Zu viel Streusalz sorgt für Bitterkeit bei Baumfreunden
«Ich kenne niemanden, der es sinnvoll findet, Blumen mit Salz zu wässern», sagt Hans Stopper nachdrücklich. Genau das tue aber die Stadt bei ihren Bäumen, wenn auch nicht mit Absicht. Stopper zeigt in der Gerichtsstrasse in Uster auf die Eisengitter, die das Erdreich rund um die Bäume abdecken. «Die deutlichen Rostspuren zeigen die übermässige Menge Streusalz, die hier eingesetzt werden.» Stopper hat sich in der Vergangenheit als Ustermer Gemeinderat (LdU) immer wieder für die Natur stark gemacht und tut dies auch heute. Die Stadt tue zu wenig: «Keiner ist zuständig für die Bäume oder anders gesagt, keiner hat ein Herz für Bäume», sagt Stopper.
«Betonsärge»
In Uster gibt es verschiedene Variationen, wie die Bäume in die Asphalt eingebaut sind: Eisengitter über dem Erdreich, Kies mit Bewässerungsleitungen oder Betonplatten. Letzteres bezeichnet der Ustermer Hans Stopper als «Betonsärge». Das sei ein schlechtes Beispiel für den Umgang mit den Stadtbäumen.
«Die Abdeckungen in der Webernstrasse werden bewusst in der rostroten Ausfertigung bestellt und eingebaut.»
Marco Saxer, Leiter Strasseninspektorat Uster
Die Eisengitter über dem Erdreich und der Eisenkranz um den Baumstamm seien hingegen ein guter Schutz für den Baum, sagt Stopper. Allerdings würden gerade die Rostspuren auf den Eisengitter in der Gerichts-, der Webern- und der Poststrasse verraten, dass hier zu viel Streusalz eingesetzt werde.
Dem widerspricht Marco Saxer, Leiter Strasseninspektorat der Stadt: «Der Rost auf den Gittern kommt vor allem von normalen Verwitterungs- und Korrosionsvorgängen in Kombination von Wasser und Luft. Ausserdem wurden die Abdeckungen in der Webernstrasse bewusst in der rostroten Ausfertigung bestellt und eingebaut.» Auffälligste sichtbare Schäden des Salzeinsatzes seien braune Blattränder und Blattnekrosen (abgestorbene Teile des Blattgewebes). «Diese Verfärbungen sind jedoch erst im Frühling und Sommer erkennbar», so Saxer.
«Wenn einem das Wohlergehen der Bäume nicht wichtig ist, soll man sie lieber erst gar nicht pflanzen»
Hans Stopper, ehemaliger Ustermer Gemeinderat (LdU)
Bei der Verwendung des Streusalzes befolge die Stadt den Grundsatz: «So viel wie nötig, so wenig wie möglich.» Bei einem Salzeinsatz werde im Schnitt zwischen rund 10 bis 15 Gramm pro Quadratmeter Salz gestreut. Dies entspricht etwa eineinhalb Teelöffeln pro Quadratmeter. Die Menge variiere je nach den vorherrschenden Wetterverhältnissen, so seien die Temperaturen, die Eisbildung und die Intensität des Niederschlags ausschlaggebend. Zudem würden die Mitarbeiter angehalten, laufend auf die Streubreite zu achten, damit nicht in die Baumgruben oder Grünflächen gestreut werde.
Split statt Salz
Dies fordert auch Stopper: «Die städtischen Bäume haben schon wenig Platz und schlechte Luft, es müssen ihnen nicht noch im Winter mit Salz die Füsse verbrannt werden.» Würde dort Splitt gestreut, wäre die Sicherheit auf Schnee und Eis ebenso gewährleistet und die Natur würde geschont werden, so Stopper.
Marco Saxer nennt mehrere Gründe, die gegen den Einsatz von Splitt sprechen. Bei der Verkehrssicherheit schneide der Einsatz von Auftausalz besser ab, da durch den Splitt die Eisglätte nicht beseitigt werde. «Für die gleiche Wirkung muss viel mehr Splitt als Salz gestreut werden.» Bei Schnee sinke der Splitt sehr schnell ein und man müsse häufig nachstreuen, da der Splitt auch durch den Schneepflug oder die Verkehrsteilnehmer weggeschoben werde. «Zudem ist bei den Fahrradfahrern der Splitt nicht beliebt, weil die Rutschgefahr des liegengebliebenen Splitts auf dem Asphalt gross ist und die Bevölkerung einwandfreie Verkehrsflächen erwartet», sagt Saxer.
Ausserdem seien die Arbeiten teuer. Nach der Wintersaison müsse der ausgebrachte Splitt von Strassen und Trottoirs maschinell und von Hand zusammengekehrt werden. Zusätzlich müssen Arbeiter den Splitt aufwändig mit einem Kanalsaugfahrzeug aus den Strassenentwässerungsschächten absaugen, damit eine einwandfreie Entwässerung sichergestellt werden könne. «Das abgesaugte Material ist mit Schwermetallen und Gummiabrieb verschmutzt und muss teuer in einer dafür vorgesehenen Deponie entsorgt oder im Recyclingverfahren aufbereitet werden», so Saxer.
Splitt nur bei entsprechendem Wetter
Dass sich das eingesetzte Salz nicht nur positiv auf die Umwelt auswirke sei bekannt. Jedoch müsse die gesamte Ökobilanz betrachtet werden. «Uster setzt ausserhalb des Zentrums auf Gehwegen und Treppenanlagen dann Splitt ein, wenn es die klimatischen Bedingungen zulassen und die Wetterverhältnisse auf einen längeren Zeitraum winterlich konstant sind.» Dieses Wetter sei in Uster jedoch fast nie anzutreffen.
Wenn es nach Hans Stopper geht, müssten die Bäume mehr Platz bekommen. Sechs Quadratmeter werde den Bäumen in Uster maximal zugestanden, das ist nicht schlecht. Leider seien es oft weniger. Gut wäre zudem ein kleiner Holzzaun, wie es schon andere Städte haben, um den Bäumen einen eigenen, nicht begehbaren Platz zu geben. «Wenn einem das Wohlergehen der Bäume nicht wichtig ist, soll man sie lieber erst gar nicht pflanzen», so Stopper.
