Gigantisches Projekt – minimales Platzangebot
Draussen glänzt die Aluminium-Fassade, drinnen sind die meisten Wände und Böden noch matt vom Zement und Gips. Zurzeit werden im 130-Millionen-Bau des Bildungszentrums Uster (BZU) Böden verlegt und Elektroinstallationen eingerichtet. Das Dach ist mit Photovoltaik-Modulen zugedeckt. Vom Rohbau sieht man direkt auf das Provisorium der Kantonsschule Uster. Dieses soll bald keines mehr sein – denn die Container bleiben auch nach der Eröffnung des BZU nach den Frühlingsferien 2019 für den Schulbetrieb erhalten.
Das Problem: Das Gebäude wurde zu klein gebaut. Somit bleibt die Kantonsschule weiterhin teilweise im einstigen Provisorium, dem «Parkschulcampus», einquartiert (siehe Box).
Bau und Schülerzahlprognose
Auf der 29‘000 Quadratmeter grossen Fläche werden 151 Unterrichts- und Unterrichtsnebenräume, 57 Gemeinschafts-, Sport- und Nebenräume, 66 Verwaltungs- und Diensträume, Aussensitzplätze, Sportflächen und 170 Autoabstellplätze eingerichtet. Der Kantonsschule Uster stehen 22 Unterrichtsräume zur Verfügung, die sie sich mit der Berufsfachschule Uster teilt.
Laut der Prognose des kantonalen Mittelschul- und Berufsbildungsamtes war bei der Projektierung 2004 mit 450 Kantonsschülern beim Bezug des Neubaus zu rechnen. Als Basis dieser Annahme diente dem Amt das Ustermer Bevölkerungswachstum. Damals sei diese Entwicklung noch nicht absehbar gewesen, teilt die Behörde in einem Schreiben mit.
Aktuell sind es 632 Gymnasiasten, von denen zwei Drittel im BZU unterrichtet werden und der Rest im Parkschulhauscamp. Bis ins Jahr 2027 erwartet Rektor Patrick Ehrismann 1000 Schüler. Dieser Anstieg sei laut Ehrismann nur durch einen weiteren Ausbau des Parkschulhauscamps zu stemmen.
«Beinahe alle Zimmer sind durchgehend belegt.»
Patrick Ehrismann, Kantonsschulrektor Uster
Kantonsschulrektor Patrick Ehrismann ist froh über den zusätzlichen Platz. «Dort werden vor allem die jüngsten Gymnasiasten unterrichtet», sagt er, während der Begehung auf dem Dach. Hier erläutert Ehrismann, wie er sich eine Vergrösserung des Platzangebotes vorgestellt habe. «Gerne hätte ich noch ein drittes Obergeschoss mit einer grossen Aula gehabt, doch während der Planungsphase 2014 durfte das Gebäude wegen der Bauvorschriften nicht höher sein.»
Eng für Schüler und Lehrer
Im Laufe der Begehung sind die knappen Kapazitäten immer wieder Thema. Denn im BZU sind neben der Kantonsschule auch die Berufsfachschule Uster und die Höhere Berufsbildung Uster untergebracht. «Die Stundenplanung der Schulen musste so koordiniert werden, dass gemeinsame Nutzungen der Räume aneinander vorbeikommen. Somit sind beinahe alle Zimmer durchgehend belegt.»
Gerade beim Mittagessen in der Mensa sei das aber ein schwieriges Unterfangen und die Schüler müssten wohl zu kurzen Aufenthalten aufgefordert werden. Nicht nur die Schüler sind betroffen, auch die Lehrer können sich kaum üppig ausbreiten. Für 102 Kantonsschullehrer ist ein Lehrerzimmer von 130 Quadratmetern vorgesehen. Auch der rund 83 Quadratmeter grosse Aufenthaltsraum für die Schüler gibt Ehrismann zu denken: «Eigentlich müsste dieser für über 400 Schüler Platz bieten. Aber wir haben ja noch den Flur, der, mit Sitzgelegenheiten ausgestattet, als Aufenthaltszone dient.»
Falsche Prognosen
Die engen Platzverhältnisse ärgern den Rektor: «Der Kanton hat sich in der Prognose der Schülerzahlentwicklung in Uster über die Jahre gleich mehrmals geirrt und musste die Zahlen immer wieder nach oben korrigieren.»
Trotz diesem Umstand, überwiege aber bei ihm die Vorfreude auf den Bezugstermin im nächsten Mai. Ehrismann findet bei der Begehung auch immer wieder Gelegenheiten, dies anzumerken. Beispielsweise sollen in der Medienwerkstatt, dereinst ausgerüstet mit den modernsten Computern, Lektionen im bildnerischen Gestalten abgehalten werden. Für den Rektor wird dieser Raum der «Rolls Royce» im BZU. «In Verbund mit einem klassischen Fotolabor, das im Keller eingerichtet wird, lernen die Schüler aber auch die konventionelle Bildbearbeitung kennen», sagt er. Der Raum ist im alten Teil des Gebäudekomplexes untergebracht, wo Pfeiler, Boden- und Deckenkonstruktionen bestehen blieben. Der Übergang vom alten in den neuen Komplex ist äusserlich aber kaum augenfällig.
Als «Juwel» bezeichnet Ehrismann den weiträumigen Trakt, in dem dereinst die Aula sein wird. «Die Maturafeier kann hier aber nicht stattfinden, konzipiert ist der Raum nur für 200 Personen», sagt er. Die Feier müsse in der neuen Turnhalle stattfinden. Zwei Dreifach-Turnhallen werden im BZU integriert sein. Eine wurde saniert, die andere ist komplett neu – eine «Perle», wie Ehrismann sagt. Für einmal passe hier auch das Angebot mit den prognostizierten Schülerzahlen überein.
Container bleiben wichtig
Mit dem Umzug verschwinden auch 80 Container des Parkschulcampus. In 40 Lastwagenfahrten werden Container nach Winterthur verfrachtet, wo sie für ein Provisorium der Kantonsschule «im Lee» eingesetzt werden.
In Uster bleiben 320 Container. Diese ergeben in der Kombination 16 Klassenzimmer, Sekretariat, Mensa und andere Räume. Ehrismann hofft, dass die abtransportierten Container, oder Module wie sie vonseiten der Kantonsschule genannt werden, nach ihrem Einsatz in Winterthur wieder zurückkommen. «Ab 2022 wird die Kantonschule nach heutiger Einschätzung zusätzlichen Raum benötigen, dann brauchen wir die Module wieder.»
Der Weg der Kantonsschule Uster ins BZU
2005: Der Kantonsrat beschloss als Ersatz für die Kantonsschule in Dübendorf ein Schulhaus in Uster zu errichten: das Bildungszentrum Uster (BZU).
2007: Mit einem Architekturwettbewerb wird über das künftige Bauprojekt entschieden.
2009-2012: Der Kantonsrat bewilligte für den Neubau der Kantonsschule Uster einstimmig einen Kredit von 73,7 Millionen Franken. Der Regierungsrat beschloss einen Kredit für die Sanierung des bestehenden Berufsfachschulhauses, einschliesslich der erforderlichen Provisorien, von rund 55 Millionen Franken. Als Gesamtkredit stehen 128,7 Millionen Franken zur Verfügung.
2013: Das Provisorium «Parkschulcampus» wird eröffnet.
2016: Im April erfolgt der Spatenstich für das Bildungszentrum Uster. Es wird die Heimat für drei Schulen bilden: die Kantonsschule Uster, die Berufsfachschule Uster und die Fachhochschule Uster.
2019: Im Mai soll das BZU fertiggestellt sein.
