Brüttisellen soll in die Höhe wachsen
Vor fünf Wochen erst genehmigten die Wangen-Brüttiseller die Umzonung zweier Grundstücke beim Gemeindehaus, womit in diesem Bereich von Brüttisellen künftig verdichtet gebaut werden kann. Nun befindet die Gemeindeversammlung am Dienstag erneut über eine Teilrevision der Bau- und Zonenordnung. Konkret will der Gemeinderat in Brüttisellen zwei Hochhausgebiete ausscheiden.
Das eine Gebiet umfasst das Grundstück, auf dem sich das Restaurant Flamingo befindet sowie den Bereich zwischen der Birkenstrasse und der Autobahnzufahrt mit zwei Gewerbehäusern. Hier soll künftig 80 Meter hoch gebaut werden dürfen. Das zweite Hochhausgebiet erlaubt eine maximale Bauhöhe von 40 Metern und ist wesentlich grösser. Es grenzt auf der einen Seite an die Gemeinde Dietlikon und reicht in Teilen bis zur Halden- und Riedmühlestrasse (siehe Plan).
Schritt für Schritt
«Wenn das Volk der Teilrevsion zustimmt, bedeutet das nicht, dass in dem Gebiet überall gleich Hochhäuser gebaut werden», betont Hochbau- und Planungssvorstand Marco Gamma (FDP). Man schaffe damit lediglich die Grundlagen für die städtebauliche Entwicklung in diesem Gebiet, für das kantonale Vorgaben eine verdichtete Bauweise zwingend vorsehen. «Die Entwicklung wird Schritt für Schritt vor sich gehen.»
«Es sind bestimmt Ängste da. Allerdings können wir uns der Entwicklung nicht verschliessen.»
Marco Gamma (FDP), Hochbau- und Planungssvorstand
Innerhalb des Hochhausgebiets befindet sich etwa der Autohandel Ecke Zürich-/Stationsstrasse, das Walderareal oder auch das Ringstrassenquartier. «Die betroffenen Grundstückeigentümer wurden bereits vor einiger Zeit über die Pläne des Gemeinderats informiert», sagt Claus Wiesli, Leiter Planung und Infrastruktur. Damit sollte erreicht werden, dass die Eigentümer die Möglichkeit einer höheren Bauweise rechtzeitig in allfällige Neubau- oder Sanierungspläne einbeziehen konnten.
Gamma ist sich bewusst, dass die bevorstehende Urbanisierung Brüttisellens nicht bei allen Einwohnern gut ankommen wird. «Es sind bestimmt Ängste da», sagt er. «Allerdings können wir uns der Entwicklung nicht verschliessen.» Für Wiesli macht die Verdichtung im dafür vorgesehenen Gebiet Sinn. «Die verkehrstechnische Erschliessung in unmittelbarer Nähe der Autobahn und des Bahnhofs Dietlikon ist bereits jetzt sehr gut und wird sogar noch besser werden, wenn die Verlängerung der Glattalbahn kommt.»
Drei Türme
Bereits konkrete Pläne gibt es auf dem Areal des Restaurants Flamingo, das mit Tankstelle und Wiese rund 8700 Quadratmeter umfasst. Hier soll das «Brüttiseller Tor» entstehen. Das Richtprojekt umfasst zum einen drei Baukörper mit einer Höhe von 68, 42 und 39 Metern. Das höchste Gebäude bleibt also zwölf Meter unter der vom Gemeinderat beantragten Maximalhöhe in diesem Gebiet und entspricht damit in seiner vertikalen Ausdehnung genau dem Büroturm des Glattzentrums. Neben den drei Türmen ist entlang der Autobahnausfahrt ein langgezogenes, niedrigeres Gebäude angedacht.
«Wir rechnen über alle Stufen hinweg mit lediglich 21 neuen Schulkindern.»
Marco Gamma (FDP), Hochbau- und Planungssvorstand
Falls die Stimmberechtigten der Teilrevision der Bau- und Zonenordnung zustimmen, ist auf dem betreffenden Areal aufgrund der Sonderbauvorschriften eine sehr hohe Ausnutzung mit dichter Bauweise möglich. Damit das Vorhaben der gemeinderätlichen Vorstellung in Bezug auf Gestaltung und städtebauliche Qualität entspricht, besteht in diesem Gebiet eine Gestaltungsplanpflicht. Der entsprechende Gestaltungsplan «Brüttiseller Tor» wird ebenfalls der nächsten Gemeindeversammlung vorgelegt.
Ein Platz für alle
Das Papier schreibt etwa vor, dass die Überbauung im Minergie- oder einem vergleichbaren Standard erstellt werden muss, es regelt die Erschliessung und macht Vorgaben bezüglich der Freifläche. So muss der Innenhof eine gute Anbindung an den öffentlichen Raum haben und einen «hohen Öffentlichkeitscharakter» aufweisen. Vorgeschrieben ist ausserdem ein Mindestanteil von 25 Prozent Gewerbenutzung. Laut Claus Wiesli auch deshalb, weil aufgrund von Lärmschutzvorschriften an stark befahrenen Strassen im Erdgeschoss keine Wohnnutzung möglich ist.
Da es sich beim «Brüttiseller Tor» erst um ein Richtprojekt handelt, sind viele Punkte noch offen. Etwa auch die Frage, ob es in der neuen Überbauung einen Ersatz für das Restaurant Flamingo geben wird. Angedacht sind 190 Wohneinheiten, wodurch gemäss Gamma «wichtiges Steuersubstrat» generiert werde. Weil der Investor in erster Linie 2 ½- und 3 ½-Zimmer-Wohnungen und nur wenige 4 ½-Zimmer-Wohnungen plant – ob Eigentum oder zur Miete steht noch nicht fest – werden vor allem Singles und Doppelverdiener und kaum Familien einziehen. Dies wirkt sich auch auf den erwarteten Schülerzuwachs aus. Gamma: «Wir rechnen über alle Stufen hinweg mit lediglich 21 neuen Schulkindern.»
Die Gemeindeversammlung von Wangen-Brüttisellen findet am Dienstag, 6. November, um 19.45 Uhr im Gsellhof Brüttisellen statt.
