Moosackerstrasse bleibt Teil der Ustermer Verkehrsplanung
Die Moosackerstrasse existiert weiterhin nur auf dem Papier. Dies wird wohl noch lange so bleiben. Gemeinderat Jürg Krauer (FDP) wollte mit einer Anfrage an den Stadtrat bewirken, dass sich dieser beim Kanton für eine «baldige Realisierung» einsetzt.
«Eine etwas aktivere Rolle des Stadtrates wäre wünschenswert.»
Gemeinderat Jürg Krauer (FDP)
Der Bau der Strasse, die Teil des Projekts «Uster West» ist, ist Bestandteil des kantonalen Richtplans und fällt damit in dessen Zuständigkeit (siehe Box). Das kantonale Amt für Verkehr hat dem Stadtrat mitgeteilt, dass zuerst die Resultate der laufenden Planung «Stadtraum Uster 2035» abgewartet werden. Und diese ist nach heutigem Stand erst im Jahr 2023 abgeschlossen. Der zuständige Projektleiter des kantonalen Amts für Verkehr war für eine weitere Stellungsnahme nicht zu erreichen.
Kurz- bis Mittelfristig
Aber auch dann dürfte sobald keine neue Strasse zwischen Wilstrasse und Riedlikerstrasse zu sehen sein. Das könnte möglicherweise erst im Jahr 2029 der Fall sein. Ein Entscheid in diese Richtung wurde 2014 im Kantonsrat auf einen Antrag von verschiedenen Parlamentariern, darunter dem Maurmer Alex Gantner (FDP), beschlossen. «Eine kleine Verkürzung des Realisierungshorizonts» drückte es Gantner in seiner Rede damals aus. Und: es mache Sinn, dass man die Fristigkeit etwas «aggressiver hineinschreibe». Damit meinte Ganter eine kurz- bis mittelfristige Umsetzung der Moosackerstrasse, was 10 bis 15 Jahren entspräche. Auf denselben Zeitraum weist der Ustermer Stadtrat in seinem Antwortschreiben an Jürg Krauer hin.
Geschichte von «Uster West»
1981 wurde mit einer kantonalen Volksabstimmung ein Rahmenkredit für die Aufhebung von Kreuzungen von Strasse und Schiene an der SBB-Linie Wallisellen – Uster bewilligt. Das Bauwerk am Bahnübergang Uster Werrikon wurde jedoch zurückgestellt, da sich die Stadt Uster und der Kanton nicht auf eine Lösung für die Bewältigung der gesamten Verkehrsabwicklung in diesem Gebiet einigen konnten.
Danach sollte mit der Ausarbeitung der neuen Strasse «Uster West» das Stadtzentrum vom Durchgangsverkehr entlastet werden und die Rückstaus an den beiden Bahnübergängen Winterthurer- und Zürichstrasse verschwinden.
Am 22. Oktober 2012 bewilligte der Kantonsrat einen Kredit von 21 Millionen Franken für das Strassenprojekt «Uster West».
Im Sommer 2014 hat die Baudirektion die revidierte Schutzverordnung für das Gebiet Werriker-Glattenriet sowie Brandschänki festgesetzt. Gegen die Festsetzung gingen drei Rekurse ein, die der Regierungsrat teilweise guthiess und deshalb die Änderung der Schutzverordnung zum Neuentscheid an die Baudirektion zurückwies.
Am 24. September 2017 haben die Ustermer Stimmberechtigten sich im Verhältnis von 51 zu 49 Prozent gegen die Initiative «Keine Strasse Uster West» ausgesprochen. Die Initiative hatte gefordert, dass der Ustermer Stadtrat mit allen «demokratischen, politischen und rechtlichen Mitteln» das geplante Strassenprojekt zu verhindert versucht.
Im Oktober 2017 hat die Baudirektion die überarbeitete Schutzverordnung für das Gebiet Werriker-Glattenriet und Brandschänki in Uster festgesetzt. Gegen die Festsetzung sind beim Baurekursgericht erneut zwei Rekurse eingegangen.
Die neu geplante Strasse Uster West weist eine Gesamtlänge von 1'150 m auf, ist zweistreifig mit Spurbreiten von je 3,5 m und umfasst diverse bauliche und begleitende Massnahmen. (zo)
Krauer erwartet Entlastungen
Für Krauer ist der Bau der neuen Strasse wichtig: «Damit die Strasse Uster West ihre Funktion als Umfahrungs- beziehungsweise Entlastungsstrasse voll entfalten kann, ist die Realisierung der geplanten Moosackerstrasse unumgänglich.» Zum einen ergebe sich daraus eine Entlastung des Stadtzentrums, zum anderen diene diese auch als Ergänzung zu Uster West. «Dies insbesondere auch, um das Wohngebiet «Sonnenberg» zu entlasten oder dieses vor Mehr- und Schleichverkehr zu schützen.»
Moosackerstrasse schon seit 1970 geplant
Die Planung der Moosackerstrasse hat inzwischen einen langen «Bart»: Laut Stadtrat ist diese Strassenplanung schon seit 1970 rechtskräftig, wie er in seinem Antwortschreiben mitteilt. Der Bau der Moosackerstrasse mache für den Stadtrat mit Blick auf die Verkehrsplanung auch dann Sinn, wenn die Strassenführung «Uster West» nicht in der vorgesehenen Linienführung zustande käme. Eine kantonale Machbarkeitsstudie habe ergeben, dass mit der neuen Strasse die Achsen Talacker-, Zentral-, Apotheker- und Zürichstrasse entlastet werden (siehe Grafik). Der Studie zu Folge würde eine Verkehrsentlastung beim Abschnitt Apotheker- und Talackerstrasse von mehr als 70 Prozent eintreten. Aber auch die Zentralstrasse und die Zürichstrasse im Abschnitt Berchtold- bis Seestrasse würden um rund die Hälfte des heutigen Verkehrsaufkommens entlastet. Dies würde eine Aufwertung des Zentrums von Uster zur Folge haben, schreibt der Stadtrat.
Auf der anderen Seite seien der Bau der Moosackerstrasse mit Mehrbelastungen bei der Wil-, Blindenholz-,Steig- und Wermatswilerstrasse verbunden. Hinzu komme die Belastung des Knoten Zürich-, Berchtold-, Wilstrasse, des sogenannten «Nashornkreisel».
Zurzeit keine weiteren Schritte vom Stadtrat
«Nachdem sich die Bevölkerung am 24. September 2017 für die Realisierung der Strasse Uster West ausgesprochen hat, erfährt das Dossier ‹Moosackerstrasse› beim Stadtrat erneute Aktualität. Konkrete Massnahmen sind zurzeit jedoch keine vorgesehen», teilt der Stadtrat mit.
«Eine etwas aktivere Rolle des Stadtrates wäre wünschenswert», findet Krauer, der ansonsten zufrieden mit den Antworten des Stadtrates ist. Die Verkehrsführung werde sicher in diesem Sommer auch Thema in den weiteren Sitzungen des Echoraums zum Projekt "Stadtraum 2035" sein. «Die Moosackerstrasse ist ein wichtiger Puzzlestein zur Entlastung des Zentrums vom Durchgangsverkehr und muss daher so schnell wie möglich realisiert werden», so Krauer.
