Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Politik

Ausländer wollen sich die Ustermer Hüte nicht mehr leisten

Die Hutfabrik Charles Muller SA in Uster ist Konkurs. Doch Geschäftsleiterin Minna Susanna Leisi will weiter für den Erhalt der Traditionsmarke kämpfen.

Beim 100-Jahr-Jubiläum war die Welt für Minna Susanna Leisi noch in Ordnung.

Archivfoto: Nicolas Zonvi

Ausländer wollen sich die Ustermer Hüte nicht mehr leisten

Seit 1911 produzierte die Charles Muller SA in Uster Kopfbedeckungen und Accessoires, nun muss das geschichtsträchtige Unternehmen schliessen (siehe Box). Inhaberin Minna Susanna Leisi sagt zu den Gründen des Ruins: «Die Wirtschaftslage war schlecht. Der starke Franken lässt den Rubel und den Euro nicht rollen.» Der Blick auf die ausländischen Währungen kommt nicht von ungefähr: 80 Prozent ihrer Ustermer Produkte gehen ins Ausland. Von den rund 30 russischen Kunden sei ihr keiner geblieben. Über Umsatzzahlen möchte Leisi nicht sprechen.

«Wo ein Ende ist, ist auch ein Anfang»

Minna Susanna Leisi, Inhaberin Charles Muller SA

2015 ging’s bergab

Fünf Mitarbeiter, die bis zuletzt im Stunden- oder Stücklohn für die Hutfabrik gearbeitet haben, könnten nun nicht mehr beschäftigt werden, sagt Leisi. Die Misere habe bereits 2015 begonnen. Der Entscheid der Nationalbank, den Euro-Mindestkurs aufzuheben, hat sie schwer getroffen. «Die Nachricht ist wie eine Bombe eingeschlagen. Deutsche Zeitungen haben mit dramatischen Berichterstattungen über die Verteuerungen der Schweizer Produkte viele meiner Kunden verscheucht», so Leisi.

Hüte ab 200 Franken

Sie setze auf die «Nachhaltigkeit der Schweizer Produkte». Diese hat ihren Preis: 200 Franken kosten die günstigsten Hutmodelle, 2’500 Franken die teuersten. Auf der Webseite des Unternehmens werden die Hüte und Accessoires immer noch angeboten. Sie war bis vor kurzem einziger Verkaufskanal des Unternehmens für Privatkunden. Doch die Hauptabnehmer der Charles-Muller-Produktes waren Warenhäuser im In- und Ausland. In der Schweiz gehörten unter anderem Jelmoli, Globus oder Grieder zu ihren Kunden. Derzeit sind Verkäufe gemäss Auflagen des Konkursamtes wegen des laufenden Verfahrens untersagt.

«Der Glamour, die Kunst, das Modedesign. Das war jeweils alles sehr aufregend.»

Minna Susanna Leisi, Inhaberin Charles Muller SA

Aufregende Modeshows

Leisi schwärmt von vergangenen Geschäftstagen. Ihre Stimme blüht auf, als sie von der Teilnahme an der «Swiss Fashion Night» in der Schweizer Botschaft in Berlin erzählt. Charles Muller habe an diesem Anlass als eine von 13 Schweizer Labels die Diversität der Modeszene Schweiz repräsentiert. Ein weiterer Höhepunkt war für sie die Einladung an die «Innovation Fashion Week Lugano» im Frühjahr dieses Jahres.  Mit der gleichen Begeisterung erzählt sie von der Internationalen Messe für Angewandte Kunst und Design «Eunique» in Karlsruhe. Für ihr Unternehmen gingen dort zweimal täglich vier Models über den Laufsteg: «Der Glamour, die Kunst, das Modedesign. Das war jeweils alles sehr aufregend.»

Unternehmen verschwindet – Marke soll bleiben

Wie es weitergeht, weiss Leisi noch nicht. Erst will sie das Ergebnis des Liquidationsverfahrens abwarten (siehe Box). Aufgeben wolle sie aber keinesfalls, dafür bedeute ihr die Traditionsmarke zu viel. Deshalb könne sie sich auch einen Vertrieb der Charles-Muller-Produkte über eine andere Firma vorstellen. Sie glaubt, dass die Leute den Wert solcher Hüte heute wieder schätzen: «Den Kunden wird wieder bewusst, dass Hüte, die nach zweimal waschen kaputt gehen, auf Dauer nicht das Richtige sind.» Um den Konkurs abzuwenden, habe es leider nicht mehr gereicht, aber: «Wo ein Ende ist, ist auch ein Anfang», sagt Leisi.

 

Die Charles Muller SA
Im Jahr 1911 gründete der Hutmacher Karl Müller in Zürich die Firma Charles Muller. Das Unternehmen machte sich in seinen frühen Jahren im Inland mit Strohhüten einen Namen. Später folgte der Eintritt in den internationalen Markt. 2001 übernahm Minna Susanna Leisi den Betrieb. Bereits vor einem Jahr hatte die Unternehmerin die Produktionsstätte von Uster in die Ostschweiz verlegt. Eine der Massnahmen, um die Kosten zu senken, sagt Leisi.
Der Konkurs ihres Unternehmens musste dennoch im April eröffnet werden, dieser wurde Ende August «mangels Aktiven» eingestellt, wie aus dem Handelsregister zu entnehmen ist. Für Charles Muller SA bedeutete das die Einstellung der geschäftlichen Tätigkeiten. Am Freitag bekam Minna Susanna Leisi vom Konkursamt den Bescheid, dass das Konkursverfahren geschlossen und das Unternehmen aus dem Handelsregister gelöscht wird.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns