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So unterschiedlich sind die Musikschulen im Bezirk Uster

Pro Gemeinde eine Musikschule – im Bezirk Uster ist das nicht so: Einige Gemeinden machen gemeinsame Sache und organisieren sich als Verein. Bei den Kosten gibt es grosse Unterschiede, wie auch beim Unterricht selber. In der Beliebtheitsskala schlägt Maur oben aus.

Nicht jede Musikschule ist gleich, wie ein Vergleich im Bezirk Uster zeigt.

Symbolfoto: Keystone / Christian Beutler

So unterschiedlich sind die Musikschulen im Bezirk Uster

Am 4. Juni wurde in Maur an der Gemeindeversammlung die Musikschule thematisiert. Konkret ging es darum, wie stark die Gemeinde die Musikschule subventionieren soll. Ab 2019 soll die Gemeinde 60 Prozent des Nettoaufwands übernehmen; der Antrag wurde einstimmig angenommen. «Die Subventionsquote ist im Vergleich zu anderen Gemeinden hoch», sagt Musikschulleiter René Vogelbacher. In Volketswil ist die Zahl nicht so hoch: «Offiziell subventioniert die Gemeinde die Musikschule mit 50 Prozent. In Wirklichkeit ist es leicht mehr», sagt der Volketswiler Musikschulleiter Ruedi Marty.

In Uster (Die Musikschule Uster Greifensee umfasst die Gemeinden Uster, Greifensee und Mönchaltorf, Anm. d. Verf.) bewegt man sich auf ähnlichem Niveau: «Die Elternbeiträge decken 50 Prozent der Kosten. Der Rest setzt sich aus Subventionen der Gemeinden und des Kantons zusammen», sagt Musikschulleiter Dominik Burger. Etwas weniger ist es in der Musikschule Region Dübendorf (dazu gehören die Gemeinden Dübendorf, Schwerzenbach, Wangen-Brüttisellen und Fällanden, Anm. d. Verf.), wie Musikschulleiterin Angelika Som auf Nachfrage sagt.

Geringe Fluktuation als gemeinsames Merkmal

Der Vergleich zeigt: Die Maurmer haben ein besonderes Verhältnis zu ihrer Musikschule. Doch warum ist das so? Vogelbacher sieht mehrere Gründe: «Im Lehrkörper gibt es fast keine Wechsel: Etwa die Hälfte der Musiklehrer ist länger als 15 Jahre dabei.» Ein knappes Drittel unterrichte bereits mehr als 20 Jahre. Die Lehrer würden sich bei der Arbeit wohl fühlen und seien relativ frei in der Gestaltung ihres Unterrichts. Das ist auch in Volketswil nicht anders. Marty sagt: «Viele unserer Lehrer bleiben bis zur Pensionierung. Es ist heutzutage aber auch nicht so einfach, eine neue Stelle als Musiklehrer zu finden.»

«Viele unserer Lehrer bleiben bis zur Pensionierung.»

Ruedi Marty, Musikschulleiter Volketswil

Der Maurmer Vogelbacher sieht in der geringen Fluktuation einen positiven Effekt: «Viele Eltern waren selber bei den entsprechenden Musiklehrern im Unterricht und kennen so die Schule. Nun schicken sie ihre Kinder zu den gleichen Lehrern.»

Maur hat prozentual am meisten Musikschüler

Auch bei den Schülern ist die Musikschule Maur beliebt, wie folgende Zahl zeigt: Laut Vogelbacher sind von den knapp 1000 eingeschulten Kindern etwa 40 Prozent auch in der Musikschule. Dies sei im Vergleich zu anderen Gemeinden eher hoch. In Volketswil sind es markant weniger: Dort gehen gemäss Marty knapp 25 Prozent der Schüler in die Musikschule. In Dübendorf sind es noch etwas weniger: «Rund 20 Prozent der Schüler sind in der Musikschule. Wir rechnen in den nächsten Jahren mit einem Anstieg», sagt Som. Aus Uster sind keine konkreten Zahlen verfügbar.

Bei den Semesterbeiträgen gibt es ebenso Unterschiede: Mit 630 Franken Schulgeld pro Semester befindet sich Maur im Mittelfeld: «Es ist schon so, dass die Nachfrage bei einer Erhöhung der Beiträge nicht allzu elastisch reagiert», so Vogelbacher. Mit 560 Franken sind die Beiträge in Volketswil etwas tiefer. Marty sagt: «Ob es einen Zusammenhang gibt, wie wohlhabend eine Gemeinde ist, kann ich nicht sagen. Aber in Volketswil würde man spüren, dass bei Erhöhung der Beiträge weniger Musikschüler kommen würden.»

