Schwimmbad-AG schlittert in den Konkurs
Noch vor sieben Jahren hatte der Geschäftsführer der Wetziker Schwimmbad-Zubehör AG ehrgeizige Pläne: Zwei neue Filialen wollte er zu den bereits existierenden Standorten in Martigny, Lugano und Bern eröffnen. Zwar verzeichnete der Spezialist für Zubehör und Technik für Schwimmbäder und Whirlpools, der in jenem Jahr den 50. Geburtstag feierte, damals kaum Wachstum. Aber dank seiner gut betuchten Kunden bewegte sich der Umsatz seit Jahren auf dem Niveau von sieben Millionen Franken.
«Wir sind in einer absolut luxuriösen Lage», erklärte der damalige Geschäftsführer, Jean-Marie Thurnherr, im Jubiläumsjahr gegenüber dem ZO/AvU. Die Konkurrenz sei klein, einen Preiskampf gebe es nicht. Man sei in einem Bereich tätig, in dem Geld keine Rolle spiele. «Wir durchleben eine richtig schöne Zeit», so der Chef, der damals noch 32 Mitarbeiter beschäftigte.
«Die Firma hatte Liquiditätsprobleme, aber war nicht überschuldet.»
Herbert Hennicken, Ex-Geschäftsführer
Bis heute beschreibt sich die Schwimmbad-Zubehör AG auf ihrer Website als «erfahrenster Poolbauer» und «erfahrenste Schwimmbadfirma der Schweiz». Doch die Zeiten haben sich geändert: Inzwischen ist die Firmenhomepage verwaist. Vor drei Wochen wurde der Konkurs über das Unternehmen eröffnet, das 1961 gegründet worden war und seinen Hauptsitz in Wetzikon hatte. Im Moment wird sie liquidiert, das Inventar verkauft.
Angestellte gut aufgehoben
Dass es dem Unternehmen finanziell schon nicht mehr gut ging, wusste Herbert Hennicken, als er die Firma Anfang Juli letzten Jahres mitsamt der Geschäftsführung übernahm. «Die Firma hatte Liquiditätsprobleme, aber war nicht überschuldet. Ich hatte die Hoffnung, das Ruder nochmals herumreissen zu können», sagt er. Geklappt hat das Vorhaben nicht.
Der 52-jährige Südtiroler, der für das Gespräch eine vierstündige Fahrt von Kastelruth ins Zürcher Oberland auf sich genommen hat, wirkt geknickt. Er sitzt auf einem schwarzen Barstuhl im Poolshop der Konkurrenzfirma Woodtli Schwimmbadtechnik, die ausgerechnet auch in Wetzikon ansässig ist und im Frühling seine Angestellten sowie die Wartungskunden seines Unternehmens übernommen hat. Dass es ihm nicht gelungen ist, die Firma zu retten, habe ihn schwer enttäuscht. «Gleichzeitig bin ich sehr froh, dass zumindest die Angestellten jetzt gut aufgehoben sind», so Hennicken.
Immer mehr Fehler passiert
Die Gründe für das Scheitern liegen lange vor der Übernahme durch Hennicken. Als er im Sommer 2017 zur Firma stiess, gehörte dieser nur noch die Filiale in Wetzikon. Jene in Martigny und Lugano hatten sich bereits selbständig gemacht, die Berner Filiale war schon geschlossen worden. Von den 35 Mitarbeitern, die im Jubiläumsjahr 2011 noch für die jetzt liquidierte Firma gearbeitet hatten, waren nur zehn übrig geblieben.
«Wir hatten mehrere Fälle, die wir nicht sauber abschliessen konnten, weil uns das Geld fehlte.»
Herbert Hennicken
Und diese schafften es auf den Baustellen offenbar nicht, tadellose Arbeit zu leisten. «Im handwerklichen Bereich haben sich immer mehr Fehler eingeschlichen», so Hennicken. «Weil die Architekten nicht zufrieden waren mit der Ausführung der Arbeiten, spülte uns das zu wenig Geld in die Kasse. Und schliesslich hatten wir mehrere Fälle, die wir nicht sauber abschliessen konnten, weil uns das Geld fehlte.»
Im Februar habe er noch kurzfristig ein Sanierungskonzept ausgearbeitet, sagt Hennicken, und bis zuletzt habe man versucht, die offenen Rechnungen der Lieferanten zu begleichen, um den Konkurs abzuwenden. Geschafft habe man das am Ende nicht. «Ich habe keine Möglichkeit mehr gesehen, die Firma wieder in ruhiges Fahrwasser zu bringen.»
