In Dübendorf ist man empört über Veröffentlichung
Vergangene Woche machte SVP-Nationalrat Andreas Glarner auf Facebook publik, dass an der Abschlussfeier einer Jugendorganisation in einer kleinen Aargauer Gemeinde angeblich keine Cervelats auf den Grill gelegt werden dürften – aus Rücksicht auf die muslimischen Kinder. Es folgte eine heftige Debatte, in der Glarner Islamhetze vorgeworfen wurde. Gleichzeitig meldeten Facebook-User weitere Fälle von angeblichen «Schweinefleisch-Verboten».
Am Sonntag nun doppelte der SVP-Hardliner nach und veröffentliche auf Facebook eine Klassenliste mit 12 Namen, von denen nur ein einziger auf eine Schweizer Herkunft schliessen lässt. Das betreffende Mädchen dürfe wohl keinen Cervelat mitbringen, schrieb Glarner dazu. Und: «Schweizer, wacht auf!» Sogleich wurden gehässige Kommentare laut, die Glarner der Propaganda auf dem Rücken unschuldiger Kinder bezichtigten. In der Nacht auf Montag entfernte Glarner schliesslich den Beitrag.
«Wir veröffentlichen keine Namen»
«Wir sind empört», sagt Susanne Hänni (GLP/GEU), Präsidentin der Primarschule Dübendorf. «Es gibt keinen Anlass, die Primarschule Dübendorf in diesem Zusammenhang zu erwähnen.» Gemäss Hänni hätten sich auch mehrere Eltern gemeldet.
Woher er die Klassenliste hat, macht Andreas Glarner gegenüber den Medien nicht bekannt. Dem «Blick» sagte er nur, dass man solche Angaben im Internet finde.
Das sei in Dübendorf «ganz sicher» nicht der Fall, betont Hänni. «Wir veröffentlichen keine Namen von Schülern, die Klassenliste wird lediglich an die Eltern der Klasse abgegeben. Wir behalten uns rechtliche Schritte vor.»
Über Glarners These der Überfremdung schüttelt sie nur den Kopf. Die Liste sei allein schon deswegen nicht aussagekräftig, weil es sich dabei lediglich um einen Auszug handle. «Die Klasse besteht nicht nur aus 12, sondern aus 22 Schülerinnen und Schülern.»
Glarner entschuldigt sich
Am Montagnachmittag entschuldigte sich Glarner auf seiner Facebookseite bei den Betroffenen für die Veröffentlichung der Liste. «Damit bin ich zu weit gegangen», schreibt er, «darum habe ich den Post auch wieder gelöscht.»
Petition auf Campax
Auf der Internet-Seite Campax werden unter dem Namen «Untragbar! Zurücktreten!» mittlerweile Unterschriften für Glarners Rücktritt gesammelt. «Nationalrat Andreas Glarner ist ausser seiner Cervelat nichts heilig. Nicht einmal Kinder sind vor seiner fremdenfeindlichen Hetze sicher», schreibt Andreas Freimüller (48), Präsident des Vereins Campax.
Die Petition soll anschliessend SVP-Parteipräsident Albert Rösti übergeben werden.
