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Politik

Mit dem Porter House soll es endlich aufwärts gehen

Die Anfangsjahre des Pubs «The Porter House» waren harzig. Mit einer neuen Geschäftsführerin und einer Konzeptänderung erhofften sich die Eigentümer Besserung. Nun scheinen die Massnahmen erste Früchte zu tragen.

Alexandra Bauert ist seit November die neue Geschäftsführerin im Ustermer Pub The Porter House., Das Lokal ist seit Frühling 2016 der Gastro-Platzhirsch am Ustermer Bahnhof.

Christian Merz

Mit dem Porter House soll es endlich aufwärts gehen

Im «Porter House» ist alles so wie immer. Zu diesem Schluss muss kommen, wer sich an diesem Feierabend unter der Woche im Lokal gleich beim Ustermer Bahnhof umhört. «Man kann hier rauchen und das Bier schmeckt so, wie Bier eben schmeckt», sagen zwei Männer im rauchgeschwängerten Eingangsbereich. Und im Nichtraucherbereich vernimmt man von einem Gast jene Klage, die das «Porter» seit der Eröffnung immer wieder begleitet: «Wenn gerade nicht Happy Hour ist, ist es zu teuer hier. Die Preise sind auf Stadtzürcher Niveau.»

Es war nicht nur die Preispolitik, die in den letzten Jahren im Zusammenhang mit dem «Porter House» zu reden gab. Bemängelt wurden auch der Service und die Qualität des Essens. Zwar gab es nicht nur kritische Stimmen, aber immer wieder stachen auf den einschlägigen Internet-Portalen wenig schmeichelhafte Bewertungen ins Auge: «Essen schlecht, Preise frech» oder «Mitarbeiter unbrauchbar» lauteten die teils vernichtenden Urteile.

Nun aber soll alles anders sein: Seit November hat das Lokal mit Alexandra Bauert eine neue Geschäftsführerin. «Lexy», wie der Porter House-Mitinhaber und Leiter Gastronomie Andreas Gröbli seine neue leitende Angestellte nennt, habe «frischen Wind und viel Energie» gebracht und im Lokal «alte Strukturen aufgebrochen.»

Direkt von der Hotelfachschule

Die neue starke Frau im einzigen klassischen Ustermer Pub ist 23 Jahre alt und kommt direkt von der Hotelfachschule Belvoir Park in Zürich. Für die «Porter House»-Verantwortlichen, die auch das «Pirates» in Hinwil führen, hat sie schon bei mehreren Grossanlässen gearbeitet, zum Beispiel beim «Rock the Ring». Reicht dieser Hintergrund, um auf einem heissen Pflaster wie dem Porter House zu bestehen?

«Ich bin jemand, der sich selbst ambitionierte Ziele setzt», sagt Bauert und klingt dabei nicht wie eine Zweiflerin. Und: Ihre Vorgesetzten hätten ihr bei der Einstellung reinen Wein eingeschenkt. «Ich wusste, dass die Zeit nach dem Start des Porter House im Frühling 2016 etwas holprig war», sagt sie.

Zwar könne sie über die ersten «Porter»-Jahre kaum etwas Fundiertes sagen, da sie damals lediglich sporadisch als Gast, nicht aber als Angestellte zugegen gewesen sei. Es sei im Rückblick aber offensichtlich, dass das Konzept nicht ganz aufgegangen sei: «Man wollte teures Dry-Aged-Fleisch verkaufen, aber das Personal war zu wenig geschult, um dazu die richtige Flasche Wein zu empfehlen.»

«Mittlerweile bezahlt man im Porter House für eine Stange ungefähr gleich viel wie im Pirates.»

