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Dreck, Steuern und Alterswohnung

Die Stadt Uster führte im Jahr 2017 eine Zufriedenheitsanalyse ihrer Einwohner durch. Fazit: Die Ustermer bemängeln die Steuerattraktivität, das Angebot an Alterswohnungen und die Sauberkeit am Bahnhof. Mehrheitlich gab es aber Lob für die Arbeit der Stadt.

Die Sauberkeit ist für die Befragten vor allem am Bahnhof Uster ein Problem. (Foto: Archiv), Auch die Steuerpolitik der Stadt stösst nur auf mässige Gegenliebe. (Foto: Mike Gadient), Alterswohnungen, wie die in der Wohnsiedlung Kreuz in Uster, dürfte es für einige Ustermer noch mehr haben. (Archivfoto: Nicolas Zonvi)

Dreck, Steuern und Alterswohnung

Eine Umfrage zu beantworten, dafür nimmt sich nicht jedermann Zeit. Der Fragebogen zur Einwohnerzufriedenheit, den die Stadt an 1200 Haushalte geschickt hatte, umfasst 75 Fragen, was die Motivation einiger Bürger nicht gerade angeheizt haben dürfte. Umso erstaunlicher ist das Ergebnis: 285 haben geantwortet, was einer Rücklaufquote von 24 Prozent entspricht (siehe Box).

«Der Steuerfuss ist akzeptabel, die Stadt investiert viel.»

Markus Ehrensperger, Gemeinderat (SVP)

Die Infrastruktur der Stadt, das Freizeitangebot und die Arbeit der Stadtverwaltung stiess auf breite Zustimmung. Was die Ustermer hingegen nicht besonders goutierten, ist die Steuerpolitik der Stadt. Diese schnitt nur mittelmässig ab. Die Aussage «Die Behörden tun alles, damit die Stadt ein attraktiver Steuerort ist» wurde besonders stark angezweifelt. Es gab zwar eine leichte Verbesserung gegenüber der letzten Erhebung von 2013, dennoch bleibt das Niveau nur mittelmässig. Stadtschreiber Daniel Stein sagt zum Ergebnis: «Möglicherweise kommuniziert die Stadt nicht genügend gut über ihre Aktivitäten. Wobei es gerade in Steuerfragen wohl immer schwierig ist, die Leute wirklich zufrieden stellen zu können.» Man dürfe einfach nicht vergessen, dass die Stadt kontinuierlich wachse und sowohl die Infrastruktur als auch das öffentliche Angebot mitwachsen müsse. «Dieses Wachstum ist wünschenswert, hat aber ihren Preis», so Stein.

«Ältere Menschen werden mobiler und bewegen sich auch auf dem freien Mietmarkt.»

Anita Bernhard, Abteilungsleiterin Gesundheit

Das sieht auch Gemeinderat Markus Ehrensperger (SVP) so: «Uster steht im Vergleich mit anderen Gemeinden gut da. Der Steuerfuss ist akzeptabel, die Stadt investiert viel. Es ist ein Geben und ein Nehmen.» Der Ustermer SP-Präsident Matthias Stammbach fasst es kurz zusammen: «Die Steuerbelastung richtet sich nach den Aufgaben, die die Stadt innehat.»

Die Umfrage liess auch Platz für persönliche Bemerkungen der Befragten Ustermer. Ein paar davon sind hier aufgeführt:

  • Mitarbeiter jeglicher Abteilungen sind immer sehr freundlich und bemüht – das zeugt von einer guten Arbeitgeberin. Bravo, Stadt Uster!
  • Dualstrategie was ist das?
  • Bis jetzt habe ich noch nicht mit der Gemeinde telefoniert, ich gehe persönlich vorbei.
  • Mehr Angebot für 30- bis 50-Jährige. Zum Beispiel Restaurants und Bars zum «chillen».
  • Wann kommt der geplante Sandstrand in der Seebadi und warum ist das Becken trotz Solarheizung so kalt?
  • Was mich besonders stört ist, dass die Barrieren der SBB fast immer geschlossen sind.
  • Die Steuern sind zu hoch.     
  • Dass der Bahnhof stets schmutzig ist, liegt nicht an der Stadt, sondern am Volk – Schweinchen.

Ältere nicht isolieren

Auch das Angebot von Alterswohnungen wurde nur als mittelmässig eingestuft. «Es gibt drei Genossenschaften in Uster, welche Alterswohnungen anbieten. Diese sind immer gut ausgelastet», weiss Anita Bernhard, Abteilungsleiterin Gesundheit. Aber zunehmend wünschten sich ältere Menschen «altersdurchmischt» zu wohnen und nicht «nur» unter ihresgleichen, sagt Bernhard. «Ältere Menschen werden mobiler und bewegen sich auch auf dem freien Mietmarkt. Sie möchten dort eine faire Chance haben, wie andere Bewerber auch.»

«Wenn einzelne Personen Waren nicht ordnungsgemäss entsorgen können, ist das eher ein pädagogisches Problem.»

Matthias Stammbach, Präsident SP Uster 

In Uster würden in nächster Zeit neue Alterswohnungen gebaut. So plane die Genossenschaft Sonnenbühl einen Neubau der Siedlung im Rehbühl und eine private Stiftung wolle ein Projekt beim Stadtpark realisieren, weiss Bernhard.

Sisyphusarbeit gegen Schmutz

Bei der Thematik Sauberkeit nehmen die Umfrage-Teilnehmer zweierlei wahr. Auf der einen Seite beurteilen sie die öffentlichen Anlagen wie Strassen und Plätze als sauber und gut unterhalten. Auf der anderen Seite schneiden der See, der Stadtpark und besonders der Bahnhof nur mittelmässig ab. Letzterer ist Sache der SBB; Mediensprecher Reto Schärli sagt dazu: «Der Einsatz der Reinigungsmitarbeiter ist eine Sisyphusarbeit. In Uster steigen täglich 28’000 Personen ein und aus. Die allermeisten entsorgen ihren Müll in den rund 20 Recycling-Stationen.» Aber eine ausgekippte Getränkedose reiche, um für klebrige Schuhsohlen und entsprechenden Ärger bei zahlreichen Reisenden zu sorgen, sagt Schärli. «Der Reinigungsaufwand nimmt tendenziell zu, weil auch immer mehr Leute unterwegs sind oder sich an den Bahnhöfen aufhalten.» Allgemein beurteilten die befragten Ustermer die Sauberkeit der Stadt schlechter als in der Umfrage von 2013.

Markus Ehrensperger sieht den Einzelnen in der Pflicht: «Schuld sind die Leute, die ihre Ware auf den Boden schmeissen. Bussen sollten abschreckend wirken, sind aber nur schwierig durchzusetzen.» Für Matthias Stammbach stellt die Sauberkeit am Bahnhof kein vordringliches Problem dar. «Die Stadt hat andere, grössere Probleme. Wenn einzelne Personen Waren nicht ordnungsgemäss entsorgen können, ist das eher ein pädagogisches Problem.»

Dualstrategie Uster?

In der gesamten Umfrage erhielt die Aussage «Ich kenne die Dualstrategie der Stadt Uster» am wenigsten Zustimmung. Mit der Dualstrategie will sich Uster als attraktive Wohnstadt und geeigneten Standort für Unternehmen positionieren. Dies ist offenbar den wenigsten bekannt. Wieso die Bürger diese überhaupt kennen sollten, beantwortet Stadtschreiber Daniel Stein: «Es ist für den Stadtrat und die Verwaltung nicht unwichtig zu erfahren, ob die Bevölkerung diese Strategie kennt und für richtig und zielführend empfindet. Es macht schlussendlich nur mässig Sinn, wenn die politischen Ziele völlig an den zivilgesellschaftlichen Interessen vorbei gehen.»

Wer wurde gefragt?

Die Auswahl der Adressen für die Teilnehmer erfolgte zufällig und die Befragung wurde anonym durchgeführt. Ein St. Galler Unternehmen erfasste die Antworten und wertete diese aus. Die Bewertungsskala zu den Fragen war in fünf Punkte unterteilt: von «Trifft zu» bis «Trifft nicht zu». Rund 56 Prozent der Teilnehmer waren weiblich. In die Abstimmung einbezogen wurden Ausländer und Schweizer, die zum Zeitpunkt der Befragung über 18 Jahre alt waren und ihren Wohnsitz in Uster hatten. Zwei Drittel aller ausgewerteten Fragebögen kamen von über 45-Jährigen.

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