Politik

Letzter Feinschliff vor der Premiere von «Das Gespenst von Canterville»

Die letzten Vorbereitungen für das Familien-Musical «Das Gespenst von Canterville» laufen. Das neuste Stück des Kindertanztheaters Claudia Corti wird nächsten Sonntag im Theater Winterthur uraufgeführt. Ob die Kinder bereit sind? Ein Besuch im Neftenbacher Studio.

Choreografin Vaida Wauschkies gibt letzte Anweisungen vor der Probe. , Wie beim letztjährigen Stück hat Claudia Corti wiederum alle Kostüme selber angefertigt., Die Szene, die geübt wird, beginnt mit der Tochter Virginia beim Malen., Die anderen Kinder schauen ihr dabei zu., Weil nicht alles auf Anhieb passt, gibt Choreograf Yuri Volk dem Mädchen noch Tipps., Nun klappt es besser., Die Servietten sind im Element., US-Botschafter Hiram B. Otis besingt mit seiner Gattin die neue Heimat England., Ihr Ständchen animiert sie zu einem Tänzchen., Das Paar erwartet noble Gäste zu einem Dinner auf dem Schloss Canterville., Auch der Besuch ist es nach tanzen zumute., Derweil warten die Messer und Gabeln auf ihren Einsatz., Weil ein Grossteil der Requisiten bereits im Theater Winterthur ist, wird das Essen im Stehen geprobt., Yuri Volk hat den Überblick über die Musik., Nun haben Messer und Gabeln ihren Auftritt., Dann erscheint plötzlich der Poltergeist., Die Teller setzen sich lieber hin..., ... und lauschen den Anweisungen der Choreografen.

Michael Hotz

Letzter Feinschliff vor der Premiere von «Das Gespenst von Canterville»

Vor dem ehemaligen Bauernhaus in Neftenbach herrscht an diesem Montagabend emsiges Treiben. Es ist kurz vor 18 Uhr. Kinder steigen mit Rucksack bepackt von ihren Fahrrädern oder aus den Autos ihrer Eltern. Dann verschwinden sie durch eine kleine Tür im Haus, dem Tanzstudio von Claudia Corti.

In wenigen Minuten beginnt die Probe für das Familien-Musical «Das Gespenst von Canterville». Die 4- bis 18-jährigen Kinder – vorwiegend Mädchen – schlüpfen in ihre Kostüme, während sie mit ihren «Gspändli» noch über dies und jenes plaudern. Ihnen ist nicht anzumerken, dass der grosse Tag schon bald bevorsteht. Am kommenden Sonntag ist um 15 Uhr Premiere im Theater Winterthur.

Wo ist die Hose?

Viel Zeit fürs Proben bleibt also nicht mehr. Nach dem Umziehen begeben sich die Kinder nach oben ins eigentliche Tanzstudio. Dort werden sie von den Choreografen Yuriy Volk und Vaida Wauschkies empfangen, die den Protagonistinnen gleich erste Anweisungen geben. Die Chefin Claudia Corti ist voll in ihrem Element. Sie hält Ausschau, ob alle Requisiten am richtigen Ort sind, und richtet Kostüme, die sie alle selber gefertigt hat. 400 Stück sind es, schliesslich machen im Musical «Das Gespenst von Canterville» rund 200 Kinder mit, und die meisten haben mehrere Rollen.

Da kann es schon einmal vorkommen, dass ein Kleidungsstück verlegt wird. Ein Mädchen vermisst ihre Hose. «Die hängt doch in der Garderobe», antwortet ihm Claudia Corti – und schaut gleich selber nach. Schnell ist die Hose gefunden.

Trotz der Erfahrenheit immer noch nervös

Alles beisammen hat eine kleine Gruppe von zehnjährigen Mädchen. Sie spielen im Stück Gabeln und Messer. Schon in ihrem jungen Alter ist ihnen eine gewisse Routine anzumerken. Kein Wunder, die meisten sind bereits seit ihrem vierten Lebensjahr beim Kindertanztheater von Claudia Corti dabei.

Die Mädchen mögen die Probe, vor allem in den Kostümen. «Dort sehen wir auch die Tänze der anderen», sagt eines der Kinder. Am meisten freuen sie sich aber auf die Vorstellungen, von denen nach der Premiere Ende Oktober weitere in den zwei kommenden Monaten folgen. Nervös seien sie vor den Auftritten immer noch. «Vor allem wenn Frau Corti sagt, dass der Saal voll ist.» Trotzdem: Auf der Bühne zu stehen ist das Beste, merkt ein Mädchen an. «Mami und Papi im Publikum zu sehen ist schön.» Und der Applaus von ihnen am Schluss sowieso.

Kurze und knappe Ansagen

Dafür muss an diesem Montagabend aber noch gearbeitet werden. Geprobt wird ein Diner im Schloss Canterville, in dem angeblich ein Gespenst sein Unwesen treiben soll. Geladen hat der amerikanische Botschafter Hiram B. Otis, der nicht an den Poltergeist glaubt.

Die Probe beginnt, die Musik läuft. Den Kindern, die noch auf ihren Einsatz warten, geben die beiden Choreografen Ansagen mit auf den Weg, kurz und knapp: «Zuerst links, dann rechts» oder «die mittlere Linie als Orientierung beachten». Die Kinder verstehen, was gemeint ist.

Wenn die Kinder in Stepp- oder Ballettschuhen und in ihren Kostümen durch das Studio tanzen, sieht man ihnen die Freude an. Die Bewegungen sitzen, das Lächeln auch – mehrheitlich. Kleinere Korrekturen von den Chefs schallen immer wieder im direkten Ton durch den Raum. Mehr Ausdruck wird verlangt und ein Detail am Kostüm bemängelt. Alles muss langsam sitzen, so kurz vor der Premiere. Etwa verlangt Claudia Corti, dass eine Szene gleich nochmals begonnen wird. Ein Requisit wurde vergessen. «Sonst passiert das auch im Theater.»

Streng, aber herzlich

Claudia Corti kann streng sein. «Disziplin ist das Wichtigste», sagt sie. Die Kinder sollen sich in ihren Performances sicher fühlen. Ihre Strenge ist aber von einer Herzlichkeit geprägt. Man merkt, dass sie auch nach über 45 Jahren – 1971 gründete sie die Bewegungsschule Claudia Corti in Winterthur – fürs Tanzen brennt.

Während der Probe fallen ihr einige kleine Änderungen ein, die noch eingebaut werden können. Statt einfach miteinander abzuklatschen, soll einer der Protagonisten ein «Böckli» machen, während der andere Junge drüber springt. Claudia Corti strahlt eine kindliche Freude aus, als ihr die Idee kommt. Ihr fällt dann ein, was am Ende doch das Entscheidende ist: «Das Kindertanztheater soll einfach Spass machen.»

Das Familien-Musical «Das Gespenst von Canterville» des Kindertanztheaters Claudia Corti basiert auf der bekannten Erzählung des nicht minder bekannten irischen Autors Oscar Wilde. Der amerikanische Botschafter Hiram B. Otis hat trotz Warnungen vor einem Gespenst das Schloss Canterville gekauft. Bereits kurz nach dem Einzug gibt es Anzeichen, die auf einen Poltergeist hinweisen. Doch die pragmatische amerikanische Familie ist unbeeindruckt. Mit modernen Hilfsmitteln kämpft sie gegen den spukenden «Sir Simon» an, bis die Tochter Virginia im Gespräch mit dem Geist erfährt, wie es allein in ihrer Macht steht, ihn zu erlösen.
Premiere ist am Sonntag, 28. Oktober, um 15 Uhr im Theater Winterthur. Weitere Vorstellungen finden an den Wochenenden vom 17./18. und 24./25. November sowie 1./2. und 8./9. Dezember  jeweils am Samstag um 17 Uhr sowie Sonntag um 11 und 15 Uhr statt. Weitere Informationen finden Sie hier.

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