Mit dem Unterwasserlaufband gegen den Bandscheibenvorfall
Die 12-jährige Toller-Hündin Simcha läuft auf dem Unterwasserlaufband. Als Motivation erhält sie Leberaufstrich vor die Schnauze gehalten, die sie mit Genuss ableckt während sie im körpertiefen Wasser ein Pfötchen vors andere setzt. Auch ohne Belohnung würde Simcha im 32 Grad warmen Wasser laufen. Ob dies nur aus Freude an der Sache ist oder, ob Simcha versteht, dass es ihrer Gesundheit dient, ist schwierig zu beurteilen.
Die Hündin hat sich vor einigen Monaten beim Spielen einen Bandscheibenvorfall an der Lendenwirbelsäule eingefangen und musste operiert werden. Unter anderem mit dem Wasserlaufband ist es möglich, dass Simcha wieder ein normales Gangbild zeigt. «Die Therapie ist optimal, weil die Gelenke wenig belastet werden und sie bei der Neuerlernung des Laufens unterstützt», sagt Yvonne Geiger-Jakob , die Besitzerin von Simcha und Tierphysiotherapeutin, während sie die Hündin an einem Geschirr führt.
90 Prozent Hunde
Seit Juli betreibt Geiger-Jakob eine Praxis für Tierphysiotherapie in Egg an der Forchstrasse – gleich neben der Tierarztpraxis von Nico Kipfer. «Das hat sich so ergeben, weil die Räumlichkeiten frei gewesen waren und weil man so Synergien nutzen kann», sagt sie. Mit Kipfer arbeite die Tierphysiotherapeutin schon seit vielen Jahren zusammen. Zuvor hat Geiger-Jakob neun Jahre in Gockhausen in einer eigenen Praxis gearbeitet. Weil sie mit ihren vier Hunden schon oft am Pfannenstiel laufen gegangen sei, habe sie Egg auch deswegen schon gekannt.
Die 14-jährige Hündin Emma beim sensomotorischen Training. Dieses dient der Stabilisierung der gelenknahen Muskulatur und schult das Gleichgewicht, die Feinmotorik sowie die Koordination. Ähnliche Übungen würden bei vielen Krankheitsbildern angewendet. (Handyvideo: Jennifer Furer)
90 Prozent von Geiger-Jakob s Patienten seien Hunde, zehn Prozent Katzen. «Die meisten haben degenerative Gelenkerkrankungen, also etwa Arthrose oder Spondylose.» An zweiter Stelle stünden «postoperative Krankheitsbilder». Damit meint sie etwa Kreuzbandrisse und Frakturen. «Am dritthäufigsten behandle ich neurologische Krankheitsbilder. Das sind beispielsweise verschiedene Formen von Bandscheibenvorfällen oder Rückenmarksinfarkte.» Im Durchschnitt muss ein krankes Tier fünf bis sieben Mal in die Tierphysiotherapie. «Die Anzahl Sitzungen sind aber je nach Krankheitsbild unterschiedlich.»
Techniken aus der Humanphysiotherapie
Pro Tag behandle die Tierpyhsiotherapeutin durchschnittlich acht Tiere. «Welche Behandlungsformen angewendet werden, entscheide ich aufgrund des Krankheitsbildes und einer gründlichen physiotherapeutischen Untersuchung – gegebenenfalls in enger Absprache mit dem Tierarzt.» Die Tierphysiotherapie sei gleich wie die Physiotherapie bei Menschen aufgebaut. «Es werden funktionelle und strukturelle Störungen im Bewegungsapparat mit passenden Techniken behandelt», so Geiger-Jakob . Diese könnten teilweise eins zu eins aus der Humanphysiotherapie übernommen werden.
Dass aber nicht immer alles so abläuft wie mit dem Menschen, zeigt sich, als die 14-jährige Hündin Emma sich auf eine Liege legt, um einen Hexenschuss zu behandeln. Der Border Collie ist zwar gut erzogen und folgt den Anweisungen, ruhig liegen, bleibt sie aber vor allem wegen des Leberaufstrichs, den zuvor auch Simcha erhalten hat. «Es ist eine Win-win-Situation: Der Hund fühlt sich wohl, bleibt ruhig und ich kann die Behandlung vollziehen», sagt Geiger-Jakob während sie mit einem sogenannten Low-Level-Laser über den Rücken von Emma fährt. Dieser wirkt entzündungshemmend, baut die Gewebeschwellung ab und reduziert den Schmerz. «Ziel der Tierphysiotherapie ist es generell Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern, Bewegungsabläufe neu zu lernen und geschwächte Muskulatur aufzubauen», sagt Geiger-Jakob während sie Emma anschaut, die genüsslich an ihrem Leberaufstrich leckt.