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Vom Drogenkonsum bis zur –vernichtung

Damit sich das Drogenelend der 90er nicht wiederholt, wurde in den letzten 20 Jahre die Drogenpolitik neu ausgerichtet. Auch in Uster setzt man vermehrt auf Suchtprävention, die Vorstellung einer drogenfreien Gesellschaft ist für Fridolin Heer, Leiter der Suchtpräventionsstelle Zürcher Oberland, unrealistisch.

Die Drogenszene auf den Schienen am Lettensteg in Zürich, aufgenommen im Juli 1993. (Fotos: KEYSTONE/Martin Ruetschi), Und die Drogenszene auf dem Platzspitzareal in Zürich im Juni 1990.

Vom Drogenkonsum bis zur –vernichtung

«Nach der Auflösung der Drogenszenen auf dem Zürcher Platzspitz und dem Bahnhof Letten wusste man in der Schweiz, dass Repression allein nicht reicht», sagt Fridolin Heer Leiter der Suchtpräventionsstelle Zürcher Oberland, «die Frage wie kann man den Mensch früher und besser informieren, unterstützen und schützen, rückte immer mehr ins Zentrum.» Das war die Geburtsstunde der Vier-Säulen-Drogenpolitik (siehe Grafik). Einer dieser Säulen wird von der Suchtpräventionsstelle Zürcher Oberland mit Sitz in Uster vertreten. Neben der Prävention komplettieren Therapie, Schadensminderung und Repression die vier Säulen der Schweizer Drogenpolitik. 

«Das Spektrum ist gross: Von gelegentlichen Konsumenten bis zu Schwersüchtigen.»

Fridolin Heer, Stellenleiter, Suchtpräventionsstelle Zürcher Oberland

Shisha-Rauchen «hochproblematisch»

In urbanen Zentren wie der Stadt Uster seien heute vor allem Tabak und Alkohol präsent, sagt Heer. Die heutige Jugend sei sehr mobil. «Oft ist eine Tankstelle der Ausgangspunkt, wo sich die Jugendlichen treffen, trinken und dann in Bars oder Nachtclubs weitergehen. Wo gefeiert wird, tauchen Substanzen auf.» Problematisch sei, neben dem Cannabiskonsum, aber auch der CBD-Konsum. «Ich sehe das vermittelte Bild  – dieser sei cool – sehr kritisch.» Dabei sei die Todesrate allgemein bei Rauchern sehr hoch. «Auch das Shisha-Rauchen ist hochproblematisch, die aufgenommene Nikotinmenge ist bis zu 15-mal höher als bei einer Zigarette. Zudem sind im Shisha-Rauch mehr Teer, Schwermetalle und weitere Schadstoffe enthalten.»

Quelle: Youtube / SRF Archiv

Drogentest in Uster

Heroin- und Kokainkonsumenten gibt es in der Schweiz weiterhin, sagt Heer. «Das Spektrum ist gross: Von gelegentlichen Konsumenten bis zu Schwersüchtigen.» Seine Fachstelle ist die erste Anlaufstelle bei Fragen zu Sucht. Mit der Arbeitsgruppe Nightlife, welche aus Vertretern von regionalen und kantonalen Suchtpräventionsstellen besteht, werde aber auch gezielt das Nachtleben im Kanton Zürich angeschaut. Dabei spannt die Arbeitsgruppe auch mit Organisationen aus dem Bereich der Schadensminderung zusammen. Diese gehen unter anderem an Partys und sprechen Jugendliche direkt auf Drogen an, die dann gleich vor Ort getestet werden können. So könnten die Jugendlichen auf besonders gefährliche Substanzen aufmerksam gemacht werden.  

«Die meisten Menschen mit Suchtproblemen sagen, dass sie diese lösen wollen.»

Barbara Hettich Solar, Leiterin der Fachstelle Sucht, Bezirk Uster

Wo gibt es den besten Stoff?

