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Den Sorgen der Ustermer wird nur teilweise Rechnung getragen

Im letzten Jahr wurde eine Zufriedenheitsumfrage in der Ustermer Bevölkerung durchgeführt. Eine Gemeinderätin wollte vom Stadtrat wissen, was mit den Ergebnissen passiert. In seiner Antwort macht dieser auch eine mangelnde Wahrnehmung der Einwohner geltend.

Mit Putzaktionen während stark frequentierten Zeiten will die Stadt zeigen, dass sie das Problem erkannt hat.

Archivfoto: Christian Merz

Den Sorgen der Ustermer wird nur teilweise Rechnung getragen

Mit einer Umfrage wollte der Stadtrat im vergangenen Jahr von den Ustermer wissen, wie zufrieden sie mit der Arbeit der Stadt sind (siehe Box). Neben Lob gab es von der Bevölkerung auch Kritik, zum Beispiel für den dreckigen Bahnhof (wir berichteten). Gemeinderätin Eveline Fuchs (Grüne) wollte nach der Veröffentlichung des Bericht vom Stadtrat wissen, was er mit den Ergebnissen der Umfrage machen wird.

«Es ist unmöglich diesen klinisch sauber zu halten.»

Hans Ulrich Salchli, Leistungscontroller bei der Stadt Uster

Nun liegt die Antwort des Stadtrates vor. Beim Bahnhof Uster soll allerdings keine zusätzliche Reinigung aufgeboten werden. Der «Reinigungsturnus», der auch in der Verantwortung der SBB liegen, sei bereits vor der Umfrage auf zwei Mal täglich erhöht worden, schreibt die Stadt. Das soll nun den Ustermern «unter die Nase geschoben werden»: Es werde erwogen, «zu sichtbareren Zeiten mit mehr Frequenz zu reinigen.» Auch die Beleuchtung und Farbgebung soll überprüft werden.

Bahnhofreinigung sichtbar machen

Hans Ulrich Salchli ist Leistungscontroller bei der Stadt Uster und verantwortlich für die Zufriedenheitsanalyse. Zur Sauberkeit beim Bahnhof sagt er: «Der Bahnhof wird stark frequentiert. Es ist unmöglich diesen klinisch sauber zu halten.» Aber wenn die Reinigung während der etwas stärker genutzten Zeiten stattfänden, könne die Sichtbarkeit und damit der subjektive Eindruck der Leute verstärkt werden, dass viel getan werde. «Mit Anpassung der Beleuchtung oder der Farbe kann der Bahnhof zusätzlich heller und freundlicher gestaltet werden», so Salchli.

«Die Badi soll einzigartig «klein, fein, nah und ruhig» bleiben und kein «Spassbad» sein.»

Mitteilung Stadtrat

Dies wäre im Sinn von Gemeinderätin Fuchs, die den Bahnhof einladend und freundlicher haben will.  Grundsätzlich erwartet sie ein grösseres Engagement des Stadtrats beim Bahnhof. «Die Sauberkeit ist nur einer von mehreren Punkten. So kann man beispielsweise am Bahnhof seit kurzem wegen der fehlenden Sitzgelegenheiten in den Warteräumen nicht einmal mehr einen Kaffee im Sitzen geniessen», sagt Fuchs.

Hochbegabte im Regelunterricht

Ein weiterer Punkt, der in der Umfrage nur mässig abschnitt, war die Frage, ob leistungsfähige Kinder – gemeint sind Hochbegabte – genügend unterstützt werden. Der Stadtrat interpretiert das Ergebnis der Umfrage selbstbewusst: «Die verhaltene Bewertung in diesem Punkt ist eher eine Frage der Information als der mangelnden Förderung.» Im Rahmen der integrativen Förderung würden auch besonders begabte Kinder gezielt unterstützt, schreibt der Stadtrat weiter Hans Ulrich Salchli sagt, es sei dabei nicht das Ziel, Hochbegabte getrennt  zu fördern. Diese Schüler sollen möglichst in normalen Klassen unterrichtet werden und beispielsweise mit speziellen Aufgaben gefordert werden. Darüber hinaus werden diese Kinder einen Vormittag in Kleingruppen gezielt geschult.

Gemeinderätin Fuchs kann nicht selber beurteilen, ob begabte Kinder genügend gefördert werden. Sie habe aber von Eltern gehört, die sich beklagt hätten, dass in Uster wöchentlich nur ein Vormittag zur Förderung angeboten werde. Das entspreche nicht deren Vorstellungen und der Nutzen sei fraglich, sagen diese.

Kein Spassbad

Konkrete Massnahmen kündigt die Stadt bei der Dorfbadi Uster an: «Es ist geplant, die Liegewiese am Aabach ab 2019 ganzjährig für die Öffentlichkeit zu öffnen.» Die Badi soll aber einzigartig «klein, fein, nah und ruhig» bleiben und kein «Spassbad» sein (Aus der Antwort des Stadtrates entnommen). Dass dort im August der Spasswettbewerb «Sonnenkönigin und Sonnenkönig der Dorfbadi» stattfand, ist für  Anita Bernhard, Abteilungsleiter in Gesundheit der Stadt, kein Widerspruch: «Attraktionen wie dieser Anlass oder auch die neue Slackline und Hängematten sind damit nicht gemeint. Vielmehr wollen wir damit ausdrücken, dass sicher kein Sprungturm oder eine Rutschbahn in die Dorfbadi gebaut wird.» Mit der Öffnung der Liegewiese soll auch der Metallzaun abgebaut werden, der diese einfasst. Damit werde die Badi ein Stück weit offener, mit « stichprobemässigen Kontrollen» soll aber gewährleistet werden, dass die Leute weiterhin für den Eintritt bezahlen, sagt Bernhard.

Dass die Stadt regelmässig Umfragen durchführen lässt, findet Fuchs sinnvoll. Allerdings sollen die von der Bevölkerung als verbesserungsfähig eingestuften Punkte ernst genommen und seriös überprüft werden, sagt sie. «Und ich würde es wertvoll finden, wenn der Stadtrat oder die Verwaltung danach darüber informieren.»                                                                             

Zufriedenheitsumfrage
Der Fragebogen zur Bevölkerungszufriedenheit wurde 2017 an 1200 Haushalte geschickt. 285 Personen haben letztlich mitgemacht. Die Auswahl der Adressen für die Teilnehmer erfolgte zufällig und die Befragung wurde anonym durchgeführt. Ein St. Galler Unternehmen erfasste die Antworten und wertete diese aus. Die Bewertungsskala zu den Fragen war in fünf Punkte unterteilt: von «Trifft zu» bis «Trifft nicht zu». Rund 56 Prozent der Teilnehmer waren weiblich. In die Abstimmung einbezogen wurden Ausländer und Schweizer, die zum Zeitpunkt der Befragung über 18 Jahre alt waren und ihren Wohnsitz in Uster hatten. Zwei Drittel aller ausgewerteten Fragebögen kamen von über 45-Jährigen.

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