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112 Millionen sind der Schule zu viel

Das Siegerprojekt für die Erweiterung und Sanierung des Schulhauses Stägenbuck muss günstiger werden. Das finden die Verantwortlichen – und gehen nochmals über die Bücher. Doch dafür braucht es erst einmal einen Zusatzkredit.

Platznot und Sanierungsbedarf nehmen zu, deshalb eilt es., Das Sekundarschulhaus: Hier soll ein weiterer Baukörper erstellt werden. , Kunst am Bau auf dem Pausenplatz., Der grobe Kieselwurfputz, den die Denkmalschützer als «zeittypisch»​​​​​​​ würdigen.

Thomas Bacher

112 Millionen sind der Schule zu viel

Das «Stägenbuck» gehört zu den grössten Schulanlagen im Kanton. Jetzt muss das in den 70er-Jahren erbaute Schulhaus erweitert und saniert werden. Das Siegerprojekt, das aus dem Architekturwettbewerb hervorging, sieht mehrere Neubauten vor: einen beim Sekundarschulhaus, einen für Schulverwaltung, Kindergarten und Tagesbetreuung und dazu eine unterirdische Mehrfachturnhalle zwischen der bestehenden Sporthalle und dem Primarschultrakt. Und auch die zwei kleinen Turnhallen sollen umgebaut werden. 

Dass das alles teuer werden würde, war allen Beteiligten klar. Aber jetzt zeigt sich: Es wird sehr teuer; 112 Millionen Franken hat eine Grobkostenschätzung ergeben. «Die Kosten für das Projekt sind plausibel», sagt Primarschulpräsidentin Susanne Hänni (GLP/GEU), «aber sie sind essenziell zu hoch.»

Was ist wo nötig?
Eine Projektgruppe aus Baufachleuten und Mitgliedern der Primar- und Sekundarschulpflege will nun unter Einbezug der jüngsten Schülerprognosen das Raumprogramm überprüfen. Die Frage wird etwa lauten, ob ein Teil der geplanten Räumlichkeiten für Schule, Betreuung und Verwaltung nicht auch woanders realisiert werden könnte.

Die Sekundarschulpflege Dübendorf-Schwerzenbach hat ihre Antwort darauf bereits gefunden. Sie geht davon aus, dass das «Stägenbuck» nicht vor 2025 fertig sein wird, braucht aber schon früher neuen Schulraum. Diesen will sie im Schulhaus Grüze in Form eines Ersatzneubaus schaffen, der aufs Schuljahr 2022/23 bereit sein soll (siehe Box). Den Projektierungskredit von 360‘000 Franken hat die Schulgemeindeversammlung kürzlich einstimmig genehmigt.

Besser alles abreissen

Ein grosser Kostenfaktor ist beim aktuellen «Stägenbuck»-Projekt die unterirdische Mehrfachturnhalle. «Das ist das teuerste Element», sagt Andreas Sturzenegger (FDP), Präsident der Sekundarschulgemeinde. «Es wäre ohnehin am einfachsten, wenn wir alles abreissen und neu bauen könnten. Aber das ist nun einmal nicht möglich.»Ein kompletter Neubau wäre gemäss Grobkostenschätzung mit 125 Millionen Franken rund zehn Prozent teurer als die Erweiterung und Sanierung. Zudem befindet sich die Schulanlage im Inventar überkommunaler Schutzobjekte, also unter Beobachtung. Die kantonale Denkmalpflege würdigt das «Stägenbuck» als typischen Zeugen der Architektur der 70er Jahre.

Gemeinderätin Stefanie Huber (GLP/GEU) hatte die Primarschulpflege in einem Postulat aufgefordert, ein Provokationsbegehren zur Entlassung aus dem Inventar zu prüfen, weil sie mit Einschränkungen bei der Projektierung und nicht zuletzt Mehrkosten rechnet. Doch die beiden Schulen befürchten einen längeren Rechtsstreit, hohe Kosten und eine Phase grosser Planungsunsicherheit. Lieber gehen sie den Mittelweg gemeinsam mit der Denkmalpflege, welche Teilentlassungen aus dem Inventar bereits in Aussicht gestellt hat .

«Ein Provokationsbegehren ist ein zu grosses Risiko», sagt Sturzenegger. «Wenn wir das verlieren würden, dann ist die Schulanlage definitiv unter Schutz gestellt und wir können überhaupt nichts mehr verändern.» Juristische Abklärungen hätten ergeben, dass ein Provokationsbegehren chancenlos wäre, hält er fest. «Das war aber schon bekannt, bevor das Postulat eingereicht wurde.»

