Dem Meister war es wohl im Ring
Am Anfang waren die Bilder – und dann kam die Musik. Und das gleich mit voller Wucht und im unverkennbaren Stil des Latin Rock, den Santana in den 1960ern prägte – eine Mischung aus Rock’n’Roll und lateinamerikanischen Rhythmen. Auf seiner aktuellen Divination Tour bildet die Rückblende auf das Woodstock-Festival 1969 das Intro, jenes Festivals, das Santana gleich auch den Durchbruch brachte.
Carlos Santana, der in einem Monat seinen 71. Geburtstag feiern kann, zeigte im Hinwiler Kreisel, dass er auch bald ein halbes Jahrhundert nach jenem legendären Auftritt seine Gitarre weiterhin virtuos beherrscht. Die Musikzeitschrift Rolling Stone zählt ihn denn auch zu den weltweit besten Gitarristen aller Zeiten und führt ihn unter den besten 100 Musikern.
Liebe und Frieden
Die meisten der über 10‘000 Besucher, die am Samstag ans Rock the Ring gepilgert waren, dürften denn auch vor allem gekommen sein, um diesen Meister seines Fachs spielen zu hören. Und sie kamen auch von weiter her, schliesslich war der Auftritt in Hinwil der einzige in der Schweiz auf der aktuellen Santana-Tour.
«Einer der weltweit besten Gitarristen aller Zeiten.»
Musikzeitschrift Rolling Stone
Und Carlos Santana enttäuschte die Besucher nicht. Auch wenn er musikalisch zurückblätterte bis in die Anfänge, ist der Zweck seiner aktuellen Tournee nicht das Abfeiern der Vergangenheit der Band. Vielmehr möchte er dem «Love and Peace» jener 1960er auch in der heutigen Zeit zum Durchbruch verhelfen. Das zeigte sich auch optisch: Auf dem Bildschirm gab es viel Orange, Rot und Blau und dazu psychedelische Bilder.
Fast alles an einem Stück
Zu neunt rauschte Santana durch ihren Hitkatalog – «Black Magic Woman», «Oye Como Va», «Maria Maria», «Samba Pa Ti», «Corazon espinado». Knapp 20 Lieder bot die Band während ihres gut eineinhalbstündigen Auftritts, wobei es kaum Unterbrüche gab. Die Songs flossen ineinander über. Nicht das einzelne Stück stand im Zentrum, sondern das ganze Schaffen.
Perfekt arrangierte Bläsereinsätze, der volle Gesang von Andy Vargas und Ray Greene, Percussionseinlagen und über allem der unverkennbare Gitarreneinsatz von Carlos Santana vermochten das Publikum zu begeistern. Und die Musiker zeigten ihre Spielfreude. Auch ihnen schien der Auftritt unter freiem Himmel zu gefallen.
Diese Fans am Rock the Ring spielen sensationell Luftgitarre:
Santanas Prophezeiung
«Divination» heisst die Tour, also Prophezeiung oder Wahrsagung. Hier dringt dann auch etwas von Santanas früherer spirituellen Suche durch. Der Bandleader, der dreimal zum Publikum sprach, meinte, dass wer Licht im Herzen trage schliesslich siegreich sein werde: «All you need is Love». Und bei dieser Gelegenheit hielt er nicht mit seiner Meinung zurück, was er von Amerikas Präsident hält: nämlich gar nichts. Auch für die amerikanischen Medien hatte er nicht viele lobende Worte.
«All you need is love.»
Carlos Santana
Gefreut hat sich Santana auch über die Band, die zuvor auf der Bühne gestanden war, UB 40. Und eigentlich kündigte er auch einen neuen Kurzauftritt von ihnen an. Gesehen und gehört hat man dann allerdings nicht viel davon. Doch unter dem Motto «Santana-Banana» gabs dann nicht nur stilistische Sprünge zu Hiphop und Reggae, sondern auch Bodenturnen fürs Publikum unter Anleitung von Andy Vargas. Selbst Anklänge zu den Beatles gabs: «While my guitar gently weeps» in einer Santana-Version.
Ein zweites Intro zum Schluss
Mit einem etwas irritierenden Abschuss ins Weltall auf den Bildschirmen ging es gleitend in die Zugabe hinüber, die von der Band aber als zweites Intro konzipiert ist, diesmal als sensibel tituliert. Hier hatte zunächst Carlos Frau Cindy Blackman Santana am Schlagzeug ihren gross(-artig-)en Einsatz mit einem langen Solo.
Mit «Smooth» gab es noch einen weiteren Hit, in dem «Roxanne» von The Police eingewoben wurde. Und zum Schluss wurden mit «Love, Peace and Happiness» von seinem jüngsten Album und «For the highest Good» nochmals die Leitlinien der Tour aufgenommen – mit Bildern von Bergen und einem grossen Feuerwerk im Hintergrund. Die Menge quittierte ihre Freude an der Band mit einem grossen Applaus.
