Die Tagelöhner der sozialen Dienste
Sie mähen Rasen, zügeln Möbel oder schaufeln Schnee. Die Taglöhner von Jobbus, einer Arbeitseinrichtung der sozialen Dienste für Erwachsene im Bezirk Uster, gehen den unterschiedlichsten Arbeiten nach. Es sind die schwer vermittelbaren Menschen, die sich unter der Woche um 8.30 Uhr in der Dübendorfer Sonnentalstrasse einfinden. Was unter «schwer vermittelbar» zu verstehen ist, erklärt Rolf Huber, Abteilungsleiter Arbeit bei Jobbus: «Leute, die nur schwer einen Job finden. Das kann eine ungelernte Hilfskraft oder ein über 50-jähriger ehemaliger Geschäftsführer sein.»
«Wir müssen dann auch mal erklären, wieso man nicht zwei Stunden auf dem WC verbringen sollte…»
Rolf Huber, Abteilungsleiter Arbeit bei Jobbus
Die meisten kämen freiwillig, sagt Huber, nur ganz wenige müssten von der Sozialhilfe zur Arbeit «genötigt» werden. «Wenn der soziale Abstieg der Menschen weit fortgeschritten ist, sind diese oft nur froh um eine geregelte Tagesstruktur.»
Das erste Mal zur Arbeit
Denn es gäbe Leute, die lange nicht mehr in geregelten Strukturen gelebt hätten. Deswegen biete der Jobbus auch das Einüben und Erlernen von Sozialkompetenzen an. Dazu gehöre auch, dass den Leuten beigebracht werde, sauber geduscht und pünktlich zur Arbeit zu erscheinen. Teilweise gehen Erwachsene auch das erste Mal überhaupt in ihrem Leben einer geregelten Arbeit nach. «Wir müssen dann auch mal erklären, wieso man nicht zwei Stunden auf dem WC verbringen sollte oder dass ein Smartphone während der Arbeit zur Seite gelegt werden muss», sagt Huber.
«Grundsätzlich gilt aber das Prinzip des klassischen Tagelöhner: Wer am Morgen da steht, ist da.»
Rolf Huber, Abteilungsleiter Arbeit bei Jobbus
Die Job-Busse
Die Führung der Tagelöhner übernimmt im Jobbus einer der sieben Festangestellten. Insgesamt stehen den Teams vier «Job-Busse» zur Verfügung, mit denen die Arbeiter zu ihren Einsatzorten fahren können. Die Gruppenleiter helfen den Arbeitern auch bei der Stellensuche, was zum Aufgabenbereich des Berufsintegrationsprogramms von Jobbus gehört. Dieses wird vom Bund vorgegeben, allerdings erhalte Jobbus dafür kein Geld, wie Huber sagt. Die Hauptaufgabe der Institution, die zum Zweckverband Sozialdienst Bezirk Uster gehört, sei aber das Sozialintegrationsprogramm.
Erstes und zweites Glied
«Im Schnitt kommen pro Tag 10 bis 12 Menschen, wir hatten aber auch schon 40 da.» Jobbus führt Statistik über die Arbeiter. Kommt einer zum ersten Mal, muss er in der zweiten Reihe anstehen, wo die Möglichkeit besteht, dass er am selben Tag keine Arbeit bekommt. Tags darauf ist er aber bereits in der Statistik erfasst und darf in die erste Reihe. «Grundsätzlich gilt aber das Prinzip des klassischen Tagelöhner: Wer am Morgen da steht, ist da.» Zudem sind da die immer wiederkehrenden Arbeiter. «Ein Herr kommt seit 15 Jahren immer wieder. Obwohl seine Ehefrau auch arbeitet, verdient das Paar dabei nur so viel, dass beide knapp ohne Bezug der Sozialhilfe auskommen.» Ein Tagelöhner verdient bei Jobbus 13 Franken pro Stunde netto. Das Mittagessen wird ihnen bezahlt. Der Bedarf der Arbeitskräfte hängt vom Auftragsvolumen ab. «Bei Arbeiten, die terminiert sind, wie zum Beispiel ein Umzug, ist das ein schwieriges Unterfangen.» Denn man wisse nie, wie viele Arbeiter am entsprechenden Tag zur Verfügung ständen. Bis anhin habe das aber immer geklappt, sagt Huber.
Nischenarbeiten
Die Auftraggeber sind vornehmlich die Gemeinden um den Greifensee. Aber auch Private treten immer wieder als Arbeitgeber für die Arbeitsteams auf. Wichtig ist Huber, dass ansässige Gewerbe nicht zu konkurrenzieren. «Wir erledigen Arbeiten, die für das Gewerbe uninteressant sind, wie private Plätze wischen oder Schneeschaufeln. Das sind Nischenarbeiten», so Huber. Im Sommer sei die Auftragslage gut, da stünden vor allem Unterhaltsarbeiten wie Gartenpflege und andere saisonale Arbeiten an. «Der Winter ist ein riesiges Verlustgeschäft», sagt Huber, «da stehen oft nur schlecht bezahlte Räumungsarbeiten im Wald an, wo wir drauflegen müssen.» Jobbus habe ausserdem auch mit Subventionskürzungen von 140‘000 Franken im vergangenen Jahr zu kämpfen. Für die Zukunft plane man eine Recyclingstation in Dübendorf einzurichten. So gebe es zusätzliche Arbeiten durch das ganze Jahr, so Huber.
Jahresbilanz 2017 von Jobbus und Jobwerkstatt
Im Jobbus arbeiten die Menschen im Taglohnangebot. Zusätzlich stehen der Institution noch zwei Werkstätten (Holz und Metall) sowie der Werkstattladen «frappant» zur Verfügung. 2017 hatten die drei Bereich bei einem Aufwand von 1’049’978 Franken einen Ertrag von 575’960 Franken erwirtschaftet. Das ergibt einen Verlust von 474’018 Franken für das vergangene Jahr.
Die Lohnauszahlungen für die 90 beschäftigten Jobbus-Teilnehmer betrugen 226’252 Franken, damit konnten 486 Aufträge für 281 Kunden erledigt werden. 23 Teilnehmer konnten in ein festes Arbeitsverhältnis übertreten und drei fanden eine Lehrstelle.
Die höchsten Einnahmen entstammten aus Arbeiten in der Gartenpflege, wo 115’096 Franken eingenommen werden konnte.