Der Vater begann in der Garage
Auf gesunden Füssen steht hingegen die Firma, die Hennickens Angestellte übernommen hat. In den letzten fünf Jahren konnte die Firma Woodtli Schwimmbadtechnik ihren Umsatz um 60 Prozent steigern, und regelmässig gewinnt sie auf nationaler und europäischer Ebene Preise für besonders schön gebaute Schwimmbäder. Geschäftsführer Erich Woodtli hat die Firma 2009 von seinem Vater Otto übernommen, der sie 1993 in Gossau gegründet hatte. «Mein Vater hat lange als Schwimmbadtechniker für die Schwimmbad-Zubehör AG in Wetzikon gearbeitet. Als man ihm dort kündigte, machte er sich vor 25 Jahren in der Garage unseres Hauses selbstständig», erzählt Woodtli.
«Es hätte genug Arbeit für alle gehabt.»
Erich Woodtli, Geschäftsführer Woodtli Schwimmbadtechnik
Gute Freunde seien die beiden Schwimmbad-Firmen in all den Jahren darum nie geworden. Aber besonders gross sei die Konkurrenz auch nicht gewesen: «Es hätte genug Arbeit für alle gehabt», sagt er. «Das Problem war und ist viel mehr, dass man in der Schwimmbadbranche die Fachkompetenzen fast nicht aufbringen kann, die man benötigt.»
Bereits vor drei Jahren hatte Jean-Marie Thurnherr, der ehemalige Geschäftsführer der Schwimmbad-Zubehör AG, offenbar den Kontakt zu Woodtli gesucht. «Er suchte schon damals einen Käufer für die Firma», erinnert sich Woodtli. Der Preis, der ihm angeboten wurde, sei dabei völlig überrissen gewesen. «Ich lehnte ab, weil in der Firma zu wenig Fachkompetenz vorhanden war und weil die Integration der Mitarbeiter eine zu grosse Herausforderung gewesen wäre», so der 47-Jährige.
Es gibt zu wenig Fachkräfte
Auch Herbert Hennicken ist inzwischen davon überzeugt, dass seine Firma an der mangelnden Fachkompetenz der Mitarbeiter am meisten krankte. In den letzten zehn Jahren hatte die Schwimmbad-Zubehör AG viermal den Besitzer gewechselt, und über viele Jahre hinweg verliessen auch geschulte und erfahrene Mitarbeiter das Unternehmen – unter anderem, weil sie pensioniert wurden. «Man ist in dieser Branche nur so gut wie die eigenen Mitarbeiter auf der Baustelle. Die Leute, die weggingen, nahmen viel Know-how mit. Und die Firma hat nicht früh genug reagiert, um das zu kompensieren», sagt Hennicken.
«Wir brauchen in Zukunft mehr Fachleute und viel, viel Zeit.»
Erich Woodtli
Woodtli kennt die Schwierigkeiten der Branche schon lange. Schwimmbadtechniker müssten über viele verschiedene Bereiche Bescheid wissen, und diese seien sehr komplex. Weil es kein fest umrissenes Berufsbild gebe, könne man auch keine Lehre anbieten. Ideal sei, wenn jemand einen Hintergrund als Sanitär sowie als Elektriker vorweisen könne.
«Man kann den Job des Schwimmbadtechnikers nicht lernen. Wenn langjährige Mitarbeiter in Pension gehen, ist das für jede Firma in der Branche eine Herausforderung. Wir brauchen in Zukunft mehr Fachleute und viel, viel Zeit», sagt Woodtli. Im Moment arbeite man denn auch an einem neuen Ausbildungskonzept, um die Winterzeit besser für Weiterbildungen zu nutzen. «Wir erzielen 70 Prozent unseres Jahresumsatzes zwischen März und August. Aber ein Facharbeiter will zwölf Monate im Jahr arbeiten, nicht nur ein halbes Jahr.»
Die Katze im Sack gekauft
Die hohe Erwartungshaltung der vermögenden Kunden sieht Woodtli als weiteres Problem der Branche. «Die Kunden haben durchaus Verständnis, wenn ihr Auto erst in fünf Wochen in die Garage gebracht werden kann. Aber das Schwimmbad muss unbedingt noch am selben Tag repariert werden», sagt er. Im Sommer stehe das Telefon in seinem Büro zu keiner Zeit still. «Es ist für uns im Moment sehr schwierig, Termine einzuhalten.»
Auch Hennicken hat inzwischen wieder alle Hände voll zu tun: Im Südtirol ist er Miteigentümer einer Produktionsfirma für Dampfbadbau und Spezialbauteile für Schwimmbäder. Die Firma verkauft ihre Produkte international und verbucht jährlich leichte Zuwachsraten, sagt Hennicken. Über der Frage, ob der Kauf der Schwimmbad-Zubehör AG vor einem Jahr etwas naiv gewesen sei, verwirft er die Hände. «Selbstverständlich habe ich da die Katze im Sack gekauft. Aber wenn man etwas bewegen will, muss man auch etwas riskieren. Mir war schon klar, dass mir nichts auf dem goldenen Tablett serviert wird.»