Volk will Zentrum verdichten
Bis 2040 wird es in Wangen-Brüttisellen 3000 neue Einwohner und Beschäftigte geben. Das machte am Dienstag Tiefbau- und Sicherheitsvorstand Martin Kull (Forum Wangen-Brüttisellen) den 65 Anwesenden an der Gemeindeversammlung klar – und auch, wie der Gemeinderat gemäss dem Masterplan 2016 auf dieses Wachstum reagiert: «Wir wollen mit verdichtetem Bauen der Zersiedelung entgegenwirken und das Gebiet im Zentrum optimal nutzen.»
Ein solches Gebiet ist etwa der Bereich südlich und östlich des Schulhauses Bruggwiesen. Konkret geht es um ein landwirtschaftlich genutztes Grundstück in Dreiecksform in der Ecke Zürichstrasse/Stationsstrasse. Sowie um das Stück Land zwischen der Stations- und der Haldenstrasse, auf dem sich das Gemeindehaus, eine kleine Parkanlage sowie zwei kleine, gemeindeeigene Wohngebäude befinden. Hier will der Gemeinderat mittels einer Teilrevision der Bau- und Zonenordnung eine Verdichtung ermöglichen; den entsprechenden Antrag legte er am Dienstag der Gemeindeversammlung vor.
Mehr Platz für Schüler gefordert
Nicht einverstanden mit den Plänen des Gemeinderats ist Rosa Bieri, die in der Nachbarschaft des Schulhauses Bruggwiesen wohnt. Sie forderte, man solle den Freiraum im Zentrum teilweise erhalten für eine mögliche Erweiterung der Schulanlage. Dies auch, um Erholungsräume für die Schüler zu schaffen. «Die Schüler verlieren immer mehr den Bezug zur Natur», sagte sie.
Sie beantragte deshalb, dass nur das landwirtschaftlich genutzte Land zur Zentrumszone Z4 umgezont werden soll. Das andere Grundstück hingegen solle komplett zur Zone für öffentliche Bauten werden. Aktuell gehört ein Teil des Landes noch zur Wohnzone W2. Bieri sah es als Widerspruch an, dass die Gemeinde wachsen soll und gleichzeitig ein Ausbau der Schule verhindert werde.
Ausbau nicht ausgeschlossen
Den möglichen Schülerzuwachs relativierte Claus Wiesli, Leiter Planung und Infrastruktur, der aufgrund einer Abwesenheit im Gemeinderat zugezogen worden war. Die geplante Grossüberbauung Brüttiseller Tor etwa werde nur eine Handvoll neue Schüler zur Folge haben, da vor allem kleine Wohnungen gebaut würden.
«Wir verdichten auch, um Grünzonen zu erhalten.»
Marlis Dürst (Forum Wangen-Brüttisellen), Gemeindepräsidentin
Gemeindepräsidentin Marlis Dürst (Forum Wangen-Brüttisellen) räumte ein: «Wir können in der Zentrumszone zwar keine Klassenzimmer bauen, aber Lehrerzimmer oder etwa eine Hauswartwohnung wären erlaubt.» Zudem bestehe bei Bedarf die Möglichkeit einer Aufstockung auf dem bestehenden Schulareal.
«Wenn wir nicht höher bauen, müssen wir breiter bauen», sagte Dürst. «Wir verdichten auch, um Grünzonen zu erhalten.» Zudem dürfe man nicht vergessen, dass sich das Land im Besitz der Gemeinde befindet, und deshalb könne das Volk über die Pläne für eine Überbauung entscheiden. Sie hielt ausserdem fest, dass eine Entwicklung des Gebiets eine positive Auswirkung auf die Gemeindefinanzen haben werde.
Kein Gehör für Anliegen
Die folgende Diskussion drehte sich im Wesentlichen um Fragen zur Gebäudehöhe und der Nutzung des bestehenden Pärklis. Zwischendurch drohte sie abzudriften, weil plötzlich der Umbau der Flamingo-Kreuzung zum Thema wurde. Da dieses Projekt jedoch nichts mit dem vorliegenden Geschäft zu tun hat, ging der Gemeinderat nicht weiter auf die Voten ein. Am Ende war es eine klare Sache: Die beiden Änderungsanträge wurden bachab geschickt, während der Antrag des Gemeinderats die Versammlung mit lediglich zwei Gegenstimmen passierte. Damit ist die Teilrevision beschlossene Sache.
Eine reine Formsache war die Revision des privaten Gestaltungsplans Nr. 4 «Birkenstrasse» in Wangen. Die Änderung sollte laut Gemeinderat den Fortbestand und die «angemessene» bauliche Erweiterung des bestehenden Gärtnereibetriebs ermöglichen. Die Anwesenden genehmigten das Geschäft einstimmig.
