Jetzt geht auch der Interdiscount
Und noch ein Geschäft an der Bahnhofstrasse in Wetzikon gibt auf. Nach zehn Jahren schliesst der Interdiscount auf Ende Februar seine Türen. Offenbar hat dem Laden die örtliche Konkurrenz aus den eigenen Reihen den Garaus gemacht.
Sprecherin Monika Sachs erklärt den Grund für das Ende des Elektronikladens mit den Worten: «Wir überprüfen unser Filialnetz und die verschiedenen Standorte laufend und nehmen Optimierungen des Verkaufsstellennetzes vor. In unmittelbarer Nähe der Filiale Wetzikon liegen die Filialen Volketswil und Hinwil, die dieses Jahr modernisiert wurden.»
10’700 Franken monatlich
Auch scheint der Standort an der Bahnhofstrasse nicht ideal gewesen zu sein. Der Trend gehe heute hin zu kleineren Läden an zentraler Lage in Kombination mit einem starken Online-Angebot und attraktiven Service-Leistungen für Kunden, so Sachs.
Deutlichere Worte findet Immobilienunternehmer Heinz Egolf. Seiner Firma Egolf-Immobilien gehört die Liegenschaft, in der der Interdiscount derzeit noch weilt. «Es wird immer schwieriger, einen Mieter zu finden. Es ist jedes Mal ein Kampf. Wir sind deswegen auch schon mit den Preisen runtergegangen.» Wer den Raum des Interdiscounts beerben wird, ist noch unklar. Seit Anfang Jahr wirbt die Immobilienfirma auf ihrer Webseite mit einem Inserat für «Laden- und Gewerbefläche oder Büro». Für die insgesamt 320 Quadratmeter grosse Fläche an der Bahnhofstrasse 126 verlangt Egolf monatlich brutto 10’700 Franken Miete.
«Die Stadt schafft keine Anreize, macht keine Werbung»
Heinz Egolf, Wetziker Immobilienunternehmer
Er habe zwar bereits mehrere Anfragen für den Raum erhalten. «Aber keine, die zu einem Vertragsabschluss führen könnte.» Aus welcher Branche der Nachfolger stammt, spielt Egolf keine grosse Rolle. «Nur einen Kebab-Laden, eine Schischa-Bar oder ein Sekten-Lokal kommen nicht infrage.» Davon gebe es in der Umgebung bereits genug.
Dass der Interdiscount als Elektronikgeschäft dicht machen musste, erstaune ihn nicht. «Solche Läden haben aufgrund des Onlinehandels keine Existenzberechtigung mehr.» Aber nicht nur das Internet sei schuld, dass sich Geschäfte in Wetzikon und vor allem an der Bahnhofstrasse kaum mehr halten könnten. «Die Stadt tut nichts. Sie unterstützt weder das Kleingewerbe noch grosse Ketten. Sie schafft keine Anreize, sie macht keine Werbung. Das ist ein grosser Fehler.»
Anspruchsvolle Aufgabe
Der Immobilienunternehmer hat keine Freude an der Entwicklung: «Es ist ein schwieriges Geschäft geworden: Läden.» Nichtsdestotrotz plant Heinz Egolf mit der Zürcher Kantonalbank an der Bahnhofstrasse schräg vis-a-vis des Wetziker Stadthauses einen Neubau für 50 Millionen Franken. Auch wenn die ZKB der Hauptmieter werde, müsse er das Gebäude mit Nebenmietern füllen. Nebst der Bank sind im Erdgeschoss weitere Gewerbe- und Gastronomiebetriebe vorgesehen. Egolf: «Auch dort wird es anspruchsvoll, den Richtigen zu finden. Nicht viele gehen das Risiko ein.»
Der Raum, aus dem der Interdiscount auszieht, ist ab dem 1. April wieder verfügbar. «Wir hoffen, bis dann haben wir einen Nachfolger gefunden, der an der Bahnhofstrasse durchhält.»
Keinen Einfluss
Martina Buri, stellvertretende Wetziker Stadtschreiberin, sagt: «Wir bedauern das Aus des Interdiscounts an der Bahnhofstrasse. Ein breites Angebot an Dienstleistungen in Wetzikon abzudecken, ist uns als Stadt sehr wichtig.»
«Interessierte Unternehmen werden bei der Vermittlung von Flächen sowie der Ansiedlung unterstützt.»
Martina Buri, stellvertretende Wetziker Stadtschreiberin
Auf die Standortwahl der Geschäfte und auf die gesellschaftliche Entwicklung hin zum Onlinehandel habe die Stadt Wetzikon keinen Einfluss, so Buri. Den Standort Wetzikon erachte man weiterhin als sehr attraktiv.
Die Kritik von Egolf will Buri nicht gelten lassen. Die Stadt versuche Entwicklungsmöglichkeiten zu schaffen, um Unternehmen in Wetzikon zu erhalten. «Interessierte Unternehmen werden beispielsweise bei der Vermittlung von Flächen sowie der Ansiedlung in Wetzikon unterstützt.»
Einkaufszentrum Metropol
Mit der Stadtentwicklung fördere die Stadt zudem die Standortattraktivität von Wetzikon und versuche attraktive Rahmenbedingungen für Gewerbe und Bevölkerung zu schaffen. Als Beispiel nennt Buri den durch den Stadtrat genehmigten Gestaltungsplan Metropol. «Dieser sieht auch Einkaufsmöglichkeiten an der Bahnhofstrasse vor.»
Gemeint ist ein Projekt, das Wetzikon schon lange beschäftigt. Die Firma City Center Wetzikon will die «Trompete» an der Bahnhofstrasse vis-a-vis des Interdiscounts durch ein grosses neues Einkaufszentrum namens Metropol ersetzen. Doch das Vorhaben wird seit Jahren mit allen möglichen rechtlichen Mitteln blockiert. Und zwar ausgerechnet von Heinz Egolf. Sein Rekurs gegen das Metropol ist nach wie vor hängig.