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Des einen Freund, des anderen Feind

Kurt Spillmann (SVP) kehrt dem Stadtrat nach 16 Jahren den Rücken. Mit ihm geht der umstrittenste Exekutivpolitiker Dübendorfs in den Ruhestand.

Kurt Spillmann vor der Fassade des Erweiterungsbaus. (Foto: Nicolas Zonvi), Kurt Spillmann, im Hintergrund der Erweiterungsbau. (Foto: Nicolas Zonvi), November 2016: Nach massiver Kritik am Sozialamt gibt der Stadtrat die Schaffung einer Ombudsstelle bekannt. Im Bild (von links): Kurt Spillmann, der damalige Stadtpräsident Lothar Ziörjen (BDP) und Stadtschreiber Martin Kunz. (Foto: Christian Merz), Kurt Spillmann an der diesjährigen Feier für die 80-jährigen Dübendorfer. (Foto: Nicolas Zonvi), Ein kleines Stück Dübendorf unter der spanischen Sonne. (Screenshot: Google Maps), April 2016: Grundsteinlegung für den Erweiterungsbau des Alters- und Spitexzentrums (von links): Dübendorfs Sozialvorstand Kurt Spillmann, Gemeinderats-VizepräsidentHanspeter Schmid, Stadtpräsident Lothar Ziörjen und Zentrumsdirektor Daniel Guggisberg verewigen sich im Beton. (Foto: Martin Liebrich), Und gleich nochmals die Feier zum Baubeginn. (Foto: Martin Liebrich), Kurt Spillmann und Patrizia Burkhard (Leiterin des Sozialamts) in der provisorischen Asylunterkunft in der Zivilschutzanlage bei der Sportanlage Im Chreis, Februar 2016. (Foto: Daniela Schenker)

Des einen Freund, des anderen Feind

Kurt Spillmann muss nicht lange überlegen, wo er für sein Abschiedsporträt fotografiert werden möchte. Das Alters- und Spitexzentrum soll es sein. Denn die Erweiterung und Sanierung der Alterseinrichtung am Stadtrand von Dübendorf ist sein Baby. Er übernahm das Geschäft einst von seinem Stadtratskollegen Martin Bäumle (GLP/GEU), begleitete eine grundlegende Projektänderung, wehrte Kritik ab, wonach der 39-Millionen-Bau zu teuer und nicht zeitgemäss sei – und verbuchte schliesslich im September 2014 an der Urne einen klaren Erfolg. Heute ist ein grosser Teil der Arbeit abgeschlossen.

Als Lügner bezeichnet

Beim Gang durch das Alterszentrum wird Kurt Spillmann alle paar Meter von Bewohnern oder Mitarbeiterinnen freundlich begrüsst. Er bleibt stehen, wechselt ein paar Worte, fragt nach dem Befinden. Gerade bei den Senioren kommt seine joviale Art gut an. Wenn einmal im Jahr zur Ehrung der 80-Jährigen eingeladen wird, dann läuft er zur Höchstform auf und lässt es sich nicht nehmen, nach dem Zürcher Geschnetzelten mit Reis und Rüebli allen Anwesenden das sonnenblumengelbe Frotteetuch mit gestickten Logo der Stadt Dübendorf persönlich zu überreichen. Die Jubilare freuen sich über die Wertschätzung, einige nennen Spillmann respektvoll «Herr Stadtrat».

Doch diesen Respekt erhält er längst nicht von allen. Denn Spillmann hat sich in seiner Laufbahn viele Feinde gemacht. Da war etwa die Polemik um den Austritt der Stadt Dübendorf aus den Sozialen Diensten für Erwachsene im Bezirk Uster (SDEU). Spillmann war als Sozialvorstand Wortführer und damit mittendrin. «Ich wurde damals als Lügner bezeichnet», erinnert er sich. Dies weil Einsparungen prognostizierte, die Gegner aber bis heute vom Gegenteil überzeugt sind. Spillmann schüttelt den Kopf: «Wir sparen damit jedes Jahr Geld. Aber das ist nur ein Nebeneffekt, es ging von Anfang an vor allem darum, Doppelspurigkeiten zu vermeiden und das Angebot zu verbessern.»

Die Volksabstimmung gewannen Spillmann und der Stadtrat am 1. Juni 2008 knapp – und mit einem Schönheitsfehler. Der Bezirksrat klopfte der Dübendorfer Exekutive auf die Finger, weil diese in der Weisung mit falschen Zahlen operiert hatte. Aus Verfahrensgründen musste die Abstimmung aber nicht wiederholt werden.

«Die Entwicklung der Sozialhilfe läuft in eine falsche Richtung.»

Kurt Spillmann, alt Stadtrat

Fünf Jahre später der nächste Austritt, diesmal aus der Skos, der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe. Spillmann war als Präsident der Sozialbehörde wieder im Fokus und musste einiges an Kritik einstecken, erhielt aber auch viel Lob aus rechtsbürgerlichen Kreisen. Seine Standpunkte legte er auch im «Club» des Schweizer Fernsehens dar. Damals wie heute ist Spillmann der Meinung, dass die Entwicklung der Sozialhilfe in eine falsche Richtung läuft.

«Natürlich soll ein 58-Jähriger, der immer gearbeitet hat, wegen Sparmassnamen entlassen wurde und keinen Job mehr findet, Sozialhilfe bekommen», sagt Spillmann. «Doch wenn ein junger, gesunder Mensch doppelt so viel Geld erhält wie jemand, der den ganzen Tag an der Kasse im Supermarkt steht – und dann noch den Zahnarzt finanziert bekommt und keine Steuern zahlen muss, dann stimmt doch etwas nicht.» 

SP: Klienten werden abgeschreckt

André Csillaghy, der Fraktionspräsident der Dübendorfer SP, sieht das Ganze ein wenig anders. Er macht Spillmann verantwortlich für eine Entprofessionalisierung des Sozialamtes, weil bewusst kein entsprechend ausgebildetes Personal angestellt werde. Für Spillmann ist diese Aussage «ein Märchen der Linken». Er weist darauf hin, dass ein Sozialamt in Anbetracht der immer komplexeren Fälle breit aufgestellt sein müsse, «und deshalb auch Juristen oder kaufmännische Angestellte gebraucht werden». Csillaghy hingegen ist wie viele Politiker links der Mitte überzeugt davon, dass auf dem Dübendorfer Sozialamt Klienten bewusst schlecht behandelt würden, um diese abzuschrecken.

April 2016: Grundsteinlegung für den Erweiterungsbau des Alters- und Spitexzentrums (von links): Dübendorfs Sozialvorstand Kurt Spillmann, Gemeinderats-Vizepräsident Hanspeter Schmid, Stadtpräsident Lothar Ziörjen und Zentrumsdirektor Daniel Guggisberg verewigen sich im Beton.

Spillmann wischt auch diesen Vorwurf beiseite. Sozialhilfe sei keine Hängematte, sagt er. «Wer etwas will, muss auch etwas leisten.» Für Csillaghy passt dieses Prinzip aber nur für einen Teil der Klientel. «Viele Leute landen auf dem Sozialamt, weil sie psychische Probleme haben, nicht weil sie faul sind», gibt er an. «Und da ist ‚fordern und fördern‘ kontraproduktiv.» Er kenne jemanden, der aus Angst vor dem Gang aufs Dübendorfer Sozialamt in eine andere Gemeinde umgezogen sei. « «Dort bekam er sofort Hilfe, wurde professionell unterstützt und ist nun wieder selbstständig.» 

Die Zähne ausgebissen

Patrick Angele, der für die Juso/SP von 2006 bis 2014 im Gemeinderat sass, gehörte zu den leidenschaftlichsten Gegnern Spillmanns;  an ihm biss er sich im Parlament regelmässig die Zähne aus. Denn eines kann man einem Kurt Spillmann nicht vorwerfen: dass er von seiner Meinung abweicht. Statt auf die Kritik seiner Gegner einzugehen, konnte er seine eigenen Argumente für oder gegen eine Sache über eine Ratsdebatte hinweg mehrmals wiederholen – einfach mit zunehmender Gereiztheit. Für Spillmann waren diese Abnützungswortgefechte zuweilen «sehr mühsam», wie er sagt. «Da arbeitet man Hunderte Stunden in Kommissionen zusammen mit Fachleuten an einem Geschäft, und wenn man das Projekt in den Gemeinderat bringt, dann sitzen da auf einmal 10, 15 Experten und mäkeln an jedem Detail herum.»

Eine Zusammenarbeit sei aufgrund Spillmanns «fehlender Diskussionsbereitschaft» nie möglich gewesen, bedauert Angele. Spillmann sei ein «Parteisoldat», der mit den Leuten, denen er wohlgesinnt ist, durchaus gentlemanlike umgehe. «Allen anderen gegenüber kann er sehr kühl und abweisend begegnen.»

«Spillmanns Verhalten war im höchsten Mass respektlos, ja unmenschlich.»

Patrick Angele, ehemaliger SP/Juso-Gemeinderat

Es sei aber vor allem ein Vorfall gewesen, der ihm viel über die Person Kurt Spillmann verraten habe. Nach Kritik an den Lebensbedingungen in der Asylunterkunft an der Schlossstrasse habe eine Begehung zusammen mit zwei Pfarrern und dem Redaktor der Lokalzeitung stattgefunden. «Als ich gesehen habe, wie der damalige Amtschef mit Spillmanns Rückendeckung mit den Asylsuchenden umging, war ich schockiert», erinnert sich Angele. «Und auch Spillmanns Verhalten war im höchsten Mass respektlos, ja unmenschlich.»

Spillmann als politischer Ziehvater

«Unmenschlich? Auf keinen Fall!», sagt Gemeinderat Guido Schwegler. Sicher, Spillmann habe eine harte Linie verfolgt und sei immer kostenbewusst gewesen. Doch sowohl Sozialhilfebezüger wie auch Asylbewerber hätten stets das bekommen, was ihnen zusteht. «Und er hat sich auch nie despektierlich über sie geäussert.»

Guido Schwegler kennt Spillmann seit vielen Jahren. Er war mit ihm in der Feuerwehr, dann in der Autopartei, die später zur Freiheitspartie wurde, sass mit ihm im Dübendorfer Gemeinderat, folgte ihm in die SVP. Spillmann sei für ihn stets eine Art politischer Ziehvater gewesen – und auf persönlicher Ebene ein Freund, mit dem er auch schon zusammen in den Ferien war, an der Costa Brava im Nordosten Spaniens, wo Spillmann etwas ausserhalb des Fischerorts Palamos ein Ferienhaus hat, mit (ausgemustertem) Dübendorfer Ortsschild am Gartenzaun.

Spillmann versteht die spanische Sprache gut, und nach einer Woche klappt es auch mit der Konversation. Aber mit den Einheimischen politisieren? «Nein», lacht Spillmann, das dann doch nicht. Mit dem Fotografen, einem Argentinier, der ihn frech duzt und auf Spanisch  Witzchen macht, ist er gleich auf einer Wellenlänge. Er verlangt nach seiner Visitenkarte und verspricht ihn für Aufträge in seinem Bekanntenkreis zu empfehlen – die Bilder hat er zu diesem Zeitpunkt noch nicht gesehen. Der Fotograf ist aufgenommen im Team Spillmann.

«Kurt Spillmann wurde von seinen Gegnern immer missverstanden.»

Guido Schwegler, Gemeinderat SVP

«Kurt Spillmann ist ein geselliger, humorvoller Mensch», sagt Guido Schwegler, «gleichzeitig ist er sehr ehrgeizig und pflichtbewusst. Und er braucht praktisch keinen Schlaf.» Schwegler erinnert sich an einen nächtlichen Feuerwehreinsatz, nach dem Spillmann praktisch direkt zur Arbeit ging. «Wir haben ihn am nächsten Tag in seinem Geschäft besucht, aber da war er voll konzentriert und hatte keine Zeit zum Reden.» Er kenne keinen, der Beruf und Freizeit so konsequent trenne wie er.

«Typisch Spillmann»

Für Guido Schwegler ist klar: «Kurt Spillmann wurde von seinen Gegnern immer missverstanden, man hat ihm Erfolge nicht angerechnet.» Als Beispiel nennt er Dübi-Jobs, ein Programm, das die schrittweise Integration von Sozialhilfebezügern in den ersten Arbeitsmarkt beinhaltet. Die Stadt Dübendorf erhielt für das Programm Applaus aus der Öffentlichkeit, die Medien berichteten wohlwollend, und aus anderen Gemeinden kamen Delegationen vorbei, ums sich das «Erfolgsmodell», wie es da und dort genannt wurde, genauer anzusehen.

Dass Kurt Spillmann dabei die Lorbeeren anderen überlassen habe, ist laut Schwegler typisch für ihn. Stattdessen habe er sich im Hintergrund bei den Dübendorfer Gewerblern dafür eingesetzt, damit diese den Sozialhilfebezügern eine Chance geben.

«Die Institution ist top aufgestellt», sagt Spillmann, «wir haben in den vergangenen Jahren hunderte Ausgesteuerte in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt», «Die tiefe Sozialhilfequote von einem Prozent sagt doch alles, oder?» Natürlich gebe es Leute, die nicht mehr integriert werden könnten. «Denen geben wir eine Tagesstruktur, damit sie etwas zu tun haben und nicht nur zu Hause rumsitzen.» Am meisten freue er sich, wenn ihn ein ehemaliger Sozialhilfebezüger anrufe und erzähle, dass er nun wieder auf eigenen Füssen stehe.

Die Stadtrat-Macher

Ein Weggefährte Spillmanns ist auch Gemeinde- und Kantonsrat Orlando Wyss, der mehrere Jahre Präsident der Dübendorfer SVP war. Die beiden sind in Schwamendingen zusammen aufgewachsen, waren im Unterstützungsclub des dortigen Fussballvereins. Wyss war es, der Spillmann bei einem Mittagessen vorschlug, zur SVP zu wechseln. Viel Überzeugungsarbeit musste er nicht leisten.

Zwar hatte Spillmann in der Autopartei einen fulminanten Start hingelegt – er wurde gleich an der ersten Parteiversammlung, die er besuchte, zum Präsidenten der Dübendorfer Sektion gewählt –, gehörte zu den Wortführern in der Kantonalpartei und hatte den Einzug in den Dübendorfer Gemeinderat geschafft. Doch Anfang der Nullerjahre hatte die Partei ihren Zenit überschritten, es gab interne Querelen. Und gegen «unnötige Tempo-30-Zonen» und den Abbau von Parkplätzen konnte er genauso gut in der SVP kämpfen. Nicht zu vergessen Wyss‘ Versprechen: «Wenn du zu uns kommst, machen wir dich zum Stadtrat.» Und so kam es dann auch im Jahr 2002; noch vier Jahre zuvor hatte er als Kandidat der Freiheitspartei keine Chance gehabt.

«Nach einer gewissen Zeit merkt man einfach, dass die Luft ein wenig draussen ist»

Kurt Spillmann

Wyss regt sich darüber auf, wenn Spillmann als «Parteisoldat» bezeichnet wird. «Wenn jemand ein Amt ausführt, dann sollte man schon merken, in welcher Partei er ist. Kurt Spillmann hat immer seine Linie verfolgt und wollte – im Gegensatz zu vielen anderen Politikern in der Exekutive – nie allen gefallen.» Die Folge davon war, dass Spillmann ausserhalb der SVP wenig Zustimmung erhielt und deshalb bei den Wahlen immer auf einem der hinteren Plätze landete – mit Ausnahme von 2006, als er von seiner Kandidatur für das Stadtpräsidium profitierte, letztlich aber Lothar Ziörjen (BDP) unterlag. 

Spillmann selbst bezeichnet es als selbstverständlich, gegenüber seiner Partei loyal zu sein. Dies führte auch dazu, dass er nach drei Legislaturen vier weitere Jahre anhängte, weil die SVP 2014 mit der Nachfolgeregelung noch nicht bereit war. «Ich hatte eigentlich genug, nach einer gewissen Zeit merkt man einfach, dass die Luft ein wenig draussen ist», sagt Spillmann. «Doch dann habe ich es eben durchgezogen.» Diese Extrarunde sei vielleicht der einzige Fehler in seiner politischen Laufbahn gewesen, sinniert er.

Wyss glaubt nicht, dass die vielen Anfeindungen mitverantwortlich sind für Spillmanns Rückzug aus der Politik. «Ich bezweifle, dass er deswegen auch nur eine schlaflose Nacht hatte.» Spillmann bestätigt das. Seine Frau habe ihn immer wieder gefragt, wieso er sich das antue. Seine Antwort: «Wenn man Kritik nicht erträgt, gehört man nicht in die Politik. Man darf die Angriffe einfach nicht persönlich nehmen.»

Die Facebook-Affäre

Der langjährige Gemeinderat Bruno Fenner (BDP) ist sich nicht so sicher, ob das auch stimmt. «Ich vermute, das hat ihn schon belastet», sagt er. «Denn man hat immer nur das Schlechte gesehen.» Spillmann habe möglicherweise nicht immer das beste Händchen mit dem Personal gehabt. Etwa als vor rund zweieinhalb Jahren bekannt wurde, dass die Leiterin des Dübendorfer Sozialamts auf Facebook fremdenfeindliche Posts geteilt hatte. «Kurt Spillmann hat an ihr festgehalten», sagt er. «Ich hätte sie entlassen.»

November 2016: Nach massiver Kritik am Sozialamt gibt der Stadtrat die Schaffung einer Ombudsstelle bekannt. Im Bild (von links): Kurt Spillmann, der damalige Stadtpräsident Lothar Ziörjen (BDP) und Stadtschreiber Martin Kunz.

Für Spillmann war diese «Facebook-Affäre» eine turbulente Zeit, die bis zum Ende seiner Amtsperiode nachklang. «Es war sicherlich nicht glücklich, was sie gemacht hat», resümiert er. «Aber ich kenne diese Frau seit vielen Jahren, sie leistet ausgezeichnete Arbeit, hat hervorragende Qualifikationen.» Dass die Linken sie zur «Zielscheibe einer Hetzkampagne» gemacht hätten, sei nicht in Ordnung.

Bruno Fenner hat Spillmann von zweiverschiedenen Seiten kennengelernt. «Im Parlament drang die alte SVP-Schule durch, da war er manchmal ein Polteri, undiplomatisch, einer, der Andersdenkende mit seiner Art auch schon mal brüskiert hat.» In der Baukommission für das Alters- und Spitexzentrum hingegen habe er die Bekanntschaft mit einem Kurt Spillmann gemacht, der angenehm im Umgang, ja feinfühlig und sensibel sei. «Als Kommissionspräsident hat er stets kritisch nachgefragt und immer darauf geachtet, dass die Kosten nicht überborden.»

Das Ende zu Hause im Bett

«Kostenmässig läuft beim Alters- und Spitexzentrum alles nach Plan», sagt Spillmann. Er freut sich auf die Eröffnung im September 2019. Denn es habe ihn immer gestört, dass Menschen, die jahrzehntelang in Dübendorf gewohnt und Steuern gezahlt hätten, im Alter aus Platzgründen in einer Einrichtung in einer anderen Gemeinde platziert werden mussten. Damit sei nun bald Schluss. «Wir haben für viele Jahre genügend Kapazität und verfügen über ein topmodernes Haus, wo die älteren Leute mit ihren Bedürfnissen bestens aufgehoben sind.»

Sehnt sich Spillmann am Ende gar danach, selber ins Alterszentrum einzuziehen? Er lacht. «Nein. Da bin ich wohl wie die meisten anderen Menschen auch. Ich wünsche mir, möglichst lange zu Hause bleiben zu können. Und irgendwann möchte ich dann am Abend ins Bett gehen – und am Morgen nicht mehr aufwachen.»

Der Berufs- und Privatmann
 
Kurt Spillmann begann seine berufliche Laufbahn mit einer kaufmännischen Lehre im Bereich Konfektion. Danach wechselte er in die Erdölbranche und übernahm mit 23 Jahren den Gemüsehandel der Familie, den er zunächst mit seinem Vater weiterbetrieb: «Spillmann & Sohn», der Sohn war er. Im selben Jahr heiratete er. Eigene Kinder, an die er das Geschäft hätte weitergeben können, hat Spillmann nicht. Deshalb verkaufte er es vor einigen Jahren an einen Mitkonkurrenten. «Der Zeitpunkt hat einfach gepasst», sagt er dazu. Seither arbeitet Spillmann für einen grossen Gemüsehandel im Aussendienst.
 
Der Rollenwechsel vom Chef zum Angestellten habe ihm keine Probleme bereitet. Und die Aussicht auf ein Leben als Rentner, mit er eigentlich im kommenden Januar beginnen könnte? Ein, zwei Wochen mehr Ferien mit seiner Frau Marianne, häufiger mit dem Hund spazieren gehen, und vielleicht ein wenig mehr Zeit für Fernsehsport, das ja. Aber rumsitzen? «Nein», sagt Spillmann, «ich werde mit einem reduzierten Pensum in meinem Job weiterarbeiten.» tba

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