Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Politik

Spuren des Zürichkrieges in den Landenberghaus-Mauern

Die Sanierung des Landenberghauses und des Pfarrhauses in Greifensee bringt Überraschendes zu Tage: Nebst historischen Wandmalereien kann nun auch das Alter der Stadtmauer genau datiert werden.

Das Landenberghaus und das angrenzenden Pfarrhaus (rechts im Bild) werden saniert und umgebaut., Die Aussenwände bleiben weitgehend in ihrer ursprünglichen Bausubstanz erhalten.

David Marti

Spuren des Zürichkrieges in den Landenberghaus-Mauern

Seit knapp einem Jahr wird die beschauliche Ruhe, die die Landenberg- und Pfarrhausgemäuer ausstrahlen, durch Bauarbeiten erschüttert. Alte, teilweise verrottete Holzbalken im Erdgeschoss zeugen von der Geschichte der beiden historischen Gebäude und bergen neue Erkenntnisse zur Vergangenheit der Gemeinde (siehe Box).

Die kantonale Denkmalpflege liess diese Balken hier lagern. Markus Pfanner, Mediensprecher der Baudirektion sagt, dass es sich um Schwellen oder Stürze von Durchgängen handle. Die Stücke würden dendrochronologisch untersucht. Das heisst: Bei diesen Untersuchungen wird das Schlagjahr des Baumes eruiert. «Früher wurden Hölzer grün verbaut, also unmittelbar nach dem Fällen. Solche Hölzer geben uns Hinweise auf die Baujahre.» Bei den Greifenseer Einzelstücken ist die Aussagekraft jedoch deutlich geringer, denn für eine Schwelle oder einen Sturz wurde oft kein neuer Baum gefällt, sondern ältere Holzstücke wiederverwendet, so Pfanner. «Ein Holzstück war in der Stadtmauer eingemauert. Dieses ist besonders interessant, denn wir haben nun erstmals die Möglichkeit, die Stadtmauer genau zu datieren.» 

Denkmal- oder Brandschutz

Herbert Hubmann ist Leiter Liegenschaften der Gemeinde Greifensee. Das Umbau- und Sanierungsprojekt läuft weitgehend über ihn. «Eine grosse Schwierigkeit bei der Überbauung ist es, beim ehemaligen Pfarrhaus die Auflagen der Feuerpolizei und der Denkmalpflege unter einen Hut zu bekommen», sagt Hubmann. Der Denkmalpflege wäre es am liebsten gewesen, dass am Gebäude nur eine Pinselrenovation gemacht wird, doch die Feuerpolizei machte Auflagen nach den neuesten Sicherheitsvorkehrungen. Ein Kompromiss zwischen den Beteiligen ist nötig.

Pfarrhaus wird zu Kulturhaus                                  

Wenn der Umbau vollendet ist, werden das Landenberghaus und das Pfarrhaus im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss miteinander verbunden sein. Im zweiten Obergeschoss des Pfarrhauses bleiben die Gemäuer der ehemaligen Pfarrwohnung weitgehend bestehen und es entsteht eine separate Wohnung – abgekoppelt vom Rest des Gebäudekomplexes –  mit separatem Treppenzugang. Die Gebäudebezeichnung Pfarrhaus verschwindet und die beiden Häuser heissen neu «Kulturhaus Landenberg» (KuL).

«Früher stand anstelle des Landenberghauses die Schlossschür», sagt Hubmann. «Diese brannte im Jahr 1943 komplett nieder. Beim Brand sind nur die Aussenmauern stehen geblieben.» Nach dem Brand seien beim Bau des Landenberghaus verkohlte Holzbalken in den Mauern belassen worden. Diese kamen im  Zuge der Bauarbeiten überraschend wieder zum Vorschein, so Hubmann.

Korsett für die Aussenmauern

Die Ungewissheit, was sich hinter den Wänden versteckt, mache auch die Planung schwierig. So habe man erst während der Bauarbeiten den schlechten Zustand der dem See zugewandten Aussenmauer entdeckt. «Damit diese nicht einstürzt haben wir ihr beinahe schon ein Korsett anlegen müssen.» Alte Pläne seien keine vorhanden. «Früher hat man kaum Pläne gezeichnet, sondern einfach nur gebaut.»

Überraschungen gab es auch an anderer Stelle, zum Beispiel im Obergeschoss des Pfarrhauses. Ursprünglich habe man dort die Decke mit Dämmmaterial verkleiden wollen, weil darüber ein schönes Parkett lag, sagt Hubmann. «Deshalb rissen die Bauarbeiter die Decke unter dem Parkettboden auf – hervor kam eine Holzdecke mit Blumenmalereien.» Deshalb habe man zusammen mit der Denkmalpflege entschieden, diese Decke sichtbar zu lassen.

Die Feuerwiderstand- und Trittschalldämmung wird stattdessen unter den Parkettboden verlegt, den ein Schreiner Stück für Stück ausbaute. Dieser Parkettboden liegt jetzt bis zu seinem Wiedereinbau fein säuberlich nummeriert auf dem Estrich. «Ein neuer Boden einzubauen, wäre natürlich viel günstiger gewesen», sagt Hubmann.

Barock und Wappenfries

Markus Pfanner erklärt den Entscheid so: «Die Barockdecke mit Rankenmalereien aus dem Jahr 1681 hat einen höheren künstlerischen und kunst- und kulturgeschichtlichen Wert als der Parkettboden aus dem frühen 20. Jahrhundert, der im Geschoss darüber liegt.» So blieben beide schützenswerten Bauteile erhalten und die Barockdecke werde nach mehr als 200 Jahren wieder sichtbar gemacht.

Für die Denkmalpflege sind auch die Wandmalereien im Treppenkorridor zur Wohnung interessant. Die gemalten Wappen, der sogenannte Wappenfries, wurden vom Amt umfassend dokumentiert. «Der Fries zeigt die Wappen der Landvögte von Greifensee. Er deutet darauf hin, dass der Raum – er gehörte zu einem im Jahr 1624 abgebrochenen Wohnhaus – einst einen hohen repräsentativen Charakter aufgewiesen hatte», sagt Pfanner.

Fels im Keller

Dass es sich dereinst um ein Kulturhaus handeln wird, ist schon jetzt zu erkennen. Ein brüchiger Durchstich vom ehemaligen Pfarrhaus zum Landberghaus gibt den Blick auf einen grossen Raum frei.
«Hier entsteht der Saal des Kulturhauses mit Galerie und Bühne», sagt Hubmann. Die Bühnen-Dimension ist schon mit Absätzen im Betonboden erkennbar. Die Bühne soll bei Bedarf auf die Höhe des Saalbodens abgelassen werden können. Darüber, unter dem mächtigen Holzdach, ist die Galerie zu erkennen. Die soll einst von vier Seiten einen Blick auf den Saal bieten.

Um zusätzlichen Platz für Lagerräume und die Haustechnik zu schaffen, hat man die gesamte Gebäudegrundfläche zu einem Untergeschoss ausgebaut. Um zwei Drittel sei die Kellerfläche vergrössert worden. Doch dieser Ausbau war steinig: Bei den Arbeiten ist man auf Fels gestossen. «Sprengen konnten wir wegen der alten Gemäuer nicht. Der Fels musste mit einem Bagger weggespitzt und abgetragen werden», sagt Hubmann.

Die aufwändigen Arbeiten im Keller und die vielen überraschenden Funde in der alten Bausubstanz  haben den Zeitplan durcheinander gebracht. «Zeitlich sind wir rund einen bis eineinhalb Monate im Verzug», sagt Hubmann.

Der Weg zum Umbau

Damit das Gebäude den heutigen Bedürfnissen entsprechen, müssen zwingend die Infrastruktur, die Sicherheit als auch die Wirtschaftlichkeit des Gebäudes verbessert werden, hiess es 2016 in einem Schreiben der Gemeinde. Nachdem die Greifenseer Stimmbürger dem Projekt im Februar 2017 knapp mit 51.25 Prozent zustimmten und ein Rekurs zurückgezogen wurde, konnte im Februar 2018 der Umbau und die Sanierung des Landenberghauses und des angrenzenden Pfarrhauses begonnen werden. Das Bauprojekt kostet rund 12,7 Millionen Franken. In Betrieb genommen werden soll der Bau im Spätsommer dieses Jahres.

 

Geschichte Pfarrhaus

  • Frühes 13. Jahrhundert: Kurz nach dem Bau der Stadtmauer wurde das Pfarrhaus an diese Mauer angebaut.
     
  • 1444: Während des alten Zürichkrieges brannte das Pfarrhaus vollständig aus. Im Keller sind noch heute auf den Innenseiten der Wände Brandrötungen und einzelne, durch die Hitze zersprungene Steine sichtbar.
     
  • 1451: Untersuchungen des Baumaterials aus Holz zeigen, dass in diesem Jahr ein Wiederaufbau des Pfarrhauses erfolgte. Der Grundriss veränderte sich nicht, jedoch wurde das Pfarrhaus etwas höher und erhielt wohl ein Satteldach.
     
  • 1681: Der Ausbau zum heutigen Pfarrhaus: Das Gebäude wurde städtliseitig erweitert, aufgestockt und mit einem neuen, imposanten Dachstuhl versehen. Das Pfarrhaus erhielt das heutige Aussehen: Aus dieser Zeit stammen die barocken Grisaillemalereien, die von der Denkmalpflege entdeckt wurden.
     
  • 1810: Ein weiterer Umbau: Das Pfarrhaus erhielt den heutigen Innenausbau.
     

Geschichte Landenberghaus

  • Um 1250: Ursprünglich beherbergte das Landenberghaus wahrscheinlich einmal ein Palas, also den Wohntrakt der Edelleute, bevor das Schloss von einem Wehr- zu einem Wohnturm ausgebaut wurde. Davon zeugen heute noch die romanischen Bogenfenster, die vor 1250 erbaut wurden.
     
  • Bis 1960er Jahre: Infolge der Verlegung des Wohnens ins Schloss wurde die Mauer zum Städtli erneut, erweitert und das Landenberghaus zur Schlossscheune.
     
  • 1970 wurde das Gebäude umgebaut und als Gemeindezentrum genutzt.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns