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Verletzungen wegen E-Bike – vor allem ältere Personen triffts

E-Bike-Fahrer sind in immer grösserer Zahl unterwegs. Besonders bei älteren Personen ist das elektrische Rad beliebt, was sich auch in den Unfallzahlen niederschlägt. Für die Kantonspolizei ist mangelnde Vorbereitung ein Grund dafür.

Mit E-Bikes fährt es sich für viele leichter. (Foto: David Marti), Einer der Hot-Spots in Sachen E-Bike-Konflikte, befindet sich kurz vor dem «Städtli» in Greifensee. (Karte Google Maps), Mit E-Bikes fährt es sich für viele leichter. (Foto: David Marti), Mit E-Bikes fährt es sich für viele leichter. (Foto: David Marti), Mit E-Bikes fährt es sich für viele leichter. (Foto: David Marti), Mit E-Bikes fährt es sich für viele leichter. (Foto: David Marti)

Verletzungen wegen E-Bike – vor allem ältere Personen triffts

Am Greifensee um die Schiffsstation See in Uster sind am Sonntagmorgen viele Radfahrer unterwegs, auch solche auf E-Bikes. Das Ehepaar S. aus Uster tritt auf ihren elektrischen Rädern kaum in die Pedalen, trotzdem sind sie in zügigem Tempo unterwegs. Vor dem Veloständer beim Steg bremsen sie kurz und stellen ihre Zweiräder ab. Der Mann schliesst sie mit einem grossen Schloss zusammen. Es ist der 67-jährige Daniel S. aus Uster. Er sagt, er fahre fast täglich mit seinem E-Bike: «Ich war früher schon viel mit dem Velo unterwegs. Mit dem E-Bike fahren sich dieselben Strecken aber viel leichter als vorher.»

Seine Frau Monika fährt ein stärkeres E-Bike als ihr Mann – ein Modell des Typs S-Pedlec. Mit dessen Motorleistung und ihrer Beinkraft erreicht sie eine Geschwindigkeit bis zu 45 Stundenkilometer. «Früher habe ich meinen Mann nur von hinten gesehen. Heute muss er ordentlich strampeln um mit mir mithalten zu können», sagt Monika und lacht.

Laut einer Meinungsumfrage von Züriost, meinen Passanten und Velofahrer, dass E-Bike-Fahrer generell zu schnell fahren und meistens lautlos überholen:

(Video: Simon Grässle)

Boom bei E-Bikes

Beim Veloständer am Greifensee sind noch weitere elektrische Räder parkiert. Das ist kein Zufall: Wie Zahlen des Branchenverbandes Velosuisse zeigen, hält der Boom beim Verkauf der E-Bikes an. 2017 wurden rund 88‘000 verkauft – 75‘000 waren es noch 2016. Damit stieg die Zahl der verkauften E-Bikes innerhalb eines Jahres um über 16 Prozent, während mit rund 250‘000 Stück die Verkaufszahlen bei den herkömmlichen Velos nahezu stagnierte.

Die Entwicklung bei den Elektro-Fahrräder freut Daniel Bachofner, Leiter Verkehrssicherheit von Pro Velo Schweiz. Er sagt aber: «Auch wenn heute jede Velomarke auch E-Bikes anbieten, dominieren noch die mechanischen Velos im Strassenverkehr. Und so schnell werden die auch nicht von den elektrischen abgelöst werden.»  Die motorisierten Fahrräder, deren Verbreitung Pro Velo unterstützt, sprächen verschiedene Nutzergruppen an. «Ältere Leute, die jahrzehntelang das Velo nicht mehr aus dem Keller genommen haben – sie bilden die grösste Gruppe. Eltern, die froh sind, den schweren Kinderanhänger leicht mitziehen zu können. Oder ehemals sportlich Aktive, die im Alter nicht mehr so leistungsfähig sind.»

«Das Fahrverhalten eines E-Bikes gegenüber normalen Fahrrädern unterscheidet sich.»

Carmen Surber, Mediensprecherin Kantonspolizei Zürich

Mehr Velos – mehr Unfälle

Mit der Zahl der verkauften Velos, steigt aber auch die Zahl der Unfälle. Im letzten Jahr gab es im Kanton gar zwei Tote E-Biker zu beklagen (siehe Box). Carmen Surber, Sprecherin der Kantonspolizei Zürich, sagt: «Das Fahrverhalten eines E-Bikes gegenüber normalen Fahrrädern unterscheidet sich; einerseits vom Gewicht anderseits wegen der höheren Geschwindigkeit.»

Spezielle Geschwindigkeitskontrollen für E-Bikes gebe es nicht, sagt Surber von der Kapo. Das ein E-Biker-Fahrer von einem Radarkasten erfasst wird und «Geblitzt» wird, könne vorkommen. Aber genauso wie bei den anderen Velofahrer gelte: «E-Bikes müssen nicht mit einem Tacho ausgestattet sein, weshalb keine Ordnungsbussen für Geschwindigkeitsüberschreitungen ausgesprochen werden können.»

Die meisten Verunfallten sind laut Statistik älter als 45-jährig (siehe Box). Surber will aber nicht von einer Gefahr sprechen, die von älteren E-Bikern ausgeht: «Es kommt vor, dass ältere Personen, die schon länger nicht mehr im Strassenverkehr unterwegs waren, sich ein E-Bike kaufen und sich dann unvorbereitet  in den Strassenverkehr begeben.»

 

Unfallstatistik im Strassenverkehr mit E-Bikes 2017 im Kanton Zürich. (In Klammer 2016)
Getötete 2 (0)
Schwerverletzte 34 (34)
Leichtverletzte 160 (98)

 

Verunfallte E-Biker nach Alter im Kanton Zürich. (In Klammer 2016)
0-24 Jahre 25-44 Jahre 45-64 Jahre 65+
8 (5) 22 (20) 52 (37) 36 (22)

 

Fahrkurse für die Älteren

Die Kantonspolizei bietet deshalb auch seit rund drei Jahren kostenlose Fahrkursen für Personen ab 60 Jahren an. Theoretische und praktische Lektionen sind Teil des Kurses: «Die Teilnehmer erfahren unter anderem wo überall Gefahren lauern. Zum Beispiel, dass ein E-Bike gegenüber einem normalen Velo schwerer und schneller ist, was zu einem längeren Brems- und Anhalteweg führt», sagt Surber.

Von den Fahrkursen haben Daniel S. und Monika schon gehört, sie fühlen sich aber im Strassenverkehr sicher: «Wir bewegen uns fast ausschliesslich auf Radwegen und ‹kopflos› Velo gefahren sind wir noch nie», sagt Daniel. Für ihn geht die Gefahr von den Rennvelo-Fahrern aus, die in oft mit hoher Geschwindigkeit überholen: «Die sind in etwa gleich leise, wie E-Bikes, haben aber keine Klingel.»

«Heute kann ich locker zwei  Stunden fahren und es fühlt sich an wie 20 Minuten.»

Damian Medrano, E-Bike-Fahrer

Auch Damian Medrano aus Zürich ist mit dem E-Bike unterwegs. «An so einem heissen Tag hätte ich mir das auf einem herkömmlichen Rad nie angetan», sagt der 58-Jährige. Zudem mache sein Knie nicht mehr alles mit. «Heute kann ich locker zwei  Stunden fahren und es fühlt sich an wie 20 Minuten – auch dank des bequemen Sattels.» Er sei früher viel auf Rennvelos unterwegs gewesen, sagt Medrano. «Ich traue mir auch bei hohen Geschwindigkeiten zu, rechtzeitig reagieren zu können.»

Im Schnitt seien die E-Bike-Fahrer nicht viel schneller als die auf herkömmlichen Velos, sagt Bachofner. «Messungen im Strassenverkehr haben ergeben, dass Leute mit den langsamen E-Bikes nur 2 bis 3 Stundenkilometer schneller unterwegs sind. Für einige bedeutet der Umstieg auf das elektrische Rad aber tatsächlich eine Tempoerhöhung von 15 auf 25 Stundenkilometer.»

Auch früher wurde «frisiert»

Ausschlaggebend seien aber ganz oft die Krafteinsparung und die längeren Distanzen, welche das E-Bike zum «idealen Verkehrsmittel»  machen würden. Das trifft nicht für das beschlagnahmte manipulierte E-Bike in Uster zu (siehe Box), mit dem bis zu 90 Kilometer pro Stunde gefahren werden konnte.

Bachofner sagt zu diesem Vorfall: «Mit genügend Fachwissen ist es möglich, die elektronische Steuerung des Motors zu manipulieren und die ganze Energie in kurzer Zeit herauszuziehen. Das Velo ist aber nicht für solche Geschwindigkeiten gemacht, insbesondere die Bremsen nicht.» Dass «Burschen» gerne an Motoren herumschrauben, sei ja nicht neu: «Wir haben früher unsere Benzin-Töfflis ‹frisiert›», sagt er amüsiert.

Zwei Polizeifälle aus dem Zürcher Oberland:

  • Im Juni ereignete sich in Rüti auf dem Verbindungsweg zwischen der Werkstrasse und dem Schleipfiweg, eine Kollision zwischen einem Schüler, der sich mit dem Fahrrad auf dem Schulweg befand und einer entgegenkommenden E-Bike-Lenkerin. Bei der Kollision stürzten beide Beteiligten, wobei sich der Schüler leichte Verletzungen zuzog, wie die Gemeindepolizei Rüti mitteilte.
    Das Fahrrad wurde dabei beschädigt. Die unbekannte Fahrradlenkerin erkundigte sich gemäss ersten Erkenntnissen kurz nach dem Befinden des Jugendlichen, setzte ihre Fahrt jedoch anschliessend trotz den Verletzungen des Knaben fort. Nach dem Zeugenaufruf stellte sich die Frau bei der Polizei. Die Lenkerin wurde verzeigt und der Fall liegt nun bei der Staatsanwaltschaft See-Oberland.
     
  • Während einer Patrouillenfahrt im Stadtzentrum von Uster anfangs März fiel zwei Stadtpolizisten ein E-Bike-Fahrer auf, welcher kein Kontrollschild an seinem motorisierten Fahrrad angebracht hatte. Im Zuge der darauffolgenden Kontrolle stellte sich heraus, dass es sich um ein herkömmliches Mountainbike handelte, aus welchem ein nicht konformes E-Bike konstruiert wurde.Das Fahrrad sei daraufhin sichergestellt worden, um es einer detaillierten Prüfung zu unterziehen, hiess es vonseiten der Polizei.
    Diese nachträgliche Kontrolle des technischen Verkehrszuges der Kantonspolizei Zürich ergab, dass das E-Bike eine Geschwindigkeit von über 90 km/h erreichen kann und über keine Typengenehmigung verfügt. Der fehlbare Lenker muss sich nun vor der Staatsanwaltschaft See-Oberland verantworten.

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