Eigentlich ist die Schadensminderung aber das Fachgebiet des Drogeninformationszentrums Zürich (DIZ) neben dem Hauptbahnhof. Dort kann jedermann zweimal wöchentlich gratis eine Substanz testen lassen. 2017 nutzen 3400 Personen das Angebot, wie das DIZ in einer Medienmitteilung schreibt. Davon haben 1400 Personen das Angebot eines Beratungsgesprächs wahrgenommen. «Wenn dabei jemand sagt, dass er täglich konsumiert, werden wir natürlich hellhörig und besprechen einen konkreten Abhängigkeitsverdacht mit dem Betroffenen», sagt DIZ-Mitarbeiterin Anja Lischer. Das DIZ hat im letzten Jahr 100 solcher Gespräche geführt, dabei wurden 80 Personen an spezifische Angebote wie beispielsweise eine Therapie weitergeleitet. «Diese 80 Menschen wollten etwas ändern an ihrem Konsumverhalten. Grundsätzlich muss die Initiative von ihnen kommen.» 
Die Bilanz des DIZ des vergangenen Jahres zeigt: Der Stoff wird reiner und entfaltet damit bei Konsumenten einen stärkeren Rauschzustand. «Natürlich sind wir uns bewusst, dass die meisten zu uns kommen, um auszumachen, bei welchem Dealer der beste Stoff erhältlich ist», sagt Lischer. 
Schadensminderung heisst für das DIZ, vor Risiken wie gefährlichen Streckmitteln im LSD oder im Kokain gefunden wurden, zu warnen. Im Kokain wurde im letzten Jahr meist Levamisol gefunden, das bei Tieren bei Wurmbefall eingesetzt wird. Beim Menschen könne dieses Medikament schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen verursachen, schreibt das DIZ. 

Problem haben und lösen

Auf die Möglichkeit des Drogentestes im DIZ weist Barbara Hettich Solar die Jugendlichen hin, die zu ihr kommen. Sie ist die Leiterin der Fachstelle Sucht des Zweckverbandes Soziale Dienste Bezirk Uster. Angehörige von Süchtigen oder Süchtige selbst können sich in der Fachstelle beraten lassen oder eine ambulante Therapie beginnen. «Die meisten Menschen mit Suchtproblemen sagen, dass sie diese lösen wollen», sagt Hettich Solar, «über Angehörige den Kontakt mit diesen aufzunehmen, ist schwieriger, aber auch eine Möglichkeit. In einigen Fällen kann man sie mit Aufklärung beruhigen, und einen Drogenkonsum auch relativieren, wenn beispielsweise der Sohn nur hin und wieder kifft und im Alltag gut funktioniert.»

«In erster Linie ist es unsere Aufgabe, das geltende Gesetz durchzusetzen.»

Marc Besson, Mediensprecher Kantonspolizei Zürich

Nachbehandlung des Entzugs

Wenn ein Drogenabhängiger bereit für eine Reduktion oder einen Entzug ist und dies stationär tun möchte, vermittelt ihn die Fachstelle via Hausarzt an die Suchtstationen von Psychiatrischen Kliniken. «Wir selber sind keine medizinisch geführte ambulante Anlaufstelle – einen Entzug bei körperlich schwer Drogenabhängigen begleiten wir nicht. Für die Nachbehandlung des stationären Entzugs können die Betroffenen aber wieder zu uns kommen», sagt Hettich Solar. Zu ihnen kämen hauptsächlich Menschen mit Alkoholproblemen, die häufig zusätzlich von anderen Drogen abhängig seien. Diese Gruppe mache rund 80 Prozent aus. Dazu gebe es rund 20 Prozent, die ausschliesslich Probleme mit dem Konsum von Drogen wie Cannabis, Kokain, Heroin, Amphetaminen, Benzodiazepinen – also Beruhigungs- und Schlafmittel wie Temesta oder Valium – haben. 

