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Keine Grenzen zwischen Realität und Fiktion

Zuerst wirkt Martin Zimmermann ein wenig verträumt, doch bei näherem Betrachten erkennt man seine Genialität und Einzigartigkeit. Er bringt die menschliche Realität durch seine Gestik und Mimik auf die Bühne. Derzeit ist er am Zürcher Theater Spektakel zu sehen.

Der Wildberger Martin Zimmermann wollte schon als Kind ein Künstler werden., Er ist Schauspieler, Regisseur, Artist und Clown zugleich., Zimmermanns Physis ist bemerkenswert wandelbar.

Augustin Rebelez

Keine Grenzen zwischen Realität und Fiktion

Sein markantes Gesicht vergisst man nicht. Er reflektiert, zweifelt, probiert und denkt stets über den Tellerrand hinaus. Martin Zimmermann war schon in der Kindheit ein Kreativer. Bereits im frühen Kindesalter entdeckte er seine Leidenschaft für die Zauberei, den Tanz, das Jonglieren und bemerkte, wie gerne er auf der Bühne steht. «In der Kindheit wurde ich mal vom Frauenverein engagiert, um meine Show vorzuführen. Von da an war es wohl irgendwie klar, dass ich mein Leben auf der Bühne verbringen würde», sagt der heute 47-jährige Künstler aus Wildberg. Martin Zimmermann ist beinahe alles: Regisseur, Clown, Artist, Bewegungskünstler und nebenbei Vater eines zweijährigen Jungen.

Ereignisreiche Kindheit

Zimmermann kommt aus einer Familie von Käsern. «Meine Mutter wohnt noch da, ich habe leider nur selten Zeit vorbeizuschauen», sagt er, wenn man ihn auf seinen Heimatort Wildberg anspricht. «Die Landschaft ist wunderbar, beinahe idyllisch.» Er selbst wusste aber schon früh, dass es ihm in diesem Umfeld zu eng sein würde. Er wollte die Welt sehen, die Leute berühren und begeistern.

«Etwas Eigenes zu kreieren faszinierte mich schon immer, weshalb ich als 8-Jähriger mit meinen eigenen Auftritten der Zauberei anfing und im Zürcher Oberland bald viele Auftritte hatte». Er habe sich dabei ein gutes Taschengeld verdient. Als 14-Jähriger konnte er bereits mit dem Zirkus Knie mitreisen und hatte, nachdem er den Schweizer Talent Wettbewerb im Bernhard Theater gewann, eine eigene Agentin. Nur sein Vater hatte im Hinblick auf die Zukunft seines Sohnes ein paar Zweifel: «Er wollte unbedingt, dass ich eine Berufslehre absolviere, um etwas in der Tasche zu haben.» Diese fand Martin Zimmermann beim Jelmoli in Zürich, wo er Dekorationsgestalter lernte. Die Lehrzeit sei anstrengend und intensiv gewesen, diente ihm aber auch als Übungsfeld, auf dem er seine gestalterischen Talente beweisen konnte. «Als es noch kein Internet gab, waren die Schaufenster die Marketingplattformen.» Gearbeitet hat er auf dem Beruf jedoch keinen einzigen Tag. Seine künstlerische Laufbahn nahm bereits Formen an.

Bildungsjahre in Paris

Nach der Lehre ging Martin Zimmermann mit 20 Jahren an die Aufnahmeprüfung der renommierten Zirkusschule Centre National des Art du Cirque in Paris. Er wurde aufgenommen und verbrachte die nächsten zehn Jahre in Paris. «Zu Beginn war es hart, ein komplett neues Umfeld. Ich wurde sozusagen von der Provinz in die Weltstadt geworfen und mein Französisch war nur mässig.»

In Frankreich formte sich Zimmermann zum Künstler, erlernte mit Körper und Raum zu arbeiten. «Deswegen bin ich heute beinahe alles: Clown, Bühnenbildner, Choreograf und Regisseur. Auch meine Kostüme fertige ich gerne selbst.» Er war im ständigen Kontakt mit Kreativen, sog die Eindrücke wie ein durstiger Schwamm auf.

Er kennt die Gebrüder Freitag, spricht vom verstorbenen Surrealist und Künstler Kaspar Fischer oder Pippilotti Rist. In dieser Welt von Kreativen und Künstlern fühlt sich Zimmermann zugehörig. Auf sein zuhause angesprochen meint er: «Zuerst war es Wildberg und dann die ganze Welt.» Im Grunde spiele es keine Rolle wo er gerade ist, solange er die Bühne kennt, auf der er gerade steht. Mal ist es Tokio, mal New York oder Paris. Aber auch in Winterthur tritt er im Januar auf. «Ich würde auch gerne mal im Tösstal auftreten, wenn es ein richtiges Theater gäbe.» Wobei Martin Zimmermann von der Theaterszene nicht nur schwärmt: «Vieles findet in einer Art Schachteldenken statt.» Weshalb ihn ein spartenübergreifendes Festival wie das Zürcher Theaterspektakel besonders reizt.

Als Artist will er irritieren

Irritation ist gewünscht. Das Unerklärbare zieht ihn an. Genauso verhält sich der Künstler auf der Bühne. «Ich will die Zuschauer mit meinen Stücken auch mal zum Grübeln bringen, so dass sie sich fragen, ob wirklich alles so ist wie es ist, oder ob Umstände auf uns nur so scheinen, wie sie diese durch den eigenen Blick wahrnehmen», meint er schmunzelnd. «Eigentlich bin ich ein Clown, aber ein Clown ist eben mehr, als man gerne annimmt.» Viele würden bei einem Clown an ein Stand-Up-Comedian denken, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt. «Ein Clown ist eben alles. Traurig, lustig, kindlich, irre, verrückt, Objekt, Tier und Mensch. Auch Michael Jackson war ein Clown», sagt Zimmermann. Die französische Zeitung «Le Monde» nannte Zimmermann einst «Die perfekte Figur des Clowns».

Diese Ambivalenz verkörpert Martin Zimmermann sowohl als Person, wie auch mit seinen Stücken. «Ich mache Kunst, da gibt es eigentlich nichts zu verstehen.» Jeder der sie sieht, wird sich seine eigenen Gefühle und Gedanken dazu machen. Das Stück «Eins Zwei Drei», das er ab heute am Theater Spektakel in Zürich aufführt, könnte man nur schlecht in Worte fassen. Man muss es mit eigenen Augen sehen und wird feststellen, dass der Künstler trotzdem nicht ganz fassbar wird. Martin Zimmermann ist und bleibt ein Suchender, der sich ständig neu erfindet und stets etwas neues kreiert.

Das Stück «Eins Zwei Drei» wird am Zücher Theater Spektakel vom 23. bis 27. August aufgeführt.

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