Kultlokal feiert Geburtstag
Antike Sessel und ein kleiner Tresen – das ist auf den ersten Blick durch die Glasfront des kleinen Lokals an der Wartstrasse zu erkennen. Sie lassen erahnen, was sich in der Liegenschaft mit der massiven Holztür gleich neben der Kirche Sankt Peter und Paul verbergen muss. Sofort ins Auge sticht ein Flur mit schwarzweissem Kachelboden, der an eine Küche aus den fünfziger Jahren erinnert. Hinter einem Türrahmen auf der rechten Seite befindet sich das Herzstück der Lina’s Bar – das kleine «Stübli».
Mitte Oktober feiert das Kultlokal für Jung und Alt seinen siebten Geburtstag. Für Besitzerin Maya Christen bedeutet das sieben Jahre Bier zapfen und Cocktails mixen im ehemaligen Haus ihrer Grossmutter, nach der das «Lina’s» benannt wurde. «Einige Möbelstücke stammen noch von meiner Oma.»
Maya Christen hat eine Leidenschaft für Inneneinrichtung. Diese lebt sie in ihrer Bar gerne aus: «Ich wohne einfach gerne» – mit einer Mischung aus antiken Brockenhaus-Schätzen und modernen dekorativen Elementen. Genauso durchmischt ist auch die Kundschaft der 40-Jährigen. «Der Grossteil meiner Gäste ist ungefähr in meinem Alter. Dennoch finden Menschen jeden Alters ihren Weg hierher, vor allem am Wochenende.»
Auf Festivitäten verzichten
Viele der Barbesucher sind Stammkunden. Diese sind der Bar auch nach den ersten vier Wochen Betriebsferien noch treu: «Es war ein wundervolles Erlebnis, als die Gäste wieder so zahlreich erschienen sind und die Bar wieder voll war.» Nebst den schönen Erinnerungen gibt es auch Dinge, die Maya Christen frustrieren: «Ich gebe mir Mühe, mich strikt an die Regeln zu halten.» Um Mitternacht werden alle Gäste hineingeschickt und dürfen sich nur noch zum Rauchen draussen aufhalten, damit es nicht zu laut wird. «Wenn dann doch jemand die Polizei verständigt, ist das ärgerlich.»
Zudem sei es schwer, die Arbeit mit sozialen Aktivitäten zu vereinbaren. Auf viele Festivitäten muss die Winterthurerin verzichten. «Wenn ich mir an einem Wochenende dann einmal frei nehme, muss die Party umso besser sein.» Obwohl das Gastgewerbe streng ist, hat die 40-Jährige darin ihre Leidenschaft entdeckt. «Das ˓Lina’s˒ ist mehr als nur ein Beruf. Es ist mein Leben.»
Als Schnapsidee entstanden
Barbesitzerin wollte Maya Christen eigentlich gar nicht werden: «Ich habe mich ursprünglich für ein Architekturstudium angemeldet, habe mich dann aber dazu entschieden, mit Kindern zu arbeiten.» So kam es, dass sie vor ihrer Zeit im «Lina’s» sieben Jahre als Hortleiterin arbeitete. «Ich hatte dann mit der Zeit Lust auf etwas Neues.» Was zunächst als Schnapsidee entstanden war, entwickelte sich nach und nach zu einem ausgereiften Plan. Heute ist das «Lina’s» mitunter Treffpunkt für zahlreiche Fans des FC Winterthur, die sich regelmässig vor und nach dem Fussballspiel im Lokal einfinden. «Es wird immer lustig, wenn sie bei mir vorbeischauen», sagt Maya Christen dazu.
In den nächsten sieben Jahren sieht sich die Winterthurerin noch immer in ihrem eigenen Lokal. «Ich wäre auch offen für Neues, das müsste dann aber etwas genauso Lässiges sein.»