Andreas Gröbli, Leiter Gastronomie und Mitinhaber The Porter House

Diese Einschätzung teilt Mitinhaber Gröbli. Obschon er nicht alle kritischen Rezensionen als fair empfand, zeigt er sich auch in anderen Punkten selbstkritisch. So räumt er ein, dass der Service nicht immer aufmerksam gewesen sei. Und die Preispolitik habe man inzwischen revidiert – auch wenn dies offensichtlich noch nicht alle registriert hätten.

Der «Event-Zuschlag», der bei Auftritten von Bands jeweils erhoben wurde, sei schon wenige Monate nach seiner Einführung wieder abgeschafft worden, und auch die Getränkepreise habe man zum Teil angepasst. «Heute bezahlt man im Porter House für eine Stange ungefähr gleich viel wie im Pirates», sagt Gröbli.  

«Banker und Bauarbeiter»

Bauert, die dritte Geschäftsführerin seit der Eröffnung, hat nun in Absprache mit den Eigentümern weitere Änderungen vorgenommen: Vom noblen Dry-Aged-Konzept hat man sich verabschiedet, das Porter House soll nun in erster Linie Pub sein. Damit verbunden sei die Absicht, stärker das Lokal der Ustermer und der Zürcher Oberländer zu sein. «Stadtzürcher Flair» will das Porter House anders als früher nicht mehr ausstrahlen.

«Wir wollen den Gästen auch einmal einen Shot offerieren.»

Alexandra Bauert, Geschäftsführerin The Porter House

Auch eine Mittagskarte gibt es wieder – nachdem man die Küche während der Lunch-Zeit zwischenzeitlich geschlossen hatte. «Fish’n’Chips» und Hamburger kosten zwei Franken weniger als in den Monaten nach der Eröffnung.

Und dann sind da die vermeintlich kleinen Neuerungen im Tagesgeschäft, die laut Bauert aber grosse Auswirkungen haben könnten: «Die Tische sind gedeckt, der Gast muss sich nicht mehr aus Körben mit Besteck bedienen.» Und, für Bauert fast das Wichtigste: «Wir wollen uns mehr Zeit für die Gäste nehmen, sie begrüssen, verabschieden, auf Feedbacks eingehen und auch einmal einen Shot offerieren.» Andreas Gröbli spricht in diesem Zusammenhang von einem «People-to-People-Business», Bauert drückt es etwas profaner aus: «Der Gast, egal ob Banker oder Bauarbeiter, soll sich wohlfühlen.»

Keine «Verrisse» mehr

Glaubt man Andreas Gröbli, ist dieser Plan bereits voll aufgegangen: «Das Feedback ist inzwischen sehr gut, wir sind zu einem Magneten geworden», sagt er. Derart euphorische Voten eines Befangenen mögen mit Vorsicht zu geniessen sein. Ein Blick ins Netz bestätigt Gröblis Aussage aber im Ansatz: Die letzte Negativrezension auf Google liegt sechs Monate zurück; auf Tripadvisor wurde das Porter House zuletzt im Mai 2018 verrissen. Jüngst ist der Tonfall auf den Internet-Portalen spürbar wohlwollender geworden, weshalb sich Gröbli gar zur Aussage genötigt sieht: «Wir haben niemanden gekauft.»

«Uster hätte in gastronomischer Hinsicht mehr Potenzial.»

Alexandra Bauert

Auch Alexandra Bauert ist zufrieden – mit den Gäste-Feedbacks und ihrer neuen Rolle: «Die Tage sind lang, aber ich fühle mich freier als an der Hotelfachschule.» Der Wechsel von Zürich nach Uster hat bei ihr aber auch eine Erkenntnis zutage gefördert, die man so ähnlich schon einmal gehört hat: «Uster hätte in gastronomischer Hinsicht mehr Potenzial, die Stadt schläft diesbezüglich doch ziemlich», sagt sie. Vielleicht ist es also auch einfach der Ustermer Alltagstrott, der bei den an diesem Abend anwesenden «Porter House»-Gästen das Gefühl aufkommen lässt, dass alles so ist wie immer.   

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