Politik

Das ehemalige «Route 66» wird umgebaut

2015 musste das Route 66 aus seinem Domizil in der Hinwiler Wässeri ausziehen, weil gebaut werden sollte. Dazu kam es nicht. Anstatt dessen zieht jetzt ein Autohändler in das Gebäude.

Hier zieht bald ein Autohändler ein: Das ehemalige «Route 66» wird doch nicht abgerissen. (Foto: Seraina Boner)

Das ehemalige «Route 66» wird umgebaut

Es war einmal, da tanzten die Hinwiler im Industriegebiet: Die Rock-Bar «Route 66» öffnete 1998 ihre Türen in einer ehemaligen Fabrikhalle in der Wässeri. Ende 2015 schloss sie wieder. Unfreiwillig: Das Gebäude sollte abgebrochen und ein Neubau errichtet werden (wir berichteten).

Die Vetrag AG wollte auf dem Areal ein neues Logistikzentrum bauen. Sie ist zwar nicht Grundstückseigentümern, erwarb aber das Baurecht im Februar 2013 und hat dieses noch bis Ende 2065 inne. Das Bauprojekt für den Abbruch des heutigen Gebäude und den Bau des Logistikzentrums wurde 2015  eingereicht und 2016 bewilligt, wie die Abteilung Bau und Planung der Gemeinde Hinwil bestätigt. Die Bewilligung ist laut dem Hinwiler Bauamt drei Jahre und damit noch bis im Frühjahr 2019 gültig. Umgesetzt wurde das Projekt aber nie.

«Konkurrenz ist nicht nur schlecht»

Nachdem auch «Auto Zürich Oberland», das die andere Hälfte des Areals gemietet hatte, in eine neue Bleibe – keine 200 Meter Luftlinie von der alten entfernt – gezogen war, lag das gesamte Grundstück brach. Bis vor Kurzem.

Jetzt wird auf dem Areal endlich bebaut. Allerdings wird das ehemalige «Route 66» nicht, wie es die Baubewilligung erlauben würde, abgerissen, sondern umgebaut. Beziehungsweise ausgehölt: Es soll künftig dem Autohändler «Woods Automobile» als Geschäftssitz dienen.  

Die Lage sei für ihn gut, sagt Lokman Spahija der Inhaber von «Woods Automobile», das heute noch in Jona ansässig ist. «Hinwil eignet sich besser, um Autos zu verkaufen, als Jona. Zudem bin ich Grüninger, es ist für mich also auch näher.» Dass es in unmittelbarer Nachbarschaft schon diverse Autohändler hat, stört ihn nicht: «Konkurrenz ist nicht nur schlecht, sie hilft auch, sich zu entwickeln.» Er hätte sich überlegt, direkt das ganze Areal zu mieten. «Aber wir sind noch nicht so weit, das ist noch zu teuer.» Er hoffe, dass sich das «etwa in den nächsten fünf Jahren» ändern werde. Falls der Platz dann noch nicht anderweitig genutzt sei, würde er ihn gerne dazu mieten.

Interesse «sehr hoch»

Die Umbauarbeiten beschränken sich laut Spahija auf das Gebäudeinnere. Die Trennwände werden rausgerissen, der grosse Teil der ehemaligen Bar soll zu einem Showroom werden. «Oben behalten wir noch ein Büro für uns.» Aussen soll das Gebäude lediglich neu gestrichen werden. Der Umzug ist auf den 1. September geplant. Eröffnet werden soll Mitte September.

«Der Standort ist nicht sanierungsbedürftig. Man kann darauf bauen, sofern man den Aushub fachgerecht  begleitet und entsorgt»

Remo Bürgi, Mediensprecher des kantonalen Bauamts

Für den unbebauten, noch leeren und rund 5000 Quadratmeter grossen Teil des Grundstückes sei das Interesse «sehr hoch» und man befinde sich in Verhandlung mit diversen Interessenten, sagt der beauftragte Makler, Robert Steiger von Remax Commercial. «Dabei muss man natürlich auf die Bestimmungen der Bau- und Zonenordnung Rücksicht nehmen, wonach Grossläden, Fachmärkte, Einkaufszentren und Grosszentren sowie andere verkehrsintensive Einrichtungen nicht zulässig sind.» Was darunter zu verstehen sei, müsse fallweise von jedem Interessenten mit den Behörden abgeklärt werden. «Das dauert seine Zeit.» 

Der Boden ist belastet, aber ungefährlich

Wieso das ursprüngliche Projekt nicht umgesetzt wurde, dazu will die Baurechtsinhaberin Vetrag AG, beziehungsweise deren Treuhänderin, keine Stellung nehmen.

Das Grundstück befindet sich zwar im kantonalen Kataster der belasteten Standorte. Offenbar wurden bei Probebohrungen Belastungen im Untergrund gefunden. Diese seien aber ungefährlich, sagt Remo Bürgi, Mediensprecher der kantonalen Baudirektion. Laut Kataster handelt es sich um «nichtmineralische Fremdstoffe wie Metalle, Kunststoffe, Papier, verarbeitetes Holz, Textilien».«Der Standort ist nicht sanierungsbedürftig. Man kann darauf bauen, sofern man den Aushub fachgerecht  begleitet und entsorgt», sagt Bürgi.  

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.