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Kritische Situationen mit Stand-up-Paddlern und Schwimmern

Die Schifffahrt Greifensee hat ein Problem: Stand-Up-Paddler versperren den Kursschiffen den Weg und zwingen diese oft zu Kursänderungen. Das Protokoll einer Rundfahrt mit kritischen Momenten.

Reger Betrieb auf dem Greifensee. Die Schiffskapitäne müssen wachsam sein. (Archivfoto: Mirjam Müller), Auch bei den Anlegestellen halten sich verboterweise immer wieder Stand-Up-Paddler auf. (Foto: David Marti) , Nik Scherer, Leiter der Abteilung Technik, Nautik und Schiffsführung; Benno Hüppi, Verwaltungsrat Schifffahrtsgenossenschaft Greifensee; Maurus Netzer, Kapitän (von links nach rechts) (Foto: David Marti) , Stefan Schmid, Geschäftsführer der SUP Greifensee vor der Badi Maur. Die SUP empfiehlt, Kursschiffe nur mit genügend Abstand hinter dem Schiff kreuzen. (Foto: David Marti)

Kritische Situationen mit Stand-up-Paddlern und Schwimmern

Schiffsteg Maur: Verbotsschild übersehen

Am Sonntagnachmittag kurz vor 14.30 Uhr liegt das Kursschiff «MS Stadt Uster» am Maurmer Schiffsteg bereit zur rund 80-minütigen Rundfahrt. Auch bereit ist ein junges Stand-up-Paddling-Pärchen für seinen Seeausflug. Gleich neben der Schiffanlegestelle wollen die beiden einwassern. Nik Scherer, Leiter der Abteilung Technik, Nautik und Schiffsführung der Schifffahrts-Genossenschaft Greifensee, spricht sie an: «Hallo zusammen, habt Ihr das Verbotsschild nicht gesehen? Von hier aus ist das Schwimmen und das Ablegen mit privaten Booten oder Brettern nicht erlaubt. Gleich 100 Meter weiter ist es aber kein Problem.»

Das Pärchen erwidert, sie hätten es nicht gesehen. Dass es zu gefährlich sei, hätten sie nicht gewusst, sagt der Mann. «Danke für das Verständnis», erwidert Scherer und läuft zufrieden aufs Schiff. «Meist sind die Paddler einsichtig. Wir haben ein gutes Verhältnis zu ihnen.» Es könne aber auch anders sein. Ein Kapitän, mit über 30-jähriger Erfahrung, sei vor rund drei Wochen von zwei Paddlern als «Arschloch» beschimpft worden, erzählt Scherer.

 

Stand-up-Paddlerin mit Hund im Weg

Heute ist Maurus Netzer Kapitän des Schiffs. Ruhig fährt er das Schiff vom Steg weg. Scherer zeigt indes auf eine Stand-up-Paddlerin, die sich mit ihrem Hund auf dem Brett in der Nähe des Schiffs befindet: «Viele denken, der Schiffsführer habe die Situation schon im Griff. Das ist heikel, denn das Schiff ist 30 Meter lang. Herr Netzer kann nicht wegfahren, wie er möchte», sagt Nik Scherer. Es sei schön, dass Herr Netzer verbal nicht darauf reagiert, bemerkt Scherer. «Ein anderer Kapitän hätte schon lange reklamiert.» Netzer lächelt. «Oft ist es auch kontraproduktiv, das Schiffshorn zu betätigen», sagt er, «dann fallen die Leute vor Schreck ins Wasser und geraten vielleicht in Panik.»

 

Badekappe als Erkennungshilfe fehlt

Während Netzer das Schiff ruhig über den spiegelglatten Greifensee steuert, analysiert Scherer die Situation auf dem Wasser. Rund 100 Meter vor dem Schiff bewegt sich ein Mann gemütlich schwimmend voran. Er schaut nicht zurück, während sich das 95-Tonnen-Gefährt von hinten nähert. «Es ist gefährlich, wenn Schwimmer keine farbigen Badekappen tragen. Insbesondere wenn der Sonnenstand tief ist und sich die Sonne in den Wellen spiegelt, kann er leicht vom Schiffsführer übersehen werden. Ein russisches Roulette für den Schwimmer», so Scherer.

Netzer weiss, wie solche Situationen zu bewältigen sind. «Ich fahre ein bisschen defensiver als sonst», kommentiert er die Situation. 50 Meter sei der Mindestabstand, den er zum Schwimmer einhalten müsse. Das «MS Stadt Uster» passiert den Athleten mit einigen Metern mehr als nötig.

Der Kapitän schätzt die Situation ein:

(Handyvideo: David Marti)

 

Verbotstafel in Fällanden völlig «vergilbt»

Scherer ist unzufrieden mit der Verbotstafel in Fällanden, die Schwimmern und Bootsbenutzern gilt. «Die sind völlig ‹vergilbt› und nicht mehr lesbar.» Zudem müssten sie weiter hinten stehen und mindestens in dreifacher Ausführung vorhanden sein, wünscht sich Scherer.

Neben der «vergilbten» Verbotstafel stehen einige Fischer am Steg und haben die Schnur eingezogen. Das sei wichtig, sagt Scherer. Ansonsten könne es sein, dass sich die ganze Angelschnur in der Schiffsschraube verheddert und der Angelhaken könne gar ein Leck in die Dichtung des Schiffs reissen.

 

Vorbildlicher Stand-up-Paddler

Beim Ablegen in Fällanden fällt ein Stand-up-Paddler auf, der auf seinem Brett steht und innehält. Kapitän Netzer lobt: «Das ist vorbildlich. Er wartet bis ich das Schiff gedreht habe – tipptopp.»

Schiffskapitän Urs Padel über die Herausforderungen auf dem Greifensee:

(Video vom 19. Juli 2018 : Simon Grässle)

Kinder im Gummiboot können nicht ausweichen

Auch die Anlegestelle in Niederuster ist gut besucht. «In Uster ist es ganz schlimm geworden, weil hier eine zweite Badi entstanden ist», sagt Scherer. Ihm sei aber klar, dass wenn im Greifensee irgendwo eine Bucht sei, die Leute dort baden gehen. «Das ist schwierig zu verbieten.»

Die meisten Badegäste halten Abstand zum Schiff. Zwei Kinder rudern im Gummiboot nahe am Steg auf der Stelle. «Die Kinder möchten zwar ausweichen, schaffen das aber nicht», sagt Kapitän Netzer. «Bei den Leuten mit Mietbooten ist oft ein Problem, dass sie nicht rudern können.» Netzer muss gerade auf den Steg zufahren, abdrehen und dann mit dem sogenannten «Pumpjet» das Schiff seitwärts anlegen.

Fazit: Zwar habe kein einziger Steg so angefahren werden können, wie es eigentlich üblich wäre, aber eine wirklich brenzlige Situation habe es auch nicht gegeben. Scherer wünscht sich zwar von den Stand-up-Paddler bessere Kenntnisse der Seevorschriften, sagt aber: «Die Leute wollen fun haben. Sie sollen dafür nicht eine Prüfung ablegen müssen.»

 

Das empfiehlt der SUP Greifensee

Geschäftsführer des SUP (Stand-up-Paddling) Greifensee ist Stefan Schmid. «Nik Scherer hat unsere Sicht in einem Kurs kennengelernt», sagt Schmid. Er teile auch seine Ansichten. «Dass Leute unvorbereitet auf den See gehen, ist ein Fluch.» Täglich kämen neue Leute dazu, denen wohl die Strassenverkehrsregeln bekannt seien, nicht aber jene, die auf See gelten. Auch gutes und sicheres Manövrieren sei so unmöglich.  «Die Leute unterschätzen den Sport völlig – auch physisch. Teilweise bekommen sie schon Krämpfe beim Aufblasen des Brettes.»

Schmid bietet Kurse für Gruppen an. Auch wegen der Hitze schlage er den Teilnehmer immer vor, die Lektionen in den Morgen- oder Abendstunden zu nehmen, so werde auch ein möglicher Konflikt mit der Schifffahrt vermieden. «Die Leute sind im Wasser oft zu sorglos. Ich muss auch immer wieder in Maur Paddlern sagen, dass gleich das Schiff anlegt.»

In seiner Broschüre mahnt der SUP die Kursbesucher zur Vorsicht auf dem See. So steht geschrieben:

  • Die Kursschiffe nur mit genügend Abstand hinter dem Schiff kreuzen.
  • Vortritt gewähren und freundlich winken.

 

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