«Wenn jemand sagt, er bewahre beispielsweise eine Ecstasypille nur für einen Freund auf, wird er härter bestraft, als wenn er angibt, diese für den Eigenkonsum zu besitzen»

Andreas Baumgartner, Kommandant Stadtpolizei Uster

Polizeiarbeit

Im Bereich der Repression arbeiten in der Stadt Uster die Stadtpolizei und die Kapo Zürich zusammen. Marc Besson, Mediensprecher der Kantonspolizei, sagt: «In erster Linie ist es unsere Aufgabe, das geltende Gesetz durchzusetzen. Wir machen aber nicht nur Repression, sondern auch Prävention, indem wir beispielsweise an Schulen vorbeigehen und die Schüler über Drogen aufklären.» In Uster wurden im vergangen Jahr 303 Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz registriert. Im Vergleich mit 2016 nahm die Anzahl der Straftaten in diesem Bereich um 15 Prozent ab. Die Gründe hierfür könnten nicht abschliessend beantwortet werden, sagt Besson. «Grundsätzlich kann gesagt werden, dass ein Rückgang sicherlich auch mit der Arbeit der Polizei zu tun hat.»

Bahnhof Uster im Fokus

«Eine eigentliche Drogenszene existiert in Uster nicht», sagt Andreas Baumgartner, Kommandant der Stadtpolizei Uster zur Situation heute. Doch immer mal wieder stelle die Polizei am Bahnhof oder am See Betäubungsmitteldelikte fest. «Solche Orte sind eben als Treffpunkte sehr beliebt. Gerade am Bahnhof Uster ist darum auch unsere Polizeipräsenz höher.» 
Die Stadtpolizei ahndet nur die sogenannten Übertretungen des Betäubungsmittelgesetzes. «Wenn jemand also Drogen für den Eigenkonsum bei sich trägt, steht als Strafe eine Busse an. Diese wird durch die Übertretungsstrafbehörde ausgesprochen.» Allerdings nicht bei Marihuana, da ist gemäss Betäubungsmittelgesetz eine mitgeführte Menge bis zehn Gramm straffrei, solange kein Konsum in der Vergangenheit nachgewiesen werden kann. 

«Das Marihuana wird aber trotzdem von uns sichergestellt. Danach wird beim Statthalteramt beantragt, die Vernichtung des Marihuanas zu verfügen», sagt Baumgartner. Jeder andere Umgang mit illegalen Substanzen, der nicht direkt im Zusammenhang mit Eigenkonsum steht, fällt unter die Strafbestimmungen für Drogenhändler und wird entsprechend bestraft. «Wenn jemand sagt, er bewahre beispielsweise eine Ecstasypille nur für einen Freund auf, wird er härter bestraft, als wenn er angibt, diese für den Eigenkonsum zu besitzen», so Baumgartner.

 

Geschichte der Drogenpolitik in Uster 

1972 wurde erstmals in Uster die Drogenproblematik thematisiert. Daraufhin wurde eine Kommission gegründet, die sich damit beschäftigte.

1980 wurde der Verein für Drogenfragen Zürcher Oberland – zu der die Suchtpräventionsstelle gehört – gegründet, der später in Verein für Prävention und Drogenfragen Zürcher Oberland (VDZO) umbenannt wurde. Vorgängig fanden bereits Konferenzen statt, die sich mit dem Thema Prävention befassten.

1995 war Uster nach der Räumung der Drogenszene am Letten erneut im Fokus der damaligen Behörden. Der ehemalige Delegierte für Drogenfragen im Kanton Zürich, Attilo Stoppa, sagte gegenüber der Wochenzeitung «Die Zeit», dass sich eine verdeckte Szene in umliegenden Städten wie Wetzikon, Uster, Dietikon und Winterthur etabliert habe. Die Stadt Zürich habe dazumal verstärkt als «Einkaufszentrum» fungiert, der «Stoff» sei mit Sammelbestellungen besorgt worden.

2002 wurde die Fachstelle Sucht gegründet. Vorher gab es für den Bezirk eine Sozialberatung, die Suchtprobleme behandelte.

 

 

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