Nach oben schlägt die Musikschule Uster Greifensee aus: «Bei uns kostet 30 Minuten Einzelunterricht 720 Franken pro Semester», sagt Burger. Die Gemeinden würden aber als Unterstützung für Familien auf Antrag Stipendienmöglichkeiten anbieten.

Freie Unterrichtsgestaltung und breites Angebot

Bei der Unterrichtsgestaltung gibt es unter den Musikschulen ebenso Unterschiede. In Maur werde nebst klassischem Intrumentalunterricht in Einzellektionen auch nach dem Modell «Multidimensionaler Unterricht» (MDU) gelehrt: «Dabei lernen Schüler zusammen in verschiedenen Räumen und mit verschiedenen Lehrern.» Zudem werde das Ensemblespiel gefördert um den Schülern die Welt der Musik auch in diesem Bereich zu öffnen. In Dübendorf wendet man das Modell ebenso an. Schulleiterin Som sagt: «Zirka zehn Prozent der Schüler nutzen das auch. Aber wir überlassen unseren Lehrpersonen die Entscheidung, wie sie unterrichten möchten. Uns ist ein möglichst breites Angebot an verschiedenen Unterrichtsformen und Methoden wichtig. »

Laut dem Volketswiler Musikschulleiter Ruedi Marty brauche es heute ein vielfältiges Angebot: «Gewisse Instrumente, wie zum Beispiel das Schlagzeug, machen nur in einer Band oder einem Ensemble Sinn.» In Volketswil versuche man das Angebot stets auszubauen, bekunde bei gewissen Sachen jedoch Mühe: «Es wird schwieriger, Schüler für einen Chor zu finden.» Marty sieht einen Grund darin, dass Schüler häufig noch anderen Freizeitaktivitäten nachgehen und somit weniger Zeit zur Verfügung hätten. Dem pflichtet Burger bei: «Die Schüler haben immer weniger Zeit und diese wird weniger planbar, bei Chören und Ensembles wird das manchmal schwierig.»

Kinder werden in Maur früh musikalisch gebildet

Die musikalische Grundausbildung beginnt in Maur früh: «Sie beginnt im zweiten Kindergarten und dauert bis zur dritten Klasse. Dies ist von der Form und der Dauer im Kanton Zürich einmalig», sagt Vogelbacher. In Volketswil dauert diese Phase nur die ersten beiden Schuljahre. «Wir bieten aber bereits im Kindergarten eine musikalische Früherziehung an, die recht gut besucht wird», sagt Marty.

«Die musikalische Grundausbildung in Maur ist in Form und Dauer im Kanton Zürich einmalig.»

René Vogelbacher, Musikschulleiter Maur

Bei der Musikschule Region Dübendorf sei es laut Musikschulleiterin Som so, dass über die Grundausbildung innerhalb der Volksschule jede Gemeinde selber entscheide: «Sie beginnt entweder in der ersten oder zweiten Klasse und dauert ein oder zwei Jahre.»

Blasinstrumente sind nicht mehr populär

In seiner langjährigen Tätigkeit in der Musikschule hat der Volketswiler Ruedi Marty Veränderungen beobachten können: «Es gibt nach wie vor viele Schüler, die ein Instrument lernen. Aber sie bleiben heutzutage viel weniger lang dabei.» In den vergangenen Jahren hätten die Anmeldungen stetig zugenommen, was laut Marty auch mit dem Wachstum der Gemeinde zusammenhängt. «Gemäss jüngsten Statistiken wächst die Zahl der Musikschüler nicht mehr so stark wie die Zahl der Schüler.»

«Ein Blasinstrument will heute fast niemand mehr lernen.»

Ruedi Marty, Musikschullehrer Volketswil

Sorge bereite ihm, dass viele Instrumente unbeliebt wurden. «Ein Blasinstrument will heute fast niemand mehr lernen. Demgegenüber hat das Klavier an Ansehen gewonnen.» Eine Rolle spiele dabei, wie viel Präsenz ein Instrument in der populären Musik erhalte. Eine weitere Veränderung erkennt Marty darin, dass die Schüler heute andere Musik lernen wollen. «Früher begann man ganz traditionell mit klassischer Musik. Das ist heute nicht mehr so bekannt.» Heute seien die Genres Pop und Rock gefragt. «Das bedeutet auch, dass die Lehrer flexibler sein müssen.»

Auch Burger hat diese Veränderungen festgestellt: «Das schafft zwischen den Instrumenten ein Ungleichgewicht und es fehlt der Nachwuchs für die Musikvereine.» Insgesamt habe aber das Fächerangebot zugenommen, was Burger begrüsst.

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