«Zeittypischer» Kieselputz

Nun will die Projektegruppe im Detail abklären, wie sich die Anforderungen der Denkmalpflege auf die Kosten für die Renovation der bestehenden Schulanlage auswirken. Teuer könnte etwa die energetische Sanierung der Fassade kommen, wie Primarschulpräsidentin Hänni sagt. «Wenn wir die Dämmung aussen anbringen können, ist es kein Problem. Doch im Innenbereich würde es kompliziert und teuer werden.» Die Denkmalpflege würdigt den groben Kieselwurfputz als «zeittypisch». Er verleihe den Gebäuden eine starke Licht-/Schattenwirkung und unterstreiche so den plastischen Effekt des in viele kleine Kuben aufgeteilten Grossgebäudes.

«Wir möchten dem Parlament aber eine möglichst genaue Darstellung der Kosten liefern.»

Susanne Hänni (GLP/GEU), Präsidentin Primarschule Dübendorf

Weitere Abklärungen betreffen die Kosten für den Brandschutz oder auch die Erdbebensicherheit. «Eine detaillierte Prüfung dieser Bereiche findet normalerweise erst bei der Vorbereitung für den Baukredit statt», sagt Susanne Hänni. «Wir möchten dem Parlament aber eine möglichst genaue Darstellung der Kosten liefern.»

Zumindest im Fall der Primarschule kann man diese durchaus auch als vertrauensbildende Massnahme verstehen. Denn die Schule war erst vor wenigen Monaten in der Kritik, weil es bei der Planung für die Erweiterung und Sanierung des Birchlen-Schulhauses einen markanten Kostenanstieg gab. Und dann waren da auch noch die Provisorien für die Schulhäuser Birchlen und Gockhausen, welche die Schulpflege als gebundene Ausgabe deklariert hatte, worauf der Stadtrat eine Beschwerde beim Bezirksrat einreichte. Als Reaktion darauf zog die Schule ihre Kreditbeschlüsse zurück.

Um die Abklärungen vorzunehmen und das Vorhaben für die Urnenabstimmung vorzubereiten, beantragt die Projektgruppe einen Zusatzkredit von 580‘000 Franken, die hälftig auf die beiden Schulgemeinden aufgeteilt werden, wobei die Kosten von 40‘000 Franken für Abklärungen im Zusammenhang mit der Beantwortung des Postulats von Stefanie Huber der Primarschule zufallen.

Keine andere Möglichkeit

Sekundarschulpräsident Sturzenegger bedauert, dass diese Zusatzschlaufe nötig ist. Und dass erst jetzt wirklich über Geld geredet wird. «Bei umfangreichen Projekten der öffentlichen Hand ist es aber nun einmal üblich, einen Architekturwettbewerb durchzuführen.» Man gebe zwar einen ungefähren Kostenrahmen vor, die Detailprüfung und eine allfällige Überarbeitung finde aber erst danach statt.

ine Alternative wäre laut Sturzenegger ein Totalunternehmer-Wettbewerb. «Da gibt man vor, was man will, was es kosten darf, und um den Rest müssen sich die Unternehmer kümmern.» Der Nachteil sei, dass die Vorarbeit sehr aufwändig sei, weil man praktisch jeden Türgriff vorgeben müsse. «Und das ist bei einem dermassen komplexen Projekt wie dem Schulhaus Stägenbuck nicht möglich.»

Grüze 5: Abreissen, neu bauen
 

Die Sekundarschulpflege Dübendorf-Schwerzenbach will auf dem Schulareal Grüze einen Neubau realisieren. Dieser soll das Schulgebäude Grüze 5 ersetzen. Der Bau aus den 1950er Jahren ist laut der Schulpflege sanierungsbedürftig und genügt aufgrund seiner starren Raumstruktur den heutigen pädagogischen Bedürfnissen nicht mehr. Eine behindertengerechte Sanierung wäre zudem mit «unverhältnismässig» hohen Kosten verbunden.
 
Mit dem Neubau will die Schulpflege die steigenden Schülerzahlen auffangen. Ausserdem ist eine teilversenkte Zweifachturnhalle vorgesehen. Während der Bauzeit soll der Unterricht in Provisorien ausgelagert werden. Die Kosten hierfür würden dadurch ausgeglichen, dass die Bauarbeiten nicht etappiert ausgeführt werden müssten, so die Schulpflege.
 
Der Ersatzneubau inklusive Provisorium kostet gemäss einer aktuellen Schätzung rund 25 Millionen Franken. Geplant ist, den Baukredit im November 2019 den Stimmberechtigten von Dübendorf und Schwerzenbach vorzulegen. Bei einer Genehmigung rechnet die Sekundarschulpflege mit einer Fertigstellung bis im Sommer 2022.

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