Sekundarschüler machen die Nacht zum Tag
Diese Schulwoche wird für die Schüler der Sekundarschule Nauen in Tann und besonders für die Lehrer anstrengend. Gestern Abend begann das Projekt «Nachtschule». «Wir freuen uns auf den speziellen Unterricht und sind gespannt, ob unser selbstorganisiertes Projekt funktionieren wird», sagte ein Schüler am Montagnachmittag bei einer Vorbereitungssitzung. Die Schüler haben die Nächte durchgeplant und mit dem Lehrergremium den Stundenplan gestaltet.
Grosses Engagement gezeigt
«Die Schüler wollten dieses Projekt unbedingt realisieren und es war toll mitanzusehen, wie sehr sie sich dafür ins Zeug gelegt haben», sagt Pia Kuster, die zuständige Lehrerin des Projekts «Nachtschule». Alle zwei Jahre gibt es an der Sekundarschule Nauen ein Schülerprojekt, zu welchem die Schüler ihre eigenen Ideen einbringen und realisieren können. Beim letzten Schülerprojekt schlüpften die Schüler in die Rolle der Lehrer, während diese auf den Schulbänken Platz nahmen. «Eigentlich hatten wir die neue Idee, ein Thema mit Bezug zur Kunst zu finden, um das Schulhaus umzugestalten, doch die Schüler haben beinahe einstimmig für den Unterricht bei Nacht gestimmt», so Pia Kuster.
Die Schüler haben nach dem Entscheid eine PowerPoint-Präsentation vor dem Lehrergremium gehalten. Das Projekt wurde sofort abgesegnet. 220 Schüler der Sekundarschule A, B und C werden sich zwei Nächte um die Ohren schlagen. «Das Wichtigste ist die gute Mischung der eingeteilten Arbeitsgruppen und dass sich Schüler kennenlernen, die sonst nicht in regem Kontakt miteinander stehen», so Kuster. Auch die eigenen Leistungsgrenzen sollen getestet werden. Zudem wurde eine Regel aufgestellt: «Zwischendurch ist ein Kaffee erlaubt, doch Energydrinks sind aus gesundheitlichen Gründen verboten», sagt Pia Kuster.
Punktesystem wie in «Hogwarts»
Für zwei Nächte sind die 220 Schüler in Gruppen wie «Emos», «Militarys», «Rockers», «Ökofreaks» oder «Sportler» eingeteilt. Diese bilden die sogenannten «Häuser», in etwa wie bei Harry Potter in Hogwarts, wo es die vier Häuser «Gryffindor», «Slytherin», «Hufflepuff» und «Ravenclaw» gibt. Auch ein Punktesystem wird, an die Zauberschule angelehnt, geführt. Je nach Leistungen vergeben die Lehrer Plus- oder Minuspunkte. Nach drei Tagen wird abgerechnet und ein «Haus» zum Gewinner gekürt. Während der zwei Nächte führen die Gruppen ein Nachtbuch, um das Projekt zu dokumentieren.
Einmaliger Stundenplan
«Unser Schülerparlament heisst ‹Schoop›, das bedeutet ‹Schoolpersonsproject›. In diesem Zusammenhang stellten wir unser Projekt auf die Beine», sagte eine Schülerin. Die Jugendlichen meinen, sie würden die Verantwortung geniessen und sähen am Ende den Ertrag für den grossen Aufwand. «Für die Lehrer steht im Vordergrund, dass die Schüler die Wirksamkeit ihres Einsatzes erkennen», sagt Kuster.
Für den Unterricht bei Nacht wurde ein eigener Stundenplan namens «Nauen in the dark» erstellt. Von 22 Uhr bis 5.30 Uhr unterrichten die Lehrer Geschichte, Psychologie, Biologie, Informatik, Sport und Tanz. Heute Nacht geht das ganze Schulhaus zum Abschluss auf eine Nachtwanderung.
