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Acht Dichter kämpften um eine Flasche Whisky

Der Poetry-Slam-Abend im Kulturhaus Central in Uster wurde von der Kabarettpreisträgerin Patti Basler moderiert. Unter ihrer Regie kämpften am Dichterwettstreit acht Teilnehmer um den Titel. In den Darbietungen waren vom Pinkeln unter der Dusche bis zum abstürzenden Trump alles dabei.

Patti Basler moderierte den Poetry Slam souverän., Marguerite Meyer ist schon eine erfahrene Slam Poetin., Gregor Stäheli bezeichnet sich selber auch als Schwätzer.

Christian Merz

Acht Dichter kämpften um eine Flasche Whisky

Als Patti Basler am Donnerstagabend auf der Kulturhaus-Central-Bühne den Poetry-Slam-Abend eröffnete, versprach sie Unterhaltung. Unterhaltung für den Bauch, die Libido und die Hirnlappen, die in den kommenden zwei Stunden durchgeschüttelt würden. Basler, selber Poetry-Slamerin und Trägerin des Kabarettpreises «Salzburger Stier 2019», moderierte den Abend vor 175 Zuschauern im ausverkauften Haus. Die Aargauerin machte für Poetry-Slam-Neulinge nochmal klar, was das für ein Anlass ist. Nämlich ein Dichterwettstreit, bei dem selbstgeschriebene Texte präsentiert werden. «Gedichte von Goethe Schiller und Gölä vorzulesen ist nicht erlaubt. Wobei von Gölä darf man, ist dann aber selber Schuld, wenn man das tut», so Basler Es gelte das Zeitlimit von sechs Minuten, wer das überziehe, werde von ihr von der Bühne getragen. «Leider ist das noch nie passiert. Ich würde unglaublich gerne jemanden von der Bühne tragen.»

Schweizer Homophobie

Die Slamer seien komische Leute und die meisten von ihnen auch Mobbingopfer – eine Voraussetzung um auf der Bühne zu stehen. «Wenn es im Publikum Mobbingopfer hat, und ich sehe, ein paar hat es: Seid nicht traurig und nehmt es als Chance – ihr könnt daraus einen Beruf machen», so Basler. 

Einen Auszug ihres beruflichen Könnens gab Basler darauf gleich selber. Mit einem Text, der sich laut Basler um das Lieblingsthema der Schweizer dreht: Homophobie. Ein raffinierter Vortrag, in dem Basler eine schlüpfrige Wortauswahl aus dem Jass-Jargon für ihre Pointen missbrauchte. Im Zentrum stand ein verwirrter homophober Aargauer. «Das bringt einen doch aus der Fassung, wenn der Ober auf dem Unter liegt und auf dem Ober noch der König und keine einzige Dame dazwischen – er sei doch nicht schwul», so Patti Basler. «Was der andere denn meine, wenn er ihm sage, er soll mal seine ‹Eichel hebä›.» Zuerst die «Rose schmiere» und dann «Hinterhand mit der Eichel stächä», gingen die zweideutigen Bemerkungen weiter.

Text über Hass

Danach wurden der Reihe nach die acht Wettstreiter auf die Bühne geladen: Marguerite Meyer, Gregor Stäheli, Jessica Brunner, Benjamin Dubno, Phibi Reichling, Miriam Schöb, Rebekka Lindauer und Gina Walter. Durch Applaus entschied das Publikum über das Weiterkommen von der ersten Runde übers Halbfinale bis hin zur Kür des Siegers im Finale.

Phibi Reichling entschied sich, einen Text über Hass vorzutragen. Er tat das in einwandfreiem Bühnendeutsch. Über allem Masse hasse er das kalte Wasser in der morgendlichen Dusche. «Heiss zu duschen vertreibt den Hochnebel aus meinem Gemüt. Besser als eine Tageslichtlampe, besser als Yoga, besser als Smoothies. Im heissen Regen verflüchtigen sich all meine körperlichen und seelischen Schmerzen – ausser ich habe eine Schürfung, dann tut’s scheisse weh.» Die Dusche sei ein Rückzugsort. Denn mittlerweile würden die Leute ja erwarten, dass man sogar «beim Kacken» noch sein Mails checkt und erreichbar ist, aber nicht unter der Dusche. «Du hast vergessen etwas zu erledigen? Sag einfach du warst unter der Dusche», rezitierte  Reichling in horrendem Tempo.

Baden hingegen sei Scheisse. «Baden ist schwimmen für Gelähmte», sagt Reichling und zeigt sich sogleich erschüttert über seine eigene Aussage. «Beim Baden kann man nicht pinkeln. Das heisst man kann schon, aber man möchte nicht.» Wer noch nie beim Duschen gepinkelt hat, wandte sich Reichling ans Publikum, möge jetzt die Hand heben und dann den Raum verlassen, weil Lügen nicht in Ordnung sei.

Vollidiot und sein Grosi

Der Abend bot eine leichte Überzahl weiblicher Auftritte, wie den der Dichterin Gina Walter. Die junge Baslerin  gab die Gefühlslage eines depressiven Kalenders wieder. «Man kauft mich als kurzfristig spontanes Weihnachtsgeschenk für jeden dahergelaufenen Vollidioten und sein Grosi.» Sie sei als Kalender ein Scheissgeschenk, die Sprüche auf ihren Seiten billig: «Besser einmal im Leben ein bisschen zu weit gehen als nicht weit genug», sagte Walter. Die einzige Situation, wo ihr dieses Zitat hilfreich vorkomme, sehe so aus: «Melania Trump mit Fotoapparat – Donald Trump – eine Klippe.» Weiteres Beispiel: «Am Ende wird alles Gut, wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende. Danke dafür, ich werde es gleich in jedem Krankenhaus in jeder Palliativstation an die Wand tackern.» Sie würde deshalb besser eine Kalender-Designerin sein, dann würde sie einen krassen Kalender gestalten, denn jeder wollte. Sie nähme ein Bild eines Arbeitsblattes aus dem Französischunterricht und schriebe drunter: «Die Zeiten ändern sich, aber kein Schwein checkt wieso.»

 

Walters Auftritt sorgte für besonders viel Gelächter und das Publikum hievte die Baslerin ins Final, wo sie sich gegen Gregor Stäheli durchsetzte und von Patti Basler eine Flasche Whisky – den obligaten Siegerpreis beim Poetry Slam – überreicht bekam. Die Flasche wurde gleich auf der Bühne geöffnet und die Teilnehmer tranken davon. Auch Patti Basler, die zu Beginn der Veranstaltung angekündigt hatte, den grössten Schluck aus der Pulle trinken zu wollen. Ob sie dieses Vorhaben bei der langsam ausklingenden Veranstaltung erfüllte, war nicht zu erkennen.

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