Noah hat noch 70 Sekunden Zeit. Er muss seine Anmoderation aufs Papier bringen. Gar nicht mal so einfach. Radio-15-Chef Mathias «Betschi» Betschart hilft ein wenig bei der Formulierung nach. Noch 30 Sekunden. Betschart ruft «Aufnahme!» und hält Noah ein Diktiergerät unter die Nase, das Geschnatter ringsum verstummt. Noah spricht seine zwei Sätze, ein wenig unsicher, nicht perfekt, aber das muss reichen. Noch zehn Sekunden. Betschart stöpselt den USB-Stick aus dem Aufnahmegerät in den Computer, zieht die Datei auf die Playlist. Der Song ist gerade fertig, da klingt Noahs Stimme aus den Boxen. Gerade noch geschafft.
Es ist Freitagmorgen, und im Schulhaus Gschwader in Uster machen die Sechstklässler Radio. Also eigentlich tun sie das schon die ganze Woche. Aber nun läuft das, was die Kinder erarbeitet haben, live auf Radio 15. Der Ustermer Internetsender hat sein mobiles Studio, mit dem Radiochef Betschart durch die Region tourt und auch schon mal beim Getränkehändler halt macht, im Singsaal eingerichtet. Dazu mehrere Arbeitsplätze, an denen die Schüler ihre Beiträge schneiden. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen.
«In Wirklichkeit haben wir alles im Griff»
Mathias «Betschi» Betschart, Chef Radio 15
«Das sieht nur chaotisch aus, in Wirklichkeit haben wir alles im Griff», sagt Betschart und blickt in die Runde. Das ist natürlich alles relativ. Ein Laptop ist ausgestiegen, das Internet ist wegen des grossen Datenhungers regelmässig am Anschlag, und an einem der Arbeitsplätze hilft Radio-15-Mitarbeiter Stefan Fischer einem Mädchen-Trio, das seit Minuten vor sich hin fluchend versucht, eine Reportage sendefertig zu bekommen. Und wieso eigentlich der Umweg über das Diktiergerät, wo doch auf dem Tisch ein Profi-Mikrofon steht? «Das ist ausgestiegen», sagt Betschart schulterzuckend.
Jetzt geht er erst einmal eine rauchen, hinter dem Schulhaus, wo ihn die Kinder nicht sehen können. «Vorbildfunktion…», murmelt er und lacht. Als Betschart Sechstklässler war, da waren die richtig coolen Vorbilder Kettenraucher.

