Ein «Zugewanderter» ist neuer Ratspräsident
Paul Steiner (SVP) erzielte gestern zwar nicht ganz das Glanzresultat seines Vorgängers Sandro Bertoluzzo (FDP), der vor einem Jahr von 34 der 35 anwesenden Parlamentariern unterstützt worden war. Doch die 34 Stimmen (bei 39 Anwesenden) kann man immer noch als gutes Resultat bezeichnen. Neuer erster Vize ist Reto Heeb (CVP), zweite Vizepräsidentin ist die Grüne Flavia Sutter. Edith Bohli wurde als Ratssekretärin klar bestätigt.
In seiner Antrittsrede machte Steiner gleich deutlich, dass er ein Zugezogener sei, genauer gesagt ein Schwyzer. Nun mag es in der Boom-Region Glattal nicht so eine grosse Rolle spielen, wer, wann, wie und weshalb hierher gezogen ist. Ganz unerheblich ist die Herkunftsfrage für den Gemeinderat dennoch nicht, geht der Ratsausflug in der Regel doch in die frühere Heimat des Präsidenten. Während Sandro Bertoluzzo als Ur-Dübendorfer seine Kolleginnen und Kollegen nach Uster (seinem Arbeitsort) eingeladen hatte, besteht dieses Jahr nun also die Chance auf einen Ausflug in den beschaulichen Ort Alpthal.
Politisches «Greenhorn»
Seinen Gemeinderatskollegen erzählte Steiner gestern, wie er seine Kindheit und Jugend in der kleinen Gemeinde verbrachte – als eines von sieben Kindern, mit viel harter Arbeit und langen Schulwegen. Wie er für die KV-Lehrstelle von seinem Vater vermittelt wurde, «Universitäten waren damals aus logistischen und finanziellen Gründen etwa gleich unerreichbar wie der Mond». Und dass er die Kantonsgrenze (in Richtung Zürich) das erste Mal als 16-Jähriger «überwunden» hatte.
«Geprägt durch meine Herkunft, liegen mir die Grundwerte der Schweizerischen Eidgenossenschaft ganz besonders am Herzen», sagte der Unternehmensberater, und zählte auf: «Unabhängigkeit, Selbstbestimmung und bewaffnete Neutralität.» Steiner bezeichnet sich selbst als politisches «Greenhorn»; vor zehn Jahren trat er in die SVP Dübendorf ein, vor vier Jahren wurde er in den Gemeinderat gewählt und ist seither auch Mitglied der Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission (GRPK).
Ein Herz für Durstige
Im kommenden Amtsjahr freue er sich, die Stadtverwaltung besser kennenzulernen, aber auch die Dübendorfer Bevölkerung, die Vereine und das Gewerbe, sagte Steiner. «Als Zugewanderter ist da bei mir ein grosses Defizit an Insiderwissen vorhanden.» Und fast schon entschuldigend fügte er an: «Man sollte davon ausgehen, dass für mich sehr vieles neu und nicht selbstverständlich ist.» Weiter versicherte Steiner, dass er sich voll dafür einsetzen werde, die Führung des Gemeinderatsbüros und die korrekte, effiziente Durchführung der Ratssitzungen zu gewährleisten.
Gleich zu seinem Amtsantritt konnte der neue Ratspräsident zudem eine Neuerung vermelden. So stehen in Zukunft an den Sitzungen des Gemeinderats nicht nur für die Politiker Getränke bereit, sondern auch für die Zuschauer – damit diese bei trockenen Themen nicht mehr an Durst leiden müssten.
Stadtrat: Die Aufgaben sind verteilt
Die im April gewählte Stadträtin Jacqueline Hofer (SVP) übernimmt das Ressort Soziales von ihrem Parteikollegen Kurt Spillmann, der nicht mehr zur Wahl angetreten ist. Das gab der neue Stadtpräsident André Ingold (SVP) gestern an der Sitzung des Gemeinderats bekannt.
Die Sozialabteilung wurde in den letzten Jahren regelmässig und zum Teil heftig von der Linken kritisiert – etwa wegen «schikanöser Behandlung» von Sozialhilfebezügern. Mit SVP-Stadträtin Hofer als politische Vorgesetzte dürfte somit bei diesem Thema erst einmal keine Ruhe einkehren.
Hanspeter Schmid, der ebenfalls neu in den Stadtrat gewählt wurde, übernimmt das Ressort Sicherheit von André Ingold. Alle wiedergewählten Stadträte behalten ihre Ressorts: Martin Bäumle (GLP/GEU) die Finanzen, Jürgen Besmer (FDP) den Tiefbau, Dominic Müller (CVP) den Hochbau und Primarschulpräsidentin Susanne Hänni (GLP/GEU) von Amtes wegen das Ressort Bildung.
Den Gegner respektieren
Es war gestern an Stadtpräsident Ingold, die erste Sitzung des Gemeinderats in der neuen Legislatur zu eröffnen. Er sei überzeugt, sagte Ingold, dass die Mitglieder des Parlaments ihre Verantwortung wahrnähmen, und appellierte an die Anwesenden, die politischen Gegner und deren Meinung zu respektieren. «Gehen wir fair miteinander um», sagte er, «so können wir Dübendorf gemeinsam vorwärtsbringen.»
Der frisch gebackene alt Stadtpräsident Lothar Ziörjen (BDP) nutzte die Gelegenheit, sich bei seinen vielen Wegbegleitern und speziell bei seiner Familie zu bedanken – «etwas, das ich in meiner 38-jährigen politischen Karriere nie machen durfte». Die Familie sei immer an erster Stelle gewesen, hielt er fest, «aber dann kamen gleich der Stadtrat und das Stadtpräsidium.»
Der Dübendorf Stadtrat
An der gestrigen konstituierenden Sitzung des Gemeinderats wurden folgende Personen gewählt:
- Neuer Gemeinderatspräsident ist Paul Steiner (SVP), Reto Heeb (CVP ) ist erster Vize, Flavia Sutter (Grüne) zweite Vizepräsidentin. Stimmenzähler im Amtsjahr 2018/19 sind Ivo Hasler (SP),
- Andreas Sturzenegger (FDP) und Angelika Murer Mikolasek (GLP/GEU).
- Die bisherige Gemeinderatssekretärin Edith Bohli wurde für die Amtsdauer 2018 bis 2022 wiedergewählt. Gemeinderatssekretär-Stellvertreter ist Mathias Vogt.
- Neuer Präsident der Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission (GRPK) ist Patrick Schärli (CVP). Die weiteren Mitglieder sind: Hanna Baumann (SP), Tanja Boesch (EVP), Marcel Drescher (GLP/GEU), Ariane Egli (FDP), Alexandra Freuler (SP), Stefanie Huber (GLP/GEU), Birgitt Kast (Grüne), Marco Lang (BDP), Lukas Schanz (SVP), Paul Steiner (SVP), Sarah Steiner (SVP), Patrick Walder (SVP).
- Präsident der Kommission für Raumplanungs- und Landgeschäfte (KRL) ist Theo Zobrist (SP). Die weiteren Mitglieder sind: Sandro Bertoluzzo (FDP), Bruno Eggenberger (BDP), Ivo Hasler (SP), Theo Johner (BDP), Charlotte Meyer (SVP), Valeria Rampone (GLP/GEU), Guido Schwegler (SVP) und Orlando Wyss (SVP).
- Präsidentin der Bürgerrechtskommission (BRK) ist Ariane Egli (FDP). Als weitere Mitglieder wurden gewählt: Daniel Burkhardt (SVP), André Csillaghy (SP), Burkhard Huber (GLP/GEU), Benedikt Stockmann (BDP).
