen ihm, dass er praktisch so gut wie gewählt sei. Der Kandidat winkt ab. Es sei es noch ein harter, weiter Weg. Der Terminkalender bis zum Wahltag ist dicht gefüllt.

Wahlfeier auf der Kyburg?

Umso wichtiger sei es, zwischendurch abzuschalten. Da kommt Illnau-Effretikon mit seiner Umgebung und der Kyburg wieder ins Spiel. Erst kürzlich lief Vogel mit seiner Frau von seiner Wohnung östlich des Bahnhofs Effretikon aus hoch zur Kyburg. «Zurück gings dann aber mit dem Bus», sagt er und setzt ein breites Grinsen auf.

«Die Kyburg ist historisch von grosser Bedeutung für den ganzen Kanton Zürich.»

Thomas Vogel

Schloss Kyburg dürfte in Vogels Leben weiterhin einen wichtigen Platz einnehmen. Er ist als Mitglied des Vereins Museum Schloss Kyburg. Dieser hat erst vor Kurzem eine neue Ausstellung im Schloss eröffnet. «Die Kyburg ist historisch von grosser Bedeutung für den ganzen Kanton Zürich», sagt Vogel. Wäre sie daher auch ein Ort um eine mögliche Wahlfeier oder später ein «Regierungsratsreisli» durchzuführen? Vogel schmunzelt. «Das wäre sicher nicht ausgeschlossen.»

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