Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Politik

Wenn Bauern die Wiesen zu oft mähen, verhungern die Vögel

Der ornithologische Verein Weisslingen feiert seinen 75. Geburtstag. Seinem Ziel, die Vogelwelt zu schützen, ist der Verein über die Jahre ein Stück näher gekommen – doch ein Probleme hält sich hartnäckig.

In der neuen Regenbogenhalle in Kollbrunn feierte der ornithologische Verein Weisslingen sein 75-Jahre-Jubiläum., In den vom Verein aufgestellten Nistkästen wurden Kameras augestellt, um die Vögel zu beobachten. Hier ein Falke., Verschiedene Maisenarten haben sich in den Kästen eingenistet und ihren Nachwuchs aufgezogen.

Website OV Weisslingen

Wenn Bauern die Wiesen zu oft mähen, verhungern die Vögel

«Als man vor 20 Jahren mit dem Auto durch die Gegend fuhr, musste man im Anschluss unzählige Mücken, Fliegen und Libellen von der Frontscheibe kratzen», sagt Gustav Heller, Präsident des ornithologischen Vereins Weisslingen. Heute sei das kaum noch der Fall, weil es immer weniger Insekten gebe. Den Vögeln fehle damit ihre Nahrungsgrundlage. Das sei aktuell das grösste Problem für die Vögel in der Schweiz.

«Ohne Insekten gibt es auch keine Vögel», sagt Heller. Der ornithologische Verein Weisslingen beschäftigt sich deshalb schon lange mit den Ursachen für das Insektensterben. Genauer gesagt seit einem Dreivierteljahrhundert. Am letzten Wochenende feierten die Vogelkundler aus Weisslingen ihr 75-Jahre-Jubiläum.

Aufschlussreiche Protokolle
Die Tätigkeiten des Vereins sind gut dokumentiert. Aus einem Protokoll aus den 1950er-Jahren erfuhr Heller beispielsweise, dass in Weisslingen dazumal eine grosse Maikäferplage herrschte.  «Deshalb begannen die Behörden Chemikalien zu spritzen um die Käfer zu bekämpfen», sagt Heller. Die Maikäferplage war damit zwar beseitigt, dafür hatten die Vögel nichts mehr zu essen. «Das Zusammenspiel von Mensch und Natur ist kompliziert.»

«Ohne Insekten gibt es auch keine Vögel.»

Gustav Heller, Präsident des ornithologischen Vereins Weisslingen

Früher, als es in der Umgebung von Weisslingen noch deutlich mehr Bauern gab, seien die Wiesen sechs bis sieben Mal im Jahr geschnitten worden, was der Insektenpopulation im hohen Gras stark zusetzte. «Seit es aber nur noch zwei, drei Bauern hat, hat sich die Situation entspannt, weil sie nicht mehr dazu kommen jedes Feld mehrmals im Jahr zu mähen», sagt Heller. Einige Felder an steilen Hängen würden nun nur noch einmal jeweils im Juni oder im Juli geschnitten. So könne sich der Insektenbestand erholen, was schlussendlich auch den Vögeln zu gute komme.

Gründung im Zweiten Weltkrieg
Entstanden ist der ornithologische Verein Weisslingen 1944 während einer äusserst schwierigen Zeit. «Der Zweite Weltkrieg ging langsam zu Ende und das Essen wurde knapp», sagt Heller. Dass man ausgerechnet zu dem Zeitpunkt einen ornithologischen Verein gründete, erstaunt ihn noch heute.

«Das waren gute Leute, die bereits sehr früh ein Bewusstsein für die Umwelt und die Lebewesen darin entwickelten.» In den 70er-Jahren wandelten die Vereinsmitglieder beispielsweise eine stillgelegte Kiesgrube in Lendikon in ein Naturreservat um. Zudem begannen sie Nistkästen zu bauen – bis heute hat der Verein rund 400 solcher Kästen für Meisen, Spatzen und Käuze in der Umgebung aufgestellt.

«Vor drei Jahren haben wir auch einige Kameras darin installiert, damit wir beobachten können, was sich dort abspielt», sagt Heller. Die Kästen werden vor allem von Kohl- und Blaumeisen bewohnt, vor kurzem hat sich aber auch ein Falke in einem der Nistkästen einquartiert. Falkenjunge gibt es allerdings noch keine.

Strasse voller Vogelfans
Rund hundert Mitglieder zählt der ornithologische Verein Weisslingen. Im Gegensatz zu anderen Vereinen plagten ihn jedoch keine Nachwuchsprobleme. Laut Heller kommen immer wieder neue interessierte Mitglieder hinzu – besonders an der Ludetswilerstrasse in Neschwil scheint es vor begeisterten Vogelbeobachtern nur so zu wimmeln.

Gleich drei der fünf Vorstandsmitgliedern wohnen an dieser Strasse. «Das ist reiner Zufall, aber für Sitzungen ist das natürlich sehr bequem», sagt Heller. Er selbst ist seit 1983 mit dabei. Früher oder später werde es zur nächsten Rochade im Vorstand kommen. Angst um seine Nachfolger müsse er jedoch keine Haben. «Im Frühling können wir bereits eine weitere Familie mit drei kleinen Kindern bei uns im Verein aufnehmen.» Die Zukunft sei also gesichert.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns