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Ohne Schlagzeug – dafür mit Beat-Boxer

Am kommenden Samstag tritt die Trip-Hop-Sängerin Annakin im Ustermer Zeughaus an der «H2U Dachstock Sessions» auf. Im Interview erzählt sie über ihren Kampf gegen den Mainstream und welche Ansprüche sie an die Zeughaus-Bühne hat.

Annakin will mit ihrer Stimme auch das Ustermer Publikum verzaubern.

Nicolas Zonvi

Ohne Schlagzeug – dafür mit Beat-Boxer

Auf dem Cover Ihres neuen Albums «The end of eternity» posieren Sie auf einem Schweizer Gletscher. Wieso?

Ich war schockiert als ich im letzten Jahr auf dem Berg oberhalb des Vadret-Pers-Gletscher stand und sah, dass dieser fast nicht mehr da ist.  In dem Lied «The end of eternity» spiel ich auf den Widerspruch an, dass das ewige Eis nicht mehr ewig ist und schmilzt.




«Triviale Lieder will ich keine produzieren.»




Ann Kathrin Lüthi alias Annakin, Sängerin

Wollen Sie sich mit Ihrem neuen Werk umweltpolitisch engagieren?

Nein, ich bin absolut unpolitisch. Ich will weder politisieren noch polemisieren. Ich bin aber sehr naturverbunden. Übrigens sind die Bilder zu meinen vorherigen Alben fast immer in der Natur entstanden. Meine Songs enthalten dennoch Botschaften. Triviale Lieder will ich keine produzieren.

 

Zur Person
Annakin heisst mit bürgerlichem Namen Ann Kathrin Lüthi. Sie kam am 22. Februar 1975 in Baden (AG) auf die Welt. Ihre musikalische Karriere startete Lüthi 1995 als Frontfrau der Band Swandive. 2002 löste sich die Band auf. Seit 2007 veröffentlichte Lüthi unter dem Künstlernamen Annakin sechs Alben. Mit ihrem erfolgreichsten Album «Icarus heart» erreichte sie auf der Schweizer Hitparade den 25. Platz. Heute lebt Lüthi mit ihrem Ehemann in Zürich.

 

Das ist Trip Hop
Trip Hop ist ein elektronischer Musikstil, der Elemente des Hip Hop oder Dub enthält. Die Musik wird oft als düster und schwermütig empfunden. Bekannte Vertreter des Genre sind Massive Attack, Portishead oder Morcheeba.

 

Ihr neuestes Album bezeichnen Sie als modernen Trip Hop. Was ist darunter zu verstehen?

Eigentlich hat man Ende der 90er-Jahre von Trip Hop gesprochen. Heute nennt man den Stil vielleicht Elektropop. Ich bin mit diesem Begriff aufgewachsen und für mich hat es keinen passenderen Begriff mehr gegeben für diese Art von Musik, die düster und atmosphärisch daherkommt. Meine drei Musiker spielen Bass, Gitarre, Cello und Keyboard. Ich singe. Ein Schlagzeug sparen wir uns und haben stattdessen einen Beat-Boxer dabei. Es ist jeweils schön zu sehen, wie einige Konzertbesucher irritiert nach einem Schlagzeug Ausschau halten und bald merken, dass die Geräusche von einem Mensch mit Mikrofon erzeugt werden. Zudem sparen wir bei kleinen Bühnen Platz. Der ist dort ansonsten ziemlich knapp.

Ein Song ihres neuen Albums (Quelle: youtube/annakin):

Auch auf der Zeughaus-Bühne in Uster?

Ich war noch nie dort, kenne aber die Abmessungen. In Uster ist die Bühne gross genug.

Wie stellen Sie sich denn die Bühne vor?

Ich bin gespannt auf das Zeughaus. Ich stelle mir das sehr stimmig vor: unplugged-Atmosphäre mit viel Holzbau, der gut für die Akkustik ist. Auch die Nähe zum Publikum ist wichtig. Ein Publikum, das uns wohlgesinnt ist. Wobei, das ist es meist, oft sind es treue Fans, die wir schon zu Swandive-Zeiten hatten.

Sie sprechen Ihre frühere Band Swandive an. Wie hat sich Ihr heutiges Schaffen verglichen mit damals geändert?

Mit der Gründung der Band Mitte der 90er-Jahre trafen wir einen Zeitgeist. Das ist ein grosses Glück für einen Musiker. Der Trip-Hop war noch nicht lange entstanden und in der Schweiz nur wenige Bands im Geschäft. Auch war das Unterhaltungsangebot damals noch knapper als heute, was auch geholfen hat die Konzertsäle zu füllen. An Montagabenden so wie heute an einem Samstagabend.  In der Zeit wurden CDs noch verkauft und die Musik hatte noch einen Wert. Der Druck der Plattenfirma Hits zu schreiben, wurde grösser. Damit gerieten wir in ein kommerzielles Fahrwasser, das nicht in unserem Sinn war. Darum beschlossen wir 2002 die Auflösung der fünfköpfigen Band. Swandive ist aber ein schönes Erbe für mich.




«Früher hat es mich gestört, dass nicht mehr direkt auf die Bühnenshow geschaut wird.»




Ann Kathrin Lüthi alias Annakin, Sängerin

Was erben Sie aus dieser Zeit?

Als Annakin möchte ich weiterhin primär gute Songs schreiben. Wenn sich dabei zusätzlich geschäftlicher Erfolg einstellt, ist das super.

Als Swandive-Sängerin haben Sie bei Ihren Konzerten auch Filmaufnahmen abspielen lassen und dazu getanzt. Wieso verzichten Sie heute darauf?

Ich wollte, dass der Fokus auf der Musik ist und die Zuschauer nicht von einer multimedialen Show abgelenkt werden. Wem das nicht genügt, muss ins Kino (lacht).

«On the air» war ein Song der Band Swandive, die es seit 2002 nicht mehr gibt (Quelle: youtube/carmel froidevaux):

Heute filmen Konzertbesucher die Musiker mit Smartphones und zeichnen ganze Song auf. Stört es Sie, wenn die Gesichter hinter den Smartphones im Publikum nicht mehr zu sehen sind?

Früher hat es mich gestört, dass nicht mehr direkt auf die Bühnenshow geschaut wird. In der Musikbranche war das ja auch rechtlich ein Problem, weil Aufnahmen nicht erlaubt waren. Jetzt ist mir bewusst, dass diese Leute auch Werbung für dich machen, indem sie die Beiträge teilen und auf Webseiten hochladen.

Sind Live-Auftritte die letzte Gelegenheit gutes Geld als Musiker zu verdienen?

Nicht unbedingt. In der Schweiz ist das auch schon wieder schwierig geworden, weil hier die Veranstalter gute Gagen bezahlen. Seit ein paar Jahren drängen darum viele Bands an die Veranstaltungsorte.

Das leidige Thema des Geldes bleibt keinem erspart.

Ja. Es ist schwierig zu beziffern, was Ende Monat herausschaut.

Veranstaltungshinweis: Annakin spielt am Samstag, 20. Oktober, um 20 Uhr im Dachgeschoss des Zeughauses K1. Sie wird auch mit Mich Gerber auf der Bühne stehen, der an diesem Abend ebenfalls auftritt. Tickets können Online über Starticket oder an den offiziellen Vorverkaufsstellen   von Post, Coop City und Manor gekauft werden. Weitere sind Informationen unter www.annakin.net zu finden.

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