Expo Dübendorf: Referate, Illustratoren und Apéro
«Bitte erzähle einem der anwesenden Illustratoren von deinen Zukunftssorgen oder Hoffnungen», sagt ein Mitorganisator zu Beginn der gestrigen Infoveranstaltung zur Landesaustellung Dübendorf zu mir. Nachdem ich meiner persönlichen Illustratorin, Maria Rehli, mein Innerstes preisgegeben habe, macht sich diese sogleich ans Werk. Ebenfalls an die Arbeit macht sich X-27-Vereinsmitglied Lukas Meier im Foyer des Forschungsgebäudes «Nest» der Empa und ergreift vor den rund hundert Anwesenden das Wort.
«Der Besuch der Expo wird ein Erlebnis und man wird nicht anstehen, wie man das von anderen Expos kennt»
Lukas Meier, Vereinsmitglied X-27
Der Verein X-27 und seine Unterstützer
Hinter dem Verein X-27 stehen Akteure aus den Bereichen Kultur, Kommunikation und Architektur. Der Verein steht nach eigenen Angaben mit den Verantwortlichen des möglichen Standortes, dem Kanton Zürich und der Armasuisse (VBS) in direktem Kontakt. Von der Stiftung «Switzerland Innovation Park Zurich», der Stadt Dübendorf, der Gemeinde Wangen-Brüttisellen sowie allen «Anliegergemeinden» lägen schriftliche Absichtserklärungen zur ideellen Unterstützung und zur Teilnahme am weiteren Prozess vor.
Meine Hoffnung
Der Verein hat weit grössere Hoffnungen als meine, die sich auf den Wunsch nach reichhaltigem Whisky-Angebot am nachfolgenden Apéro beschränken – nämlich nichts Geringeres als die nächste Landesaustellung auf dem Flugplatz Dübendorf auf die Beine zu stellen. «Der Flugplatz Dübendorf hat genug Fläche, damit die Expo 2027 an einem einzigen Standort stattfinden kann», sagt Meier in seinem Referat. In zehn Jahren will man zudem mit einer Mobilitätsapp die Besucherströme an der Landesausstellung steuern. «Der Besuch der Expo wird ein Erlebnis und man wird nicht anstehen, wie man das von anderen Expos kennt», verspricht Meier.
«Ein neues Crowdfunding wird dabei nicht ausgeschlossen.»
Peter Sauter, Vereinspräsident X-27
Eine Studie, die der Verein in Auftrag gegeben hat, zeige, dass rund 80 Prozent der Leute mit dem öffentlichen Verkehr anreisen würden. Das sei eine Herausforderung für das Verkehrsnetz im Bereich Glattal und Dübendorf. «Dieses Problem lässt sich durch Takterhöhung der Züge und Zugsverlängerungen lösen», so Meier.
Budget aufgebraucht
Der Verein X-27 hatte 2017 mittels Crowdfunding 100‘000 Franken gesammelt. «Das Geld wurde für die Begleichung der Drittkosten, wie zum Beispiel der Verkehrsstudie gebraucht», sagt Vereinspräsident Peter Sauter und betont, dass der gesamte Verein ehrenamtlich arbeite. Jetzt suche man wieder Geldgeber, die eine Deckung der Kosten für die Planung der nächsten zwei Jahre übernehmen könnten. «Ein neues Crowdfunding wird dabei nicht ausgeschlossen. Wir gehen jetzt aber vermehrt auf Institutionen wie Stiftungen zu», so Sauter.
Konkurrent Sion 2026
Somit soll, wenn es nach Sauter geht, 25 Jahre nach der Expo.02 erneut eine Landesausstellung durchgeführt werden. Allerdings sei der Termin nicht verbindlich gesetzt worden: «Falls andere Grossprojekte in der Schweiz, wie beispielsweise die Olympischen Winterspiele 2026 stattfinden sollten, muss man sich schon die Frage stellen, wie viele Grossprojekte das Land verträgt.» Einen Strich durch die Rechnung könnte dem Projekt auch die «Svizra27», einer weiteren Idee einer Landesausstellung, an der verschiedene Wirtschaftsverbände aus der Nordwestschweiz arbeiten. Zudem schmieden die zehn Städte Zürich, Basel, Bern, Biel, Genf, Lausanne, Lugano, Luzern, St. Gallen und Winterthur gemeinsam Pläne für eine «NEXPO». Peter Sauter fühlt sich gewappnet für den Wettlauf um die Landesaustellung: «Wir haben in Dübendorf einen Treffpunkt an einem einzigen Ort und ein nachhaltiges Projekt, das über die Expo hinausgeht.» So sollen beispielsweise die Baumaterialien der Pavillons recycelt werden.
Gierschlund und Whiskysäufer
Es ist die zweite Veranstaltung von insgesamt zehn geplanten bis zur Durchführung der Landesausstellung 2027. Illustratorin Maria Rehli ist inzwischen fertig mit den Zeichnungen über meine Zukunftssorgen und Hoffnungen. Weil ich ihr gegenüber auch die Sorge geäussert habe, beim Mittagessen zu wenig Kaffee und Würstli zu bekommen, hat sie mich als «Alles-haben-wollen-Gierschlund» dargestellt. Zu Unrecht, dachte ich, während ich die Zeichnung an der Wand betrachte und meine Bratwurst kaute. Daneben hängt – brutal illustriert – meine Zukunftshoffnung auf einem grünen Blatt Papier: Ich, bewusstlos gesoffen, wegen zu viel Whisky.
Tour de Empa
Nach der Infoveranstaltung konnten sich die Besucher auf verschiedenen Touren das Empa-Forschungsgebäude «Nest» kennenlernen. Auf der «Water-Hub-Tour» drehte sich alles um die Abwasseraufbereitung, die im Keller des Gebäudes umgesetzt wird. Das Seifenabwasser der Toilettenlavabos wird wieder zu Frischwasser, der Urin zu Stickstoffdünger und die Fäkalien werden als Pellets verheizt. Dabei wurden die Besucher angehalten, eine Geruchsprobe des Urindüngers und der Kot-Pellets zu nehmen. «Nicht unangenehm, aber Parfüm riecht besser», meint ein Besucher.
«Water-Hub-Tour»
Quelle: Youtube/Eawag
Auf einer anderen Tour ging es um digitales Bauen und Wohnen. Etwa um Stahlbetonbau, der von Robotern auf der Baustelle umgesetzt wird. In einem Video wurde der Bauprozess gezeigt. Ein Roboterarm schneidet Armierungseisen und schweisst sie zu einem Netz zusammen. Die Tourführerin erklärte, dass danach ohne Schalung dickflüssiger Beton aufgetragen werde. Am Schluss der Tour durften sich die Besucher im obersten Stock ein Bild der Baustelle machen. Die gewundenen Mauern stehen schon, die Roboter wurden bereits abgezogen und Arbeiter bauen auf konventionelle Art und Weise.
