Männer wollen nicht mitmachen
In Uster können sich bewegungsfreudige Ü-60-Jährige das ganze Jahr durch verabreden, um auf vorgegebenen Routen miteinander zu spazieren. «Zäme go laufe» soll die Leute zu einem täglichen Spaziergang auf sechs vorgegebenen Etappen animieren. Die Strecken sind nach Fitnessgrad der Teilnehmer in drei Schwierigkeitsstufen eingeteilt. Projektleiterin Kaba Dalla Lana sagt: «Besonders die Stubenhocker wollen wir dabei haben. Sportliche ältere Leute sind sowieso dauernd in Bewegung.»
«Zäme go laufe» hat 2015 als Forschungsprojekt der Universität Zürich begonnen mit dem Ziel die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern. Doch die Studie hatte einen harzigen Start. Denn beim halbjährigen Programm in der ersten Versuchsstadt Wetzikon machten nur 29 statt der 60 erwarteten Teilnehmer bei den Spaziergängen mit.
Das Projekt kommt in Fahrt
Projektleiterin Dalla Lana sagt unverblümt: «Da haben wir versagt.» Der Fehler sei gewesen, dass man bei der Suche nach Teilnehmern zu Beginn nur auf Flyer gesetzt habe. Dabei habe sich in Wetzikon und Uster gezeigt, dass potentielle Spaziergänger vor allem über den persönlichen Kontakt gewonnen werden konnten.
Jetzt ist Dalla Lana aber sehr zufrieden mit der Anzahl der Spaziergänger. In Wetzikon sei das Programm mittlerweile ein Selbstläufer. Oft spazierten heute mehr als zehn Leute gemeinsam eine einzelne Etappe ab. Und auch in Uster würden im Durchschnitt acht bis zehn Leute pro Route mitmachen.
Freiwillige gesucht
Rund 90 Prozent der Teilnehmenden sind Spaziergängerinnen. Dalla Lana schreibt diesen Umstand den demographischen Strukturen zu, dass Frauen länger leben als Männer. «Die Frauen reden aber auch oft lieber als Männer. Oder Männer wollen den Spaziergang vielleicht lieber allein geniessen.»
«Zäme go laufe» soll auf die ganze Schweiz ausgeweitet werden. Dalla Lana will so ein flächendeckendes Angebot schaffen, das für die Teilnehmer kostenlos ist und eine Anreise mit dem Auto oder ÖV unnötig macht. Dies verlangt aber in jeder Gemeinde einen sogenannten Local Leader, der ehrenamtlich Leute persönlich zur Teilnahme animiert und das Angebot ins Laufen bringt. «Sechs Arbeitsstunden müssen pro Woche dafür reichen. Würden wir mehr verlangen, wäre das Sklaverei», so Dalla Lana und lacht.
