«Die Asylkrise war prägend»
Frau Schnyder, auch wenn es bis dahin noch einige Jahre dauert: Was werden Sie ihren Enkeln von Ihrer Arbeit als Gemeinderätin erzählen?
Ursula Schnyder: Prägend war sicherlich die Asylkrise, die uns vor grössere Herausforderungen gestellt hat. Von einem Tag auf den anderen standen mehr als ein Dutzend Flüchtlinge vor dem Gemeindehaus und mussten untergebracht und versorgt werden.
Stiessen Sie da in Ihrem Milizamt nicht an die Grenzen?
Es war schon eine intensive Zeit. Ich musste sehr viel organisieren, telefonieren, Sitzungen einberufen. Gleichzeitig galt es gemeinsam mit dem Gemeinderat Lösungen zu finden und die Bereitstellungsanlage des Zivilschutzes für den Bezug der Flüchtlinge herzurichten. In einem zweiten Schritt mussten wir ein Integrationsprogramm auf die Beine stellen. Dabei konnten wir auf das bestehende Angebot und unser Netz von Freiwilligen aufbauen, was das Ganze doch ein wenig vereinfachte.
«Die Unterkunft wird wohl pünktlich auf meinen Rücktritt fertig sein.»
In der Gemeinde gab es neben viel Unterstützung aber auch Widerstand. So wollten einige Nachbarn die Asylunterkunft an der Tumigerstrasse verhindern.
Genau. Nachdem wir unser erstes Baugesuch sistiert und überarbeitet haben, ging leider ein zweiter Rekurs ein. Das Ganze hat die Planung enorm verzögert. Bei einer zweiten Begehung mit den Verantwortlichen des Baurekursgerichts wurde dann klar, dass der Einwand keine Chance haben würde, worauf der Rekurs zurückgezogen wurde. Nun wird die Unterkunft wohl pünktlich auf meinen Rücktritt fertig sein.
In Greifensee leben vor allem asylsuchende Familien. Haben Sie besonders gute Beziehungen zum Kanton?
Es war uns immer ein Anliegen, Familien in der Gemeinde zu haben. Das ist sicher einfacher, als wenn man ausschliesslich alleinstehende 25-jährige Männer zugeteilt bekommt. Mit Familien entstehen viel seltener soziale Brennpunkte. Dafür sind die Kosten höher, allein schon durch die schulische Eingliederung. Dank der Schule ist aber auch die Integration bedeutend einfacher. Gute Beziehungen mit dem Kanton sind zwar nie schlecht, letztlich aber nicht entscheidend. Der Kanton ist mit allen Gemeinde im Gespräch in der Frage, welche Asylsuchenden wo am besten untergebracht werden können.
Zur Person
Ursula Schnyder (FDP) ist verheiratet und hat drei Kinder. Sie war acht Jahre lang Sozialvorsteherin in Greifensee. Nach ihrem Rücktritt aus dem Gemeinderat wird sie ihr Pensum als Englischlehrerin auf Sekundarstufe aufstocken und eine Zusatzausbildung zur Schulleiterin absolvieren. «Die Doppelbelastung durch Beruf und Gemeinderatsamt war schon gross», sagt Schnyder. Nun sei sie froh, sich wieder auf eine Sache fokussieren zu können. «Aber ich habe meine politische Arbeit total gerne gemacht.» tba
