Politik

Pfarrer Ernst Sieber ist tot

Der bekannteste Zürcher Pfarrer ist tot: Ernst Sieber ist im Alter von 91 Jahren verstorben. Er setzte sich für Obdachlose und Suchtkranke ein.

Auch in Pfäffikon aktiv: Pfarrer Ernst Sieber ist im Alter von 91 Jahren gestorben. (Foto: Keystone/ Ennio Leanza)

Pfarrer Ernst Sieber ist tot

Pfarrer Ernst Sieber ist am Samstag im Alter von 91 Jahren friedlich eingeschlafen. Dies teilten die Familie Pfarrer Sieber und die Sozialwerke Pfarrer Sieber gemeinsam am Sonntagabend der SDA mit. Er hatte sich unter anderem für Obdachlose und Suchtkranke eingesetzt.

So bot er im Pfuusbus beim Zürcher Albisgüetli Obdachlosen und Randständigen einen Unterschlupf in der Nacht an. Ende des vergangenen Jahres erhielt der evangelisch-reformierte Pfarrer den Prix Courage Lifetime Award.

Die vom verstorbenen Pfarrer gegründeten Sozialwerke Pfarrer Sieber sind auch im Zürcher Oberland aktiv. Im ehemaligen Hotel Bahnhof in Pfäffikon betreiben sie eine Unterkunft, in der bis zu 29 Suchtkranke untergebracht und behandelt werden können.

Institutionelles Zeichen gegen das Drogenproblem

Sieber wurde 1927 in Horgen ZH geboren. Nach Erfahrungen als Bauernknecht in der Westschweiz studierte er in den 1950er-Jahren an der Uni Zürich Theologie. Nach einem Einsatz als Vikar in den Slums von Paris übernahm er 1956 für zehn Jahre die Pfarrei in Uitikon-Waldegg ZH und war von 1967 bis zur Pensionierung 1992 Pfarrer der evangelischen Kirchgemeinde Zürich-Altstetten.

In den frühen 1960er-Jahren begründete Sieber sein Image als Obdachlosenpfarrer. Im Zürcher «Seegfrörni»-Winter 1963 scharte er erstmals im grossen Stil Obdachlose um sich und erhielt dafür von der Stadt Zürich den Bunker am Helvetiaplatz.

Von da an blieb er Anwalt der Jugend, vor allem der gestrauchelten. 1971 gründete er die Zürcher Arbeitsgemeinschaft für Jugendprobleme und setzte damit früh ein erstes institutionelles Zeichen gegen das Drogenproblem.

Vorwürfe zum Umgang mit Spendengeldern

Über die Jahre entstanden diverse Einrichtungen für Randständige. Erst 1988 erhielten die verschiedenen Anlauf- und Beratungsstellen mit der Gründung der «Stiftung Sozialwerke Pfarrer Ernst Sieber» ein gemeinsames Dach.

Die rasant wachsenden Institutionen mit gegen 20 verschiedenen Stationen in der ganzen Schweiz und rund 200 Angestellten gerieten 1995 in ein schiefes Licht. Im Zentrum standen Vorwürfe zum Umgang mit Spendengeldern, die jedoch von einer unabhängigen Kommission ausgeräumt wurden.

Sieber begegnete der Kritik auf seine eigene Art: «Sie können mir den guten Ruf nehmen, aber nicht die Berufung», entgegnete er trotzig.

(sda/jen)

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