Aus grosser Abstellkammer wurde der Dorfsaal
«Das ist eine der zwei Turnhallen im Kanton Zürich, die unter Heimatschutz stehen – weil sie noch in den alten Dimensionen erhalten ist», begründete am Samstag Gemeindepräsident Marco Pezzatti, warum die aus dem Jahr 1950 stammende Kleinturnhalle nicht einfach abgerissen worden ist, sondern nun eine neue Zweckbestimmung gefunden hat.
Seit 18 Jahren ist die Halle nicht mehr benötigt worden, weil sie im Jahr 2000 durch die neue Turnhalle unter dem Pausen- und Sportplatz abgelöst worden war. Viele Jahre fristete darauf die «alte Turnhalle» ein Dasein als grosse Abstellkammer für alte Möbel, als Hangar für Flugzeugteile und als private Motorradwerkstatt.
Ganze Gemeinde profitiert
Mit der Idee der Einführung einer Tagesschule rückte die Halle dann vor einigen Jahren wieder in den Fokus, verfügte doch die Schule über keine Raumreserven mehr. Die geplante Tagesschule kam dann zwar nicht zustande, doch die historische Kleinturnhalle war definitiv ins Visier der Schule gerückt. Verschiedenen Ausbauvarianten wurden erarbeitet. Die Umnutzung der alten Halle wurde schliesslich zum Siegerprojekt erkoren.
«Der grundlegende Unterschied im Vergleich mit den drei anderen Vorschlägen war, dass nicht nur die Schule, sondern die ganze Gemeinde profitiert», betont denn auch Schulpräsident Philipp Küng (parteilos). So konnte hier über den zusätzlichen Schulraum hinaus auch ein Mehrzwecksaal geschaffen werden. Ende 2015 genehmigten die Seegräbner einen Bruttokredit von gut 2,3 Millionen Franken.
Zwei Bauetappen
Für dieses Geld ist in einem ersten Teil der am Samstag eingeweihte Buechwäid-Saal samt Küche und Medienraum, Büros für die Schulleitung, die Schulverwaltung und die Leiterin der Tagestrukturen sowie Garderoben geschaffen worden. Bis Mitte 2019 sollen dann noch ein Gruppenraum im Schulhaus, diverse Brandschutzmassnahmen sowie eine Fotovoltaikanlage geschaffen werden.
Wobei: Ob das mit dem Geld und dem Termin so hinkommt, da waren sich Pezzatti wie Küng nicht ganz sicher. So habe es während der ersten Bauphase immer wieder Überraschungen hinsichtlich Kosten und Zeitplan gegeben. Doch Küng zeigte sich froh, dass nun die erste Runde, die auch viel Lärm gebracht habe, durch ist.
Die neuen Räume konnten bezogen werden – am Montag dieser Woche waren allerdings die Räume für die Tagesstrukturen, die um 11 Uhr in Betrieb genommen werden sollten, am Morgen um 7 Uhr bautechnisch noch nicht abgenommen – und der Container mit der Bibliothek wurde abtransportiert. Die Bibliothek befindet sich nun wieder im alten Schulhaus, dort, wo sie viele Jahre lang einquartiert war, ehe sie vor rund zehn Jahren auf Wanderschaft durchs halbe Schulhaus ging.
Viel Licht
Für die Umnutzung der alten Turnhalle zeichnet «Hausarchitekt» Werner Messikommer verantwortlich, der unter anderem vor 18 Jahren schon die jetzige Turnhalle konzipiert hatte. «Er hat den Auftrag mit viel Herzblut und mit Sinn für Schönheit und Ästhetik umgesetzt», lobte Küng in seiner Festrede. Tatsächlich hat die vormals mit einem düsteren Abrieb versehene alte Turnhalle nun eine Holzummantelung erhalten, die dem Bau Leichtigkeit verleiht.
Der Saal verfügt über viel natürliches Licht. Genutzt wird er in erster Linie nun als Singsaal, für den schulischen Musikunterricht und für Aufführungen, verfügt er doch auch über eine kleine Bühne. Dann aber hat auch der Mittagstisch hier seinen Platz, ebenso wie weitere Betreuungsangebote. Im Medienraum im ersten Stock wird künftig auch der Ufzgi-Club abgehalten.
Abends und an Wochenenden steht der Saal für Veranstaltungen zur Verfügung, von Vorträgen über Konzerte bis hin zur Gemeindeversammlung. Mit der Konzuertbestuhlung bietet er 126 Personen Platz.
Eine junge Buche auf der Buechwäid
Am Samstag demonstrierten Schülerinnen und Schüler gleich, dass der neue Saal taugt, trugen sie dort doch den gegen 200 Besuchern das «Schulhaus-Lied» vor.
Zuvor wurde beim Eingang zum Schulareal, neben dem 2015 restaurierten Sodbrunnen, der nun auch beleuchtet ist, zu Ehren des neuen Saals eine Rotbuche gepflanzt. Schliesslich liegt das ganze Areal im Gebiet «auf der Buch». Die Kinder sorgten dafür, dass der junge Baum mit viel Erde auch genug Standfestigkeit erhält. Und übrigens: Ja, der Name Buechwäid-Saal ist richtig geschrieben, einfach Züritütsch.
Kinder helfen beim Pflanzen der jungen Buche mit. (Foto: Christian Brändli)
