Politik

Anleger verloren Millionen mit Investitionen in Illnau-Effretiker Genossenschaft

Die Verantwortlichen eines kriminellen Netzwerks stehen ab kommendem Montag in Mels SG vor Gericht. Mehrere hundert gutgläubige Anleger verloren mit Investitionen in die Wohnbaugenossenschaft Isenbach in Illnau-Effretikon ein Vermögen.

Vor dem Konkurs war die Wohnbaugenossenschaft Isenbach in Illnau-Effretikon domiziliert.

Archivfoto: Züriost

Anleger verloren Millionen mit Investitionen in Illnau-Effretiker Genossenschaft

Die Fälle reichen bis ins Jahr 2005 zurück. Bei der Wohnbaugenossenschaft Isenbach mit Sitz in Illnau-Effretikon verloren über 500 Anleger ihr Geld. Sie investierten in der Regel zwischen 20’000 und 50’000 Franken in Anteilsscheine. Das Genossenschaftskapital von 20 Millionen Franken ging vollends verloren. Während des Konkurses meldeten sich 210 Gläubiger mit Forderungen von über 43 Millionen Franken.

Die Beschuldigten waren auch in die Planung und Realisierung verschiedener Bauprojekte im St. Galler Rheintal und im Aargau involviert. Die Investitionen der Wohnbaugenossenschaften waren breit gefächert. Nach aussen warben sie mit einem «sehr geringen» Risiko.

Häuschen in der Dominikanischen Republik

Weil Gläubiger aus dem Kanton St. Gallen klagten, nahm die St. Galler Staatsanwaltschaft 2010 die Ermittlungen auf. Sie führte insgesamt 23 Hausdurchsuchungen durch. Gegen vier Beschuldigte erhob sie 2014 Anklage. Zwei Jahre später folgte eine erweiterte Anklage gegen acht Beteiligte. Die ursprünglich für April 2016 angesagte Verhandlung am Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland wurde mehrmals vertagt.

Gemäss der St. Galler Staatsanwaltschaft hätten gleich mehrere Mitglieder des Verwaltungsrates Pensionskassengelder von Privatpersonen veruntreut. Sie sollen sich das Geld jeweils pauschal und akonto auf Basis des Voranschlags ausbezahlt haben. Die Zahlungen seien selbst dann noch erfolgt, als die Genossenschaft finanziell längst am Ausbluten war.

Einer der Isenbach-Vorsitzenden soll sich mit Schweizer Pensionskassengeld einen Alterssitz auf einer Halbinsel in der Dominikanischen Republik gebaut haben, wie der «Beobachter» 2015 berichtete.

Hotelpläne erlitten Schiffbruch

Die Wohnbaugenossenschaft Isenbach stand von Anbeginn an unter keinem guten Stern, heisst es in der Anklageschrift. Der Verlust von 17 Millionen Franken wurde erstmals an einer ausserordentlichen Generalversammlung im Jahr 2011 publik gemacht.

Grund der Pleite waren laut Anklage die Verfehlungen des Managements. Verwaltungsratspräsident der Wohnbaugenossenschaft Isenbach war ein Zürcher Unternehmer, der in der Branche einen zweifelhaften Ruf hat.

Der heute 74-Jährige war auch bis Dezember 2009 Verwaltungsratspräsident der Genossenschaft Bad Rans, die in Sevelen SG (140 Millionen Franken) und Buchs SG (20 Millionen Franken) Hotels plante, aber nie baute.

«Promotionshonorare» und Gewinnbeteiligungen

Die Anklageschrift dokumentiert auf über 250 Seiten, wie dreist die Beschuldigten vorgingen. Im Fall Bad Rans sollen sie 6,2 Millionen Franken an Investorengeldern als «Promotionshonorare» eingestrichen haben.

Die Verwaltungsräte sollen sich zudem ein «Verkaufshonorar» von 1,5 Millionen Franken zugeschanzt haben. Dieses war nicht von Leistungen abhängig, sondern bloss an den Verkauf geknüpft, was aufgrund der Statuten eine verbotene Gewinnbeteiligung darstellt.

Vornamen mehrmals geändert

An den Geschäften beteiligt war auch ein langjähriger Weggefährte des Verwaltungsratspräsidenten. Der Zürcher Architekt sorgte vor allem in den 1980er- und 1990er-Jahren mit Immobilienpleiten für Schlagzeilen.

Unter anderem soll er mit den Isenbach-Millionen in ein Projekt der Extraklasse investiert habe. In einer kroatischen Werft sollten im Namen einer neuen Firma Luxus-Segeljachten für 30 bis 40 Millionen pro Schiff gebaut werden. Das Vorhaben wurde durch das Konkursverfahren unterbunden und später von einer anderen Firma übernommen.

Der 67-Jährige ist seit Jahren Gegenstand von Strafverfahren und hat mehrmals den Vornamen geändert. Nach Untersuchungshaft und einer Herzoperation verhängte das Zwangsmassnahmengericht 2015 für ihn unter anderem ein Kontaktverbot zu diversen beteiligten Personen, ein Verbot, sich an Gesellschaften zu beteiligen und unter anderem Namen aufzutreten.

Betrug, Veruntreuung, Urkundenfälschung

Die acht Beschuldigten stehen ab 5. November wegen Delikten des Insolvenzstrafrechts, wegen Betrugs, Urkundenfälschung, ungetreuer Geschäftsbesorgung und Veruntreuung vor Gericht. Ihnen drohen mehrjährige Freiheitsstrafen.

Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland hat drei Wochen für die Verhandlungen eingeplant. Die Urteile werden am 30. November bekannt gegeben.
 

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.