Kein Freifahrtschein für Ustermer Stadtentwicklung
Der Bundesrat hat kürzlich entschieden, am 10. Februar 2019 die Volksinitiative der jungen Grünen «Zersiedelung stoppen – für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung» zur Abstimmung zu bringen. Schon länger unterhält das Initiativkomitee auf ihrer Webseite eine «Galerie des Schreckens». Dort können Leute Beispiele von Zersiedelung hochladen. Davon wird reichlich Gebrauch gemacht und auch das Oberland kriegt sein Fett weg: Abgeknipst wurden Gebiete der Gemeinden Bubikon, Dübendorf, Greifensee, Schwerzenbach, Wetzikon und Uster, wo der Schwizerbergs abgebildet wird.

Uster im Jahr 1930 src=”https://d2e1s0mc2ui2l2.cloudfront.net/zom/archiv/media/2018/10/11/unbenannt_neu_gross.jpg?h=354ccbb4&itok=zpipdkpc” width=”994″ height=”559″ alt=”uster im jahr 2017″ class=”no-tts image-style-np8-full” /> Uster im Jahr 2017
src=”https://d2e2ui2l2.cloudfront.net/zom/archiv/media/2018/10/11/unbenannt_gross_1930_0.jpg?h=e480948f&itok=kwsodxff” width=”994″ height=”559″ alt=”uster im jahr 1930″ class=”no-tts image-style-np8-full” /> Uster im Jahr 1930

Uster im Jahr 2017
Zersiedelung ist ein heikles Thema in Uster. Die Stadt wächst enorm schnell, prognostiziert sind über 40‘000 Einwohner bis ins Jahr 2030. Im vergangenen Jahr wurden 34‘442 Ustermer Einwohner gezählt. Dies verschlang in den letzten Jahren auch viel unbebautes Land. Die Datenerhebung des Bundesamts für Statistik ist zwar nicht auf dem neuesten Stand, doch allein von 1985 bis 2009 wurden in Uster 130 Hektaren Land verbaut. Die entspricht rund 5 Prozent der Gesamtfläche der Stadt.
Link zum Zersiedelungs-Quiz (Bundesamts für Statistik)
Wachstum ausgeschöpft
Luzian Franzini, Co-Präsident des Initiativkomitees, kann sich vorstellen, wieso in seiner Galerie des Schreckens so viele Oberländer Bilder aufgeschaltet sind: «Das Zürcher Oberland hat als Agglomerationsgebiet in den letzten Jahren vermutlich viel Bauland beansprucht.»
Franzini ist aber angetan von den Ustermer Plänen. Dass die Stadt die Zersiedelung in ihr Stadtentwicklungskonzept erwähne und ernst nehme, sei lobenswert. Tatsächlich schreibt die Stadt in einem Glossar zum Stadtraum Uster 2035: Durch eine verstärkte Innenentwicklung könnten unbebaute Flächen ausserhalbe des Siedlungsraumes geschont werden. Neben der Eindämmung der Zersiedelung will sie so zur «bestmöglichen Auslastung» teurer Infrastrukturen beitragen.
Galerie des Schreckens

Die Verdichtung wie die Hochhäuser im Kern Nord und Süd sieht Franzini ebenfalls als positives Beispiel. Das Bauen von Hochhäusern sei aber kein Ziel der Initiative. Vielmehr gehe es um eine moderate Aufstockung: «Wenn bestehende Gebäude von vier auf fünf Stockwerke ausgebaut werden oder künftige Gebäude nur um ein Stockwerk erweitert werden, löst das schon eine Menge Probleme.»
Auswirkungen auf Uster
Patrick Neuhaus, Stadtplaner von Uster, sagt, dass die Annahme der Zersiedelungsinitiative «voraussichtlich keine Wirkung» auf die Ustermer Entwicklungspläne haben würde. «Der kantonale Richtplan regelt für Uster, wo sich die Stadt weiterentwickeln kann.» So stünden in Uster in der anstehenden Ortsplanungsrevision nur die Entwicklung der Reservezonen Eschenbüel, Moos und Müliholz/Rüti zur Diskussion, welche gemäss kantonalem Richtplan zum Siedlungsgebiet gehören.
Mit Reservezone ist Land gemeint, dessen Nutzung im Zonenplan noch nicht bestimmt ist. Diese Gebiete könnte eine Kommune einer Bauzone zuteilen. Hier setzt aber die Initiative an, die mit einem neuen Verfassungsartikel genau das verhindern will und dementsprechend doch Auswirkungen auf die Entwicklungspläne einer Stadt wie Uster haben könnte. Markus Pfanner, Mediensprecher der kantonalen Baudirektion, versteht den Initiativentwurf so: «Jede Einzonung einer Reservezone zu einer Bauzone muss mit einer entsprechenden Auszonung kompensiert werden.»
Tauschgeschäft mit anderen Gemeinden?
Wenn also die Stadt die Gebiete Eschenbüel, Moos oder Müliholz/Rüti als Bauland einzont, dürften laut der Initiative anderweitig Ustermer Gebiete nicht mehr als Bauzone bestehen bleiben. Bei der Stadt Uster heisst es, dieses konkrete Szenario könne zurzeit nicht kommentiert werden.
Stadtplaner Patrick Neuhaus sähe aber einen möglichen Ausweg: «Der geforderte Abtausch kann auch mit Bauland einer anderen Gemeinde erfolgen – im Idealfall mit einer Gemeinde im ländlichen Raum, wo keine Nachfrage besteht.»
