«Endlich, endlich ein Treffpunkt zwischen Greifensee und Nänikon»
Ein junger Mann schlurfte am Freitagmorgen um das hell erleuchtete Café beim Bahnhof Nänikon-Greifensee und guckte neugierig durch die Fenster. Wäre der Mann ein Städter, würde er sich wohl fragen, wieso das Starbucks-Markenzeichen auf den Fenstern jetzt in Orange gehalten und mit «Gleis 1» beschriftet ist. Ein Einheimischer hätte sich dagegen zweifellos gefragt, wie von heute auf morgen Leben in die ehemalige SBB-Schalterhalle einkehren konnte.
«Beim Bahnhof gab es weit herum keine Verpflegungsmöglichkeiten. Das hat sich nun geändert.»
Monika Keller, Gemeindepräsidentin Greifensee (FDP)
Beim Betreten des beinahe vollen Cafés fallen die beiden zusammengeschobenen eckigen Tische mitten im Raum auf. Die acht Stühle ringsum waren bis auf zwei besetzt. Auf einem sass der Näniker Peter Badetscher. «Sowas hat in Nänikon gefehlt. Endlich, endlich ein Treffpunkt zwischen Greifensee und Nänikon.» Früher hätten sie in Nänikon das Restaurant Bahnhöfli gehabt, dann lange nichts mehr, sagte Badetscher. «Am Abend werde ich sicher auch zu einem Bier hier sein.»
Damit sich Badetscher und andere Gäste nun ein Feierabendbier, Getränk, Backwaren oder ein einfaches Mittagessen gönnen können, musste bis zum Vorabend des Eröffnungstags gearbeitet werden. Wie Mitgründerin Käthi Meisser sagte, hätten Handwerker zuletzt noch die Bodenleisten montieren müssen. Meisser durfte während den monatelangen Bauarbeiten auf viele Freiwillige zählen. Dass Mobiliar suchte sie sich während dieser Zeit aus allen Ecken zusammen: Tische stammten aus der einstigen Zuckerfabrik Bombasei, Stühle aus dem Restaurant Löwen und Regalbretter kommen von einer Treppe des Landenberghauses in Greifensee.
Bis auf ein paar Kleinigkeiten sind die Bauarbeiten Geschichte. Jetzt müssen sich Käthi Meisser und 15 weitere Mitarbeiter im Service und der Küche beweisen. Die meisten arbeiten nur in sehr kleinen Pensen, zwischen 15 und 30 Prozent, sagte Meisser. Zwei sind festangestellt. Während in der Küche eine gelernte Köchin am Werk ist, fehlt es dem Servicepersonal noch an Erfahrung. «Wir sind noch etwas langsam. Die Abläufe müssen noch routinierter werden», sagte Meisser. «Glücklicherweise sind wir aber nicht der Hektik des Zürcher Hauptbahnhofs verfallen.»
Begeisterte Bahnhofspaten
Gut gelaunt zeigte sich am Tisch auch die Ustermerin Anita Kupper, Kommunikationsleiterin beim Werkheim Uster. «Ich sitze hier schon seit eineinhalb Stunden und habe schon diverse neue Leute kennengelernt. Eben war noch der Pöstler hier und hat sich zu uns an den Tisch gesetzt.» Für Kupper ist das Café «ein grossartiger Treffpunkt». Auch die kulturellen Anlässe, die im «Gleis 1» regelmässig stattfinden, will die junge Frau regelmässig besuchen. Sie bedauert, dass das Café nicht auf ihrem Arbeitsweg liegt.
Begeistert waren auch die beiden SBB-Bahnhofspaten, die als Freiwillige den Zugpassagieren ihre Hilfe anbieten. Die beiden sind wegen ihrer Arbeit immer mal wieder am Bahnhof Nänikon-Greifensee anzutreffen. Eine der beiden ist Anita Schellenberg: «Ich finde es super, was im Café angeboten wird. Die kulturelle Angebote werden mich bestimmt hierherlocken.»
Besuch gab es auch von politischer Seite. Gemeindepräsidentin Monika Keller (FDP) war am Mittag mit ihrem Sohn dort. «Das Café ist sehr schön geworden und mein Gulasch hat sehr gut geschmeckt.» Im Vorfeld hatte Keller das «Gleis 1» als Bereicherung der Pendler geadelt. «Beim Bahnhof gab es weit herum keine Verpflegungsmöglichkeiten. Das hat sich nun geändert.»
«Das kommt schon gut mit unserem Service.»
Käthi Meisser, Mitinhaberin
Für Keller bleibt aber das Greifenseer Städtli das Zentrum der Gemeinde. Dort steht das Landenberghaus, das im Spätsommer eröffnet werden soll und ebenfalls kulturelle Veranstaltungen und Verpflegung anbietet. Als Konkurrenz zum Landenberghaus sieht Keller das «Gleis 1» nicht. «Das Landenberghaus ist grösser und weiter vom Bahnhof entfernt.»
Während des Morgens bekam Käthi Meisser immer wieder Gratulationen von Kunden zugesprochen. «Sogar am Take-Away-Schalter haben mir neun von zehn Leuten gratuliert.» Als einer Serviceangestellten Geschirr scheppernd zu Boden fiel, lächelte Meisser milde. «Das kommt schon gut mit unserem Service.»
