In der ersten Morgenstunde bissen die Bagger-Zangen zu
Unter der Brücke leuchten die vielbeschäftigten Arbeiter in ihrer orangen Kleidung in die Nacht. Auf beiden Seiten der Brücke stehen zwei riesige Scheinwerfer, die in die Dunkelheit zünden und bis zum Waldrand das ganze Feld erhellen. Der Auspuffdeckel des Aggregats klappert vor sich hin, während die Bauleitung und Schaulustige auf der Kreuzung Wolfhaldenweg-Neugutweg darauf warten, dass es endlich losgeht.
Unter den Zuschauern befinden sich drei Väter, die ihre jungen Söhne für ein nächtliches Schauspiel auch mal länger wach bleiben lassen und ihnen die Funktionen der verschiedenen Baumaschinen und den ganzen Vorgang erklären. «Ich will auch mal Bagger fahren», meint ein Junge, der sogar einen Feldstecher um den Hals hängen hat.
Auf engstem Raum
Die in eine Fahrtrichtung für einen Teilabschnitt komplett gesperrte Autobahn wird bis auf den letzten Meter für Lastwägen, Bagger und weitere Schwermaschinen ausgenutzt. Bauarbeiter rufen sich in einer ruppigen Sprache gegenseitig Anweisungen zu. Die ganze Aktion läuft generalstabsmässig durchgeplant ab.
Wenn ein Bagger ins Rollen kommt, rennen ihm zwei Arbeiter nach, welche die Schutzunterlagen in kurzen Abständen verschoben unter die Raupen knallen, damit der noch frische Belag der A1 nicht zu Schaden kommt. Die vielen Autofahrer, die trotz später Stunde noch unterwegs sind, rollen pro Richtung auf einer verengten Spur neben der Baustelle vorbei und hupen regelmässig, obwohl inzwischen eine riesige Stauschlange entstanden ist, die sich um 00.30 Uhr bis fast ans Ende des Horizonts zieht.
Ein Rädchen greift ins nächste
Bevor die effektiven Arbeiten in Gange kommen, rollen drei LKW’s im Rückwärtsgang auf engstem Raum unter den einen Teil der Überführung zu und kippen haufenweise Kies auf die Fahrbahn, der mit dem Rücken der extra grossen Baggerschaufeln langsam und bedacht platt gewalzt wird. Ein kleines weisses und kompaktes Fahrzeug mit einer noch grösseren Schaufel, unterstützt sie dabei. Das Ding sieht aus wie ein «Marsmobil» und rollt holpernd und flink über den Kieshaufen, bis die Fläche gleichmässig eben ist.
Die Bagger verschieben sich und ihre grossen «Arme» situationsbedingt auf kleinstem Raum, wenn der nächste LKW mit einer zweiten Ladung Kies rückwärts an ihnen vorbeimanövriert und die Ladefläche kippt. Während die Kiesfläche grosszügig und flächendeckend fertig ausgebreitet wird, stellen Arbeiter den nötigen Abstand für die ganze Gerätschaft unterhalb der Brücke sicher und die Bagger tauschen ihre Schaufeln mit der Hilfe und unter Aufsicht von je vier Arbeitern, gegen überdimensional grosse Greifzangen aus.
Zwei Bagger gehen auf der linken Seite, einer auf der rechten Seite der Brücke in abgestimmten Abstand in Position und beissen um 00.50 Uhr zu. Als erstes muss das Geländer der Überführung daran glauben, das mit lauten Quietschgeräuschen grob von den Zangen ergriffen, weggerissen und in Einzelteilen auf den unterhalb liegenden Kiesschutz fallen gelassen wird. Dabei zittert die Erde bis auf den Hügel am Feldrand hinauf. Wenig später fallen dann ganze Brocken herunter. Wenn die Arbeiten wie in dieser Nacht planmässig verlaufen, kann die Überführung «Obere Wangenstrasse» gegen Ende des kommenden Septembers wieder vollständig befahren werden.
