Theater Winterthur soll zur AG werden
Das Theater Winterthur ist mit rund 780 Sitzplätzen das grösste Gastspielhaus der Schweiz. Mit aktuell jährlich mehr als 150 Vorstellungen von renommierten nationalen und internationalen Bühnen hat es gemäss Stadtpräsident Michael Künzle eine hohe Bedeutung für die Kulturstadt.
Noch ist das Theater Winterthur Teil der Stadtverwaltung und in das Departement Kulturelles und Dienste integriert. Das soll sich aber bald ändern. In einer dringlichen Motion forderte der Gemeinderat im Januar 2016 die Verselbstständigung des Kulturhauses. Zweieinhalb Jahre nahm sich der Stadtrat Zeit, eine entsprechende Vorlage ans Parlament auszuarbeiten. Das Theater soll in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Das Gebäude hingegen bleibt im Stadtbesitz. Diesen Donnerstag stellten Stadtpräsident Michael Künzle, kulturelle Bereichlseiterin Nicole Kurmann, Theaterdirektor René Munz und Projektleiter Otto Grosskopf das Vorhaben vor.
«Grosse Chance»
«Für das Theater Winterthur ist das eine grosse Chance», betonte Theaterdirektor René Munz. Die Ausgliederung ermögliche es dem Kulturhaus auf organisatorischer Ebene mehr Handlungsspielraum sowie eine bessere Verankerung und Vernetzung zu erzielen. Nach dem Rückgang der Publikumszahlen in den letzten fünf Jahren sei dies notwendig. Viele Abläufe könnten vereinfacht, die Personal- und Finanzplanung flexibler gestaltet, das Marketing und Fundraising gestärkt und Sponsoren und Gönner dazugewonnen werden. «Damit wir weiterhin ein künstlerisch hochwertiges Gastspieltheater betreiben können, braucht es diese Verselbstständigung», so Munz.
Stadtpräsident Michael Künzle erklärt die Umsetzungsvorlage im Video. (Video: Stadt Winterthur)
Michael Künzle weist auch darauf hin, dass mit einer Verselbstständigung des Theater Winterthurs um 3.5 Stellen aufgestockt wird. Dies in den Bereichen Marketing, Vermittlung und Administration. Schliesslich werde der Stadtrat mit der Theater Winterthur AG einen Leistungs- und Subventionsvertrag abschliessen, in welchem die gegenseitigen Leistungen, Rechte und Pflichten sowie die Bedingungen der Zusammenarbeit im Rahmen der Verordnung geregelt sind. «Pro Jahr beziehungsweise Spielzeit wird die Stadt das Kulturhaus mit Subventionen in der Höhe von 4.25 Millionen Franken unterstützen», so der Stadtpräsident. Heute seien es noch rund 400’000 Franken weniger.
Das Volk entscheidet
Die vom Stadtrat verabschiedete Umsetzungsvorlage soll in zwei Etappen geschehen. Zunächst erfolgt die Gründung der Aktiengesellschaft «Theater Winterthur AG», die mit einem Kapital von 1.5 Millionen Franken aus der Stadtkasse ausgestattet wird. Danach wir das Kapital um 750’000 Franken erhöht und die Aktiengesellschaft für andere Gemeinwesen und Private geöffnet. Weil die AG nicht gewinnorientiert ist, muss sie keine Steuern zahlen.
Noch liegt die Vorlage beim Parlament. Danach wird das Volk in einer Abstimmung über die Änderung der Rechtsform entscheiden. Sollte es zu einem Ja kommen, wird noch die Genehmigung durch den Regierungsrat benötigt. Die Stadt strebt an, mit neuer Trägerschaft für das Theater Winterthur ab August 2019 starten zu können.