Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Politik

«Geben Sie Gas und durchbrechen Sie die Schranke»

Bei einem Bahnübergang in Uster ist am Mittwoch ein Auto vom Zug erfasst worden. Und in Wetzikon hat sich kürzlich eine ähnliche Kollision ereignet. Die Kantonspolizei erklärt, wie man sich in einer solchen Extremsituation verhalten soll.

Der Unfall in Uster vom Mittwochabend., Dieser Unfal ereignete sich am Montagabend in Wetzikon., Beim Unfall in Uster wurde der Fahrer dieses Autos verletzt.

PD

«Geben Sie Gas und durchbrechen Sie die Schranke»

Es waren dramatische Szenen, die sich am Mittwoch am Bahnübergang beim Bahnhof Uster ereignet haben: Ein Auto steht zwischen den geschlossenen Barrieren. Die Fahrerin verlässt das Fahrzeug und begibt sich in Sicherheit. Ein Mann kommt hinzu und versucht das Auto vor dem herannahenden Zug wegzufahren, doch die Aktion geht schief und das Fahrzeug wird vom Zug erfasst und gegen die Bahnschrankvorrichtung gedrückt. Der Mann wird dabei leicht verletzt. Dies zeigt ein Video, das am Mittwoch viral ging.
 

Wie soll man sich verhalten? Tipps der Kantonspolizei Zürich

So sollten sich Lenker verhalten, wenn sie auf einem Bahnübergang zwischen den Schranken eingesperrt werden: «Geben Sie Gas und durchbrechen Sie die Schranke», rät die Kantonspolizei Zürich. Die Schranken hätten eine Sollbruchstelle und seien so konstruiert, dass sie auch mit einem Kleinwagen durchbrochen werden können.

Falls ein Autofahrer hingegen auf einem Bahnübergang eine Panne habe und das Fahrzeug nicht mehr bewegen könne, gelte es, dieses umgehend zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Dann sei die Notrufnummer 117 zu wählen.

Ausserdem ruft die Polizei den Autofahrern die Regeln beim Überqueren des Bahnübergangs in Erinnerung: «Nähern Sie sich dem Bahnübergang langsam und sind Sie bremsbereit.» Vorausfahrende Fahrzeuge dürften auf keinen Fall überholt werden. Wenn Stau herrsche, müsse vor dem Bahnübergang angehalten werden. Losfahren könne man erst, wenn der Bahnübergang komplett überquert werden kann. Die Blinksignale an Bahnübergängen seien wie eine Ampel, bei Rot müsse angehalten werden.

Der Zusammenstoss ereignete sich, obwohl der Lokführer eine Notbremsung eingeleitet hatte, wie SBB-Mediensprecherin Franziska Frey angibt. «Die S-Bahn konnte aber wegen dem langen Bremsweg nicht rechtzeitig anhalten.»

«Dass so etwas passieren wird, war absehbar», sagt ein Tag nach dem Unfall eine Passantin beim Bahnhof Uster. Sie gibt zu bedenken, dass viele Autofahrer das Klingeln und die sich schliessenden Barrieren ignorierten und trotzdem zufahren würden. Doch auch die Risikobereitschaft der Fussgänger sei gross. Viele Passanten würden im letzten Moment noch über die Geleise rennen.

«Schuld sind die Autofahrer»

Eine weitere Fussgängerin nimmt ebenfalls die PW-Lenker in die Pflicht: Das Problem sei, dass die Autofahrer bei Stau nicht vor der Bahnschranke warteten, sondern bis auf die Geleise aufschliessen würden.

Kantonspolizei-Mediensprecher Florian Frei sagt, dass Zwischenfälle an dieser Bahnschranke selten seien: «Am entsprechenden Bahnübergang kam es in den letzten fünf Jahren zu drei Unfällen. Dabei war bei keinem ein Zug involviert. Es kam lediglich zu Kollisionen mit der Schrankenanlage», sagt Frei. Zum Unfallhergang kann er nichts Neues sagen, der Vorfall sei Gegenstand der laufenden Ermittlung.

Kein Hot Spot

Ralph Marthy, Chef Sicherheits- und Verkehrspolizei der Stadtpolizei Uster, bestätigt diese Aussage. «Dieser Bahnübergang ist bezüglich Unfallzahlen alles andere als ein Hot Spot.» Zwar beschäftigten die Kreuzungen von Bahngeleisen und Strassen in Uster die Stadtpolizei regelmässig, das aber nicht vordergründig wegen Zwischenfällen, «sondern allein schon aufgrund der Vielzahl an Übergängen», wie Marthy sagt. «Wir werden von Anwohnern und Passanten häufig auf das Fehlverhalten von Auto- und Velofahrern hingewiesen.» Würden an einer Bahnschranke wiederholt gefährliche Aktionen von Verkehrsteilnehmern registriert, führe die Stadtpolizei gezielte Kontrollen durch.

Stadtschreiber Daniel Stein ist «nicht besonders überrascht», dass es zu dem Unfall gekommen ist. «Diese Verkehrsachse ist stark belastet, und ich stelle immer wieder fest, wie sich Auto- und Velofahrer, aber auch Passanten risikoreich verhalten», sagt er. Dennoch: Der Unfall sei ein Einzelereignis und werde deshalb keine unmittelbare Handlung vonseiten der Stadt nach sich ziehen. «Im Rahmen des Projekts Stadtraum 2035 wird der Stadtrat die Bahnhof- und Brunnenstrasse und damit auch den Bahnübergang mittelfristig aber sicher einer genauen Betrachtung unterziehen», sagt Stein. Denn der Verkehr in diesem Bereich werde noch zunehmen. Und damit steige nicht nur der Druck auf das Stadtzentrum, es erhöhe sich auch das Risiko für Zwischenfälle.»

Wetzikon mit ähnlichem Szenario

Auch in Wetzikon ist es am Montagabend zu einer Kollision zwischen einem Auto und einem Zug gekommen. Laut Kantonspolizei touchierte bei winterlichen Verhältnissen ein Kleinwagen einen Pfosten und rutschte danach auf den Bahnübergang. Der Fahrer konnte das Auto verlassen, bevor die S-Bahn mit dem Fahrzeug zusammenstiess und es 300 Meter weit mitschleifte.

Auch zu diesem Vorfall konnte die Kantonspolizei Zürich am Donnerstag keine neuen Angaben machen. Nur so viel: 2015 habe es einen ähnlichen Vorfall an derselben Stelle gegeben, so Mediensprecher Frei. Sonst seien von dort keine Vorfälle bekannt.

Held oder «Vollidiot»?

Für heftige Diskussionen auf Facebook sorgt vor allem der Helfer, der das Auto von den Geleisen zu manövrieren versuchte. Er stieg ins Auto, als eine Dame das Gefährt auf dem Bahnübergang stehen liess. Schliesslich wurde er, noch immer im Auto sitzend, vom Zug erfasst, aber nur leicht verletzt. In den Kommentarspalten wird er gleichwohl als Held gefeiert, wie auch als «Vollidiot» tituliert. «Dass er überhaupt noch ins Auto einstieg, ist birreweich. Er kann froh sein, dass er noch lebt», schreibt ein User.

Andere zeigen mehr Verständnis oder gar Bewunderung für das Handeln des Mannes: «Der Arme, er meinte es gut, brachte sich dabei aber selber in Lebensgefahr», schreibt eine Nutzerin. «Schön von diesem Herrn, der zu helfen versuchte und dafür leider einen Crash als Quittung entgegen nehmen musste», so eine andere Stimme.

Auch über das richtige Verhalten in dieser Situation wird auf Facebook sinniert. Der Grundtenor: Sowohl der Helfer als auch die Fahrerin hätten die Bahnschranke durchbrechen, oder das Auto stehen lassen sollen. Auch die Kapo empfiehlt, sich so zu verhalten (siehe Box). «Der Mann hatte über tausend Schutzengel», schreibt eine Nutzerin über die Kollision.

Nicht zuletzt wird auch an der Person, die den Unfall filmte, Kritik laut: «Filmen anstatt zu helfen. Da sieht man, wie die Menschheit tickt.» Andere erwidern, die betreffende Person hätte gar nicht helfen können.

Auch Forderungen nach einer Unterführung für Autos und Fussgänger werden auf Facebook laut. Ein Nutzer fragt: «Wann lernt Uster, etwas für die Sicherheit im Strassenverkehr zu tun?»

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns