Des einen Freund, des anderen Feind
Kurt Spillmann muss nicht lange überlegen, wo er für sein Abschiedsporträt fotografiert werden möchte. Das Alters- und Spitexzentrum soll es sein. Denn die Erweiterung und Sanierung der Alterseinrichtung am Stadtrand von Dübendorf ist sein Baby. Er übernahm das Geschäft einst von seinem Stadtratskollegen Martin Bäumle (GLP/GEU), begleitete eine grundlegende Projektänderung, wehrte Kritik ab, wonach der 39-Millionen-Bau zu teuer und nicht zeitgemäss sei – und verbuchte schliesslich im September 2014 an der Urne einen klaren Erfolg. Heute ist ein grosser Teil der Arbeit abgeschlossen.
Als Lügner bezeichnet
Beim Gang durch das Alterszentrum wird Kurt Spillmann alle paar Meter von Bewohnern oder Mitarbeiterinnen freundlich begrüsst. Er bleibt stehen, wechselt ein paar Worte, fragt nach dem Befinden. Gerade bei den Senioren kommt seine joviale Art gut an. Wenn einmal im Jahr zur Ehrung der 80-Jährigen eingeladen wird, dann läuft er zur Höchstform auf und lässt es sich nicht nehmen, nach dem Zürcher Geschnetzelten mit Reis und Rüebli allen Anwesenden das sonnenblumengelbe Frotteetuch mit gestickten Logo der Stadt Dübendorf persönlich zu überreichen. Die Jubilare freuen sich über die Wertschätzung, einige nennen Spillmann respektvoll «Herr Stadtrat».
Doch diesen Respekt erhält er längst nicht von allen. Denn Spillmann hat sich in seiner Laufbahn viele Feinde gemacht. Da war etwa die Polemik um den Austritt der Stadt Dübendorf aus den Sozialen Diensten für Erwachsene im Bezirk Uster (SDEU). Spillmann war als Sozialvorstand Wortführer und damit mittendrin. «Ich wurde damals als Lügner bezeichnet», erinnert er sich. Dies weil Einsparungen prognostizierte, die Gegner aber bis heute vom Gegenteil überzeugt sind. Spillmann schüttelt den Kopf: «Wir sparen damit jedes Jahr Geld. Aber das ist nur ein Nebeneffekt, es ging von Anfang an vor allem darum, Doppelspurigkeiten zu vermeiden und das Angebot zu verbessern.»
Die Volksabstimmung gewannen Spillmann und der Stadtrat am 1. Juni 2008 knapp – und mit einem Schönheitsfehler. Der Bezirksrat klopfte der Dübendorfer Exekutive auf die Finger, weil diese in der Weisung mit falschen Zahlen operiert hatte. Aus Verfahrensgründen musste die Abstimmung aber nicht wiederholt werden.

