Stadtrat will Genossenschaft mit Darlehen unterstützen
Der Stadtrat Illnau-Effretikon hat eine klare Absicht, was aus dem Areal Gupfen mitten in Illnau werden soll. Seit 2017 ist die Stadt Eigentümerin des rund 5354 Quadratmeter grossen Areals zwischen Bahnhof Illnau und Kempttalstrasse.
Früher hat der Kanton dort einen Werkhof betrieben. Diesen hat er aber nicht mehr benötigt und das Grundstück deshalb für 4,5 Millionen Franken an die Stadt verkauft – mit der Auflage, ein der Öffentlichkeit dienendes Projekt zu realisieren. In den nächsten vier Jahren sollen dort 30 bis 40 barrierefreie Wohnungen, 18 Pflegeplätze, Gemeinschaftsräume, ein Ladenlokal und möglicherweise eine Arztpraxis entstehen.
«Wir haben von beiden Institutionen einen guten Eindruck erhalten.»
Ueli Müller, Stadtpräsident (SP)
Darlehen und Kredit
Im April 2017 ermächtigte das Parlament den Stadtrat, das Grundstück zu Selbstkosten an einen geeigneten Bauträger zu verkaufen. Diesen hat der Stadtrat in der Genossenschaft Sonnenbühl gefunden, welche die beiden Alterssiedlungen Rehbühl und Sonnental in Uster betreibt. Für den Kauf des Gupfen-Areals soll sie vorerst 550‘000 Franken zahlen. Für den Restbetrag von 3,95 Millionen Franken will der Stadtrat ein verzinsliches Darlehen gewähren. Dieser Betrag soll während einer Laufzeit von 16 Jahren amortisiert werden. « Das Darlehen der Stadt Illnau-Effretikon ist ein unverzichtbarer Baustein, um die Finanzierung des Bauprojekts sicherzustellen », sagt Werner Brühwiler, Geschäftsführer der Genossenschaft Sonnenbühl.
Für den Fall, dass die Stadt den Vertrag auflösen und einen Teil der Entwicklungskosten übernehmen müsste, sieht der Stadtrat einen Eventualkredit von 350‘000 Franken vor. Die Mietzinsen der Alterswohnungen dürfen nur die Kosten für die Erstellung und den Betrieb tragen jedoch keine Gewinnmargen. Für den Betrieb der Pflegeabteilung wird die auf Altersbetreuung spezialisierten Spectren AG / Almacasa zuständig sein. «Wir haben von beiden Institutionen einen guten Eindruck erhalten», sagt Stadtpräsident Ueli Müller (SP).
Wohnraum für ältere Bevölkerung
Dem Stadtrat biete sich auf dem Gupfen-Areal die Möglichkeit, neuen erschwinglichen Wohnraum für die ältere Bevölkerung zu schaffen. Das städtische Alters- und Pflegezenrum Bruggwiesen ist stark ausgelastet. Und zuletzt sind vor allem Alterswohnungen im höheren Preissegment entstanden wie etwa diejenigen im Seniorenzentrum Oase an der Brandrietstrasse in Effretikon. Der Bedarf nach Alterswohnungen und Pflegeplätzen in der Stadt sei nach wie vor gross, sagt Ueli Müller. Und Werner Brühwiler ergänzt: « Wir wollen nicht einfach günstige Wohnungen anbieten, sondern eine tragende Nachbarschaft initiieren, die ein gutes, selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter ermöglicht. »
«Wir stehen mit den Initianten für die Überbauung auf dem Gupfen-Areal in Kontakt und sind nach wie vor daran interessiert, an diesem Standort einen Supermarkt zu realisieren.»
Silke Seichter, Migros Genossenschaft Ostschweiz
Migros weiterhin interessiert
Im Nutzungskonzept des Areals Gupfen weiterhin vorgesehen ist ein Ladenlokal. «Da kann zusammen mit einem neuen Dorfplatz beim Volg ein zusammenhängendes Illnauer Zentrum entstehen», sagt Müller. Somit werde die Stadt gleich zwei Bedürfnissen gerecht. Demjenigen nach bezahlbarem Wohnraum im Alter und dem nach dem nach einem zentralen grossen Laden in Illnau.
Die Chancen, dass Illnau einen Migros erhält stehen gut. «Wir stehen mit den Initianten für die Überbauung auf dem Gupfen-Areal in Kontakt und sind nach wie vor daran interessiert, an diesem Standort einen Supermarkt zu realisieren», sagt Silke Seichter, Leiterin Baukommunikation der Migros Genossenschaft Ostschweiz. Der orange Riese ist schon länger auf der Suche nach einem Standort in Illnau und prüfte auch schon die leer stehenden Gewerberäume an der Stationsstrasse gegenüber dem Bahnhof. Aus Sicht der Migros war die Ladenfläche dort zu klein, die Anzahl Parkplätze zu gering und die Anlieferung zu kompliziert, weil es keine Rampe gibt.
Bezug 2022?
Der Antrag wird nun von der Geschäftsprüfungskommission des Grossen Gemeinderats unter die Lupe genommen und danach im Parlament behandelt. Danach ist ein Architekturwettbewerb vorgesehen. Bis Ende 2019 sollen eine rechtskräftige Baubewilligung und ein durch das Parlament genehmigter Gestaltungsplan inklusive konkreter Ausnutzung vorliegen. Vorgesehen sind auch Veranstaltungen zur Einbindung der lokalen Bevölkerung. Die Bauarbeiten würden bei optimalem Verlauf 2020 bis 2021 erfolgen. Dann wären die Wohnungen für 50 bis 80 Illnau-Effretiker spätestens 2022 bezugsbereit.