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Politik

«Das Image von Drogen und Gewalt gehört zu den Rockern»

Der Motorrad Club «Hurricanes MC North» wird auch am diesjährigen Love Ride vom Sonntag auf dem Flugplatz auffahren. Die Dübendorfer Rocker sind dabei nicht so hart wie sie aussehen – ausser wenn jemand ihre Mädchen angrapscht.

Mancher von ihnen nimmt am Love Ride teil: Mitglieder der Hurricanes Dübendorf.

«Das Image von Drogen und Gewalt gehört zu den Rockern»

Ein Dutzend Harleys vor einem Industriegebäude, eine Bar mit Flipperkasten und verchromten Hirschgeweihen, epische Gitarrensoli, langhaarige Typen mit dunklen Sonnenbrillen, irgendwo riecht es nach Gras. Es fehlt nur, dass sich noch ein paar der schweren Jungs mit Billardstab und Barhocker den Kopf zerhauen und fertig wäre das perfekte Bühnenbild für eine Szene aus «Rumble In The Bronx», wo sich Jackie Chan mit einer Rockergang anlegt.

Wenn man Christoph Schweizer, den Präsidenten des Dübendorfer Motorcycle Clubs «Hurricanes MC North», mit solchem Kopfkino konfrontiert, hört der 52-Jährige einem geduldig zu, wie ein Onkel, der schon genug erfahren hat, um die eigenen Aufstände noch zelebrieren zu müssen.

Der Love Ride 2017

(Video: Simon Grässle)

Erst beim erneuten Nachfragen, schaut er mit einem inneren Seufzen zur Decke und meint in seinem ausgewogenen Ostschweizer Dialekt: «Natürlich nerven solche Bilder. Aber dieses Image von Drogen, Waffen und Gewalt gehört halt einfach zu den Rockern.»

Seit 30 Jahren herrscht Bikerfrieden

«Weisst du, die Hurricanes Schweiz gibt es nun schon seit 35 Jahren. Seit 30 Jahren haben die Schweizer Motorradclubs den Bikerfrieden unterzeichnet. Viel Gewalt gibt’s da nicht mehr.» Natürlich seien sie hart, wenn es drauf ankomme. «Für Motorrad, Frau und Club stehen wir ein.» Und was passiert, wenn ein Bike zerkratzt wird? «Dann setzen wir vielleicht auch einmal ein paar andere Mittel ein als nur den Anwalt», antwortet er lachend. Aber eben: Das komme nur sehr selten vor.

«Für Motorrad, Frau und Club stehen wir ein.»

Christoph Schweizer, Präsident der Hurricanes MC North

Gewalt würden auch sie grundsätzlich ablehnen. Rocker, die mit Drogen und Waffen handeln, kenne er nicht, sagt Schweizer. Und was ist mit den Hells Angels? Stimmt es, dass jeder seine Lederkutte im verrauchten Keller der Zürcher Rocker zeigen muss, bevor er sie anziehen darf? Auch hier verneint Schweizer.

Es gebe ein alljährliches Treffen aller Schweizer Clubs. Neumitglieder müssten da ihre Weste freigeben lassen, aber das habe mehr mit Tradition als mit den Hells Angels zu tun.

Nichts für den schnellen Rausch

Wer auf der Jagd nach dem kurzfristigen Kick ist, scheint bei den Hurricanes am falschen Ort zu sein. Die grosse Rebellion der Biker geschah in den 1980er Jahren, zu einer Zeit, in der die Dübendorfer Hurricanes noch gar keine Rocker waren. «Heutzutage kann man mit langen Haaren nicht mehr auffallen», sagt Schweizer.

«Freiheit findet eh meistens im Kopf statt.»

Christoph Schweizer, Präsident der Hurricanes MC North

Die Abenteuer des Hurricanes von heute seien die Reisen mit der Harley nach Armenien oder in den Iran. Die grosse Freiheit spürt Schweizer wenn er gegen Wind und Wetter anfährt. Schweizer grinst und meint: «Freiheit findet eh meistens im Kopf statt.» Doch vielleicht sind auch diese Gefühle zu schnelllebig in einem Kreis, der auf Tradition schwört und eine Bruderschaft, die ein Leben dauert. Wer bei den Hurricanes an der Churfirstenstrasse 17 Mitglied werden will, muss sich erst einmal über zwei bis drei Jahre als «Prospect», eine Art Novize, der den längeren Mitgliedern auch einmal das Essen bringen muss, bewähren. Kommen die Männer mit ihm klar und merken, dass der Club für ihn nicht einfach ein leichtes Hobby ist, kann er bleiben.

Stehlen gehört zu den Todsünden

So etwas wie Todsünden, die man sich niemals zu Schulden kommen lassen darf, gibt es in dieser Welt auch. «Stiehlt einer, ist er sofort weg.» Was die anderen Regeln sind, bleibt unter Verschluss. Bei aller Offenheit, die die Rocker an den Tag legen, diese Regeln sollen Teil der verschworenen Ordensgemeinschaft bleiben.

Auch wenn die Welt der Opas, die sich einmal im Jahr für den Love Ride ein Rockergewand überstreifen und  manchmal durchaus selbstironisch den harten Kerl markieren, nicht unbedingt diejenige mancher Hurricanes ist, nimmt der Grossteil von ihnen am Grossanlass auf dem Flugplatz Dübendorf teil. Schliesslich diene die Veranstaltung einem guten Zweck.

Und wer die gutmütigen Kerle kennenlernen will, kann an diesem Tag ihr Clubhaus besuchen und mit ihnen über den Wertecode von Rockern sprechen. Provozieren sollte man sie allerdings nicht: Schweizer sagt: «Wir erwarten Anstand und Respekt.»

Der 26. Love Ride findet am Sonntag, 6. Mai, zwischen 8 und 17 Uhr statt. Hauptveranstaltung, Start- und Endpunkt ist der Flugplatz Dübendorf.

 

Der Club «Hurricanes MC North»
Die Hurricanes kommen ursprünglich aus Norditalien. Der erste Schweizer Ableger im Tessin wurde 1983 gegründet. Die Dübendorfer Abteilung mit rund 20 Mitgliedern gibt es nun seit fünf Jahren. Am 30. Juni organisieren die Dübendorfer eine Anniversary Party in Andelfingen, an der drei verschiedene Bands spielen werden. Das Clubhaus der Hurricanes an der Dübendorfer Churfirstenstrasse 17 ist mittwochs, donnerstags und freitags geöffnet. Es steht jedem offen. Wer den Club regelmässig besuchen will, braucht aber eine Mitgliedschaft. (